Digitaler Notenschrank – Neues Internet-Projekt des Brahms-Instituts

Das Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck hat in Anwesenheit von Schleswig-Holsteins Wissenschaftsminister Dietrich Austermann Anfang des Monats via Internet seinen „Digitalen Notenschrank“ geöffnet. Mit dem vom Wissenschaftsministerium geförderten Projekt bietet sich die Möglichkeit, weltweit in über 10.000 Seiten Erstdrucken von Johannes Brahms zu blättern.In das Projekt sind insgesamt 90.300 Euro Fördermittel aus dem Schleswig-Holstein Fond geflossen. Mit der Mittelzuweisung ermöglicht das Wissenschaftsministerium dem Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck, Schleswig-Holstein künftig noch stärker als zentralen Standort der Brahms-Forschung zu etablieren.
Dazu Prof. Dr. Wolfgang Sandberger, Leiter des Brahms-Instituts an der Musikhochschule Lübeck: „Die Digitalisierung der einzigartigen Bestände des Instituts wird den Zugang zu den Quellen enorm verbessern und weiter dazu beitragen, dass das Brahms-Institut weltweit als zentrales Archiv der Brahms-Bestände in Deutschland wahrgenommen werden wird.“ Die Verfügbarkeit der Titel- und Notenseiten in digitaler Form schont die kostbaren Originalquellen, die für Musiker, Musikwissenschaftler und Editoren wertvolle Hinweise liefern können.
Insgesamt 11.297 Seiten aller rund 160 im Bestand des Instituts vorhandenen Erstdrucke wurden in gut einjähriger Arbeit eingescannt. Neben der reinen Bildinformation werden im Internet auch Angaben zu Titel, Opus-Zahl, Ausgabe, Verlag, Ort und Plattennummer zu finden sein. Zusätzlich zur bibliographischen Erschließung hat Musikbibliothekar Stefan Weymar zu jedem Werk auch inhaltliche Informationen erarbeitet: Entstehungszeit und -ort, erste Aufführung, Interpreten der ersten Aufführung und Fundorte der Autographe.
Brahms selber maß seinen Erstdrucken einen hohen Wert bei. Er hinterließ nur eine sehr geringe Zahl von Skizzen und Entwürfen – im Vergleich etwa zu Beethoven. Der Nachwelt versagte er zudem durch gezielte Vernichtung dieser Quellen den Blick in frühe Phasen seines Komponierens. Das Publikationsverfahren seiner Werke dagegen begleitete er durch Korrekturgänge sehr genau. In diesem Prozess verschob sich für ihn die Bedeutung von den handschriftlichen Quellen hin zu den Erst- und Frühdrucken. So schrieb er mit Blick auf die Orchesterfassung der Haydn-Variationen op. 56a an seinen Verleger Fritz Simrock: „Die Handschrift [autographe Stichvorlage] ist nicht maßgebend, sondern die von mir korrigierte gestochene Partitur!“ Und im nächsten Brief heißt es gar: „Wenn Sie jetzt nur nicht nach dem Manuskript Fehler hineinkorrigieren!“
Neben den Erstdrucken will das Brahms-Instituts auch andere Schätze seiner Sammlung in digitaler Form zur Verfügung stellen. Die hochwertige Bilddigitalisierung des ikonographischen Bestandes – rund 650 Einzelbilder von Brahms und seinen Zeitgenossen – ist bereits im Internet verfügbar. Weiterhin entsteht mit Unterstützung der Possehl-Stiftung Lübeck und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zur Zeit ein komplettes Brahms-Briefe-Verzeichnis. Rund 10.000 verzeichnete Briefe, bei denen der große Komponist Verfasser oder Adressat gewesen ist, werden dann über eine Datenbank weltweit zugänglich sein. Weitere Informationen über: www-brahms-institut.de
