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Feste Fehmarnbeltquerung: Bahninfrastruktur in der Region Lübeck rechtzeitig fit machen dafür

Dem Bahnverkehr droht mit der Eröffnung der Festen Fehmarnbeltquerung eine sehr starke Überlastung. Durch schnelles Handeln kann jetzt noch Schlimmeres verhindert werden. Ansonsten werden sich Personennah- und fernverkehr sowie Schienengüterverkehr in und um Lübeck gegenseitig blockieren.

Dazu Steffen Hamer, Mitglied im Bauausschuss der Hansestadt Lübeck:

„Die Lübecker*innen müssten sich eigentlich freuen, wenn durch die Feste Fehmarnbeltquerung die Hansestadt zum Tor für Zugfahrten nach Skandinavien  wird. Jedoch ist der Bahnknoten Lübeck für ein solches Verkehrsaufkommen völlig unterdimensioniert. So fahren allein heute schon in Spitzenzeiten 10 Züge (6x Personennahverkehr/ 4x Schienengüterverkehr) pro Stunde nördlich aus dem Lübecker Hauptbahnhof bis zum Abzweig Bad Schwartau Waldhalle, wo sich die zweigleisige Strecke in Richtung Bad Schwartau und Travemünde aufteilt .

Expert*innen prognostizieren einen deutlichen Anstieg bis zum Jahr 2037 auf bis zu 21 Züge pro Stunde in den Spitzenzeiten (11x Personennahverkehr/ 8x Schienengüterverkehr/ 2x Personenfernverkehr). Damit ein solches Verkehrsaufkommen bewältigt werden kann, müsste allein dieser Abschnitt viergleisig ausgebaut werden. Ähnliche Problematiken gibt es auch in Richtung Süden von Lübeck Hauptbahnhof aus. Die Resilienz des Schienenverkehrs ist stark gefährdet, was dazu führen könnte, dass  einzelne Verkehre nicht mehr abgewickelt werden können. Dies würde vor allem den Lübecker Hafen oder den Ausbau des Schienennahverkehrsangebots in der Region treffen. Für uns als Grüne Fraktion Lübeck ist das nicht hinnehmbar. Deswegen fordern wir kurzfristig wesentlich mehr Mittel vom Bund, um den Ausbau in und um Lübeck zusammen mit der Eröffnung der Festen Fehmarnbeltquerung abzuschließen.“

Nelly Waldeck, Mitglied des Landtages Schleswig-Holstein ergänzt:

„Durch die Hinterlandanbindung wird ein neuer Engpass bei Lübeck geschaffen. Das Verrückte ist, dass neu geplante Infrastruktur in wenigen Jahren wieder abgerissen werden muss, um diesen zu beseitigen. Diese Planung ist kurzsichtig und kann niemandem erklärt werden. Zudem erkennen alle Beteiligten die Notwendigkeit des dritten und vierten Gleises von Lübeck nach Bad Schwartau Waldhalle an. Im Rahmen der Hinterlandanbindung hätten die neuen Gleise direkt mitgeplant werden können. Dieser Idee wurde bisher eine Absage erteilt, unter Verweis auf den engen Zeitplan. Nun verzögert sich die Zeitplanung aber deutlich. Diese Chance sollte genutzt werden, die Engpassbeseitigung durch das dritte und vierte Gleis direkt mitzuplanen. Auch muss klar sein, dass dieser Engpass in Verantwortung des Bundes beseitigt werden muss, da er ja erst durch den Bau der Fehmarnbeltquerung durch den Bund geschaffen wurde.”

Matthias Gastel, MdB, Sprecher für Bahnpolitik der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen:

„Neue Schieneninfrastruktur darf keine Engpässe aufweisen. Wenn notwendig, sollten bereits jetzt ergänzende Maßnahmen umgesetzt werden. Der Verkehrsminister rennt den realen Bedarfen hilflos hinterher. Er muss sicherstellen, dass das Sondervermögen tatsächlich auch für Investitionen in den Neubau von Schienen gesteckt wird. Aktuell werden nur Mittel für die Sanierung aus dem regulären Haushalt hinaus verschoben. Wichtige Ausbauten sowie zusätzliche Maßnahmen können so nicht finanziert werden.“