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Echte Zukunft für die Meere statt rückwärtsgewandte Deponien

  • Maritimer Zukunftsdialog der Landesregierung: BUND SH, BI gegen CO2-Endlager und Fridays for Future kritisieren CCS als rückwärtsgewandte Technologie
  • Deponieren von CO2 unter Nord- und Ostsee gefährdet den Natur- und Lebensraum
  • Gefahr durch Gasaustritte, Versauerung und giftige Abgas-Rückstände

Kiel. Zu einem Maritimen Zukunftsdialog hat das Wirtschaftsministerium Schleswig-Holstein für heute eingeladen. Auf der Tagesordnung steht neben den Themen Sicherheit und Verteidigung auch die CO2-Speicherung unter der Nordsee – Also das Deponieren von Kohlendioxid-Emissionen, die vorher in industriellen Prozessen entstanden sind und unter großem Energieaufwand aus den Abgasen herausgefiltert wurden, um sie zu entsorgen. Technisch wird dieser Vorgang als Carbon Capture and Storage, kurz CCS bezeichnet.

„CCS ist das Gegenteil von Zukunft. Es ist eine rückwärtsgewandte Methode, die die Hoffnung nähren soll, die Verbrennung von fossilen Energieträgern weiterführen zu können“, sagt Ole Eggers, Geschäftsführer des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Schleswig-Holstein e. V. (BUND SH). Der BUND fordert stattdessen in effiziente, suffiziente und resiliente Systeme wie natürliche CO2-Speicher, Erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft und ressourcenschonende Bautechniken zu investieren. Durch CCS werden die milliardenschweren Subventionskosten für neue bundesweite Infrastrukturen wie Pipelines notwendig. „Die für die Energiewende notwendigen Leitungen für Wasserstoff werden auf diese Weise kannibalisiert. Beide Strukturen können wir uns parallel nicht leisten“, so Eggers. Zusammen mit der Bürgerinitiative gegen CO2-Endlager und Fridays for Future hatte der BUND SH zu einer Kundgebung vor dem Veranstaltungsort der Maritimen Zukunftskonferenz aufgerufen.

„Unsere Meere haben nur eine Zukunft, wenn sie nicht als Deponie und Industriegebiet missbraucht werden. Denn ein gesundes Meeres-Ökosystem speichert CO2 auf natürliche Weise. Lebensgrundlagen zu erhalten heißt, an die Zukunft zu denken. Natur zerstören ist von gestern“, erklärt Eggers.

Dr. Reinhard Knof von der Bürgerinitiative gegen CO2-Endlager weist auf die Gefahren hin, die mit der Deponierung von CO2 unter dem Meeresboden einhergehen: „In der ausschließlichen Wirtschaftszone der Nordsee gibt es Tausende Öl- und Gasbohrlöcher. Dadurch kann beim Verpressen von CO2 Gas entweichen, zusammen mit Spuren von Schwermetallen, Kohlenmonoxid und anderen Giften, die zusammen mit dem CO2 unabsichtliche aus den Industrieabgasen gefiltert wurden. Hinzu kommt, dass das Abscheiden, Verdichten und der Transport von CO2 den Energieaufwand der Industrieprozesse um 40 Prozent erhöht.“

Torge Peterson von Fridays for Future betont: „Wer an die Zukunft der jüngeren Generationen denkt, investiert in Erneuerbare Energien und nicht in Leitungen und Deponien für die Abgase einer rückwärtsgewandten Industrie. Klimaschutz und Naturschutz müssen immer Hand in Hand gehen!“

Foto: BUND SH