Ankauf von Briefen und Postkarten von Thomas, Katia und Erika Mann aus dem Nachlass von Louis Leibrich
Dank der Förderung der Kulturstiftung der Länder, der Friedrich Bluhme und Else Jebsen-Stiftung und der Kurt-Werner und Anneliese Mellingen-Stiftung ist es dem Buddenbrookhaus gelungen, ein Konvolut aus Briefen und Postkarten von Thomas, Katia und Erika Mann aus dem Nachlass des französischen Germanisten Louis Leibrich zu erwerben. Es handelt sich dabei um 27 Briefe von Thomas Mann und 23 Briefe von Katia Mann sowie um fünf Briefe von Erika Mann, eine Karte von Golo Mann, Trauerkarten zum Tode von Katia und Erika Mann und eine Danksagung zum Trauerfall Thomas Mann. Des Weiteren sind 27 Kopien der Briefe von Leibrich an Thomas, Katia und Erika Mann sowie ein Manuskript der Diplomarbeit Leibrichs über Friedrich Nietzsche und Thomas Mann erhalten.
Der französische Germanist Louis Leibrich (1902-1983), der zunächst Gymnasiallehrer, später Professor an der Sorbonne war, galt als Thomas Mann-Enthusiast und hat zwei französische Biographien über Thomas Mann geschrieben: „Thomas Mann“ (1957) und „Thomas Mann: Une recherche spirituelle“ (1974). Des Weiteren verfasste er Essays zu den Themen Thomas Mann und Nietzsche und „Doktor Faustus“. Für seine Arbeiten zu Thomas Mann hat er Kontakt mit dem Autor aufgenommen und ihm in Briefen zahlreichen Fragen gestellt. Thomas Mann und später seine Ehefrau Katia haben diese Fragen beantwortet und damit die Entstehung der Biografien unterstützt. Thomas Mann sah in Louis Leibrich einen Fürsprecher für sich in Frankreich.
Die Briefe von Thomas und Katia Mann sind direkt an Louis Leibrich gerichtet. Von den 27 Briefen Thomas Manns sind 11 Briefe handschriftlich, 16 mit der Maschine geschrieben. Inhaltlich geht es in den Briefen um die Beantwortung von Fragen von Leibrich an Thomas Mann zu seinem Werk. Zudem sendet der Franzose Rezensionen, Aufsätze und Manuskripte zum Werk Thomas Manns, von denen sich der Autor stets begeistert zeigt. Von Bedeutung ist ein längerer Brief vom 16. März 1952, in welchem Thomas Mann über die „Betrachtungen eines Unpolitischen“ schreibt, welches er als „Werk seelischer Not und ehrlich-mühsamer Selbsterforschung“ beschreibt, die seiner Meinung nach für die Entstehung des „Zauberbergs“ vonnöten war. Nebenbei enthalten diese Briefe auch Informationen über die räumliche Situation (Umzüge), Sprachkenntnisse, Reisen, Krankheiten und die Arbeit am aktuellen Werk („Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“) des Literaturnobelpreisträgers.
Der erste Brief von Thomas Mann ist vom 12. Juni 1930, der letzte vom 23. Juni 1955. Der Großteil der Korrespondenz stammt aus der Nachkriegszeit aus den Jahren 1946 bis 1955 und belegt einen regelmäßigen Austausch in diesen Jahren.
Die 23 Briefe von Katia Mann an Leibrich stammen aus den Jahren 1955 bis 1975 und beinhalten vornehmlich Freigaben von Textstellen und Bildern sowie Korrekturen von faktischen Fehlern in Thomas Manns biografischen Daten. Interessant ist ein längerer Brief vom 3. Juni 1964, in welchem sich Katia über Fehler in der gerade erschienenen deutschen Biografie über ihren Mann von Klaus Schröter beschwert (und diese auch auflistet), insbesondere über die herausgestellte Bedeutung von Paul Bourget, welche sie auch in späteren Publikationen verärgert. Leibrich sendet Katia weiterhin seine Essays und Rezensionen zu Thomas Mann und seinem Werk, welche Katia wohlwollend aufnimmt.
Fünf Briefe stammen schließlich aus der Feder von Thomas Manns Tochter Erika aus den Jahren 1963 bis 1968. Darin geht es um das Fehlen von Leibrich-Briefen in einem Briefband von Thomas Mann, den Erika herausgeben hat. Erika rechtfertigt dies und organisiert eine Publikation von drei Briefen Leibrichs in der Neuen Rundschau 1966. Diese Veröffentlichung stellt auch die bislang einzige Publikation von Thomas Mann-Briefen an Leibrich dar.
Der Briefwechsel zwischen Thomas Mann, Katia Mann und Louis Leibrich ist ein Beispiel für einen interkulturellen Austausch zwischen Literaturwissenschaft und Schriftstellern auf internationaler Ebene. Durch den Erhalt zahlreicher Gegenbriefe kann die Korrespondenz zwischen dem französischen Germanisten und Thomas Mann sehr gut dokumentiert werden.
Dazu Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: „Es ist uns eine große Freude, dass wir das Buddenbrookhaus – eine der renommiertesten Forschungsinstitutionen zu Thomas Mann – beim Ankauf dieses Konvoluts unterstützen konnten und es damit der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zugänglich wird. Die teilweise unbekannten Briefe eröffnen nicht nur neue Einblicke in Leben und Werk von Thomas Mann, sondern sind auch ein eindrucksvolles Beispiel für den Austausch zwischen einem Literaturwissenschaftler und dem Schriftsteller Thomas Mann über Landesgrenzen hinweg.“
Die Dokumente können künftig im Archiv des Buddenbrookhauses eingesehen werden.
Weitere Informationen finden Sie unter https://buddenbrookhaus.de/
Bild: Buddenbrookhaus
