Theatersanierung: Wer heute nicht plant, verspielt morgen Fördermittel
Foto: TBF · Die GRÜNE Fraktion begrüßt die überfraktionelle Bereitstellung von drei Millionen Euro für die ersten Planungsschritte im kommenden Jahr und widerspricht den jüngsten Äußerungen von Bürgermeister Jan Lindenau zur Theatersanierung: Erst eine belastbare Planung schafft die Grundlage, um Fördermittel einzuwerben und den städtischen Anteil an den Sanierungskosten zu reduzieren.
dazu Sophia Marie Pott, kulturpolitische Sprecherin der GRÜNEN Fraktion:
„Ich bin sehr froh, dass wir die Sanierung des Theaters im kommenden Jahr endlich ganz konkret angehen und drei Millionen Euro für die ersten Planungsschritte bereitstellen. Mit dieser überfraktionellen Initiative aus der Taskforce Theatersanierung zeigen wir: Wir haben den Ernst der Lage erkannt, ziehen an einem Strang und wollen jetzt zügig handeln.
Umso bedauerlicher ist es, dass diese Mittel im ursprünglichen Verwaltungsentwurf nicht vorgesehen waren. Die jüngsten Äußerungen von Bürgermeister Jan Lindenau machen deutlich, woran das offenbar liegt: Er hält es für vergebene Mühe, jetzt mit der Planung zu beginnen, weil die Stadt die Gesamtkosten einer Sanierung nicht allein tragen könne. Genau deshalb ist die Planung aber so entscheidend.
Mit den jetzt bereitgestellten Mitteln finanzieren wir eine belastbare Entwurfsplanung. Erst auf dieser Grundlage und nur mit einer gesamthaften Grundsanierung lassen sich überhaupt Fördermittel von Drittmittelgebern einwerben. Ohne diese Fördergelder wird es nicht gehen, denn der Sanierungsbedarf übersteigt Lübecks Finanzmittel. Wer die Planung heute ablehnt, verhindert also gerade die Möglichkeit, die Sanierung für Lübeck überhaupt finanzierbar zu machen.
Die Vorstellung, das Theater über viele Jahre hinweg Stück für Stück im laufenden Betrieb zu sanieren, ist keine realistische Alternative. Diese Möglichkeit wurde geprüft und verworfen. Die Schäden und der Sanierungsbedarf sind inzwischen so groß, dass es eine grundlegende Lösung braucht. Gerade weil in den vergangenen Jahren zu wenig in den Erhalt des Gebäudes investiert wurde, dürfen wir jetzt nicht noch mehr Zeit verlieren. Und den bei vielen Brücken begangenen Fehler, mit der Sanierung erst zu beginnen, wenn es schon zu spät ist, sollten wir beim Theater nicht wiederholen.
Ich bin froh, dass wir uns gemeinsam mit der Fachebene der Verwaltung und den zuständigen Senatorinnen auf diesen Weg verständigt haben. Diesen Weg werden wir konsequent weitergehen. Und natürlich ist auch der Bürgermeister herzlich eingeladen, seine Haltung noch einmal zu überdenken und sich diesem gemeinsamen Vorgehen anzuschließen.“
Kimberly D’Amico, Bürgerschaftsmitglied, ergänzt:
„Ein städtisches Theater ist weit mehr als nur ein Ort für Schauspiel, Musik und Tanz. Es ist ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens in einer Stadt. Es ist ein Treffpunkt, ein Ausgangspunkt für Austausch und auch Auseinandersetzung, für Perspektivwechsel, für die Darstellung und Lösung von Konflikten. Darüber hinaus ist es ein touristisch bedeutender Ort und nicht zuletzt Arbeitgeber für viele Lübecker*innen.
Ein Theater leistet einen wichtigen Beitrag, aktuelle, aber auch zukünftige bedeutende Fragen einer Gesellschaft darzustellen, neu zu denken und zu diskutieren.
Bereits in der Antike waren Theater fester Bestandteil der Stadtgesellschaft und spielten eine wichtige Rolle für den Zusammenhalt und das Netzwerk einer Stadt. Auch heute noch erfüllt ein Theater diese Funktionen, und wir können es uns schlichtweg nicht leisten, hierauf zu verzichten.
Theater bilden und inspirieren. Aber ein Theater ist auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Es zieht Besucher aus der gesamten Region an. Damit belebt es die Innenstadt, insbesondere unsere schöne neue Beckergrube. Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel profitieren und somit werden Arbeitsplätze gesichert. Auch wenn die monetäre Investition in unser Theater hoch ist, wird es sich in vielerlei Hinsicht wieder auszahlen.”
