„Im Märzen der Bauer“ – Zwischen Bauernregel und Witterungsrealität
„Im Märzen der Bauer“ – Zwischen Bauernregel und Witterungsrealität „Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt“ – die alte Redewendung steht sinnbildlich für den Beginn der arbeitsintensiven Zeit in der Landwirtschaft. Sie steht für das Anfahren der Feldarbeiten, für Aufbruch und Neubeginn nach dem Winter. Nach einem vergleichsweise langen und kühlen Winter stellt sich jedoch die Frage, ob sich der Saisonstart weiterhin am Kalender orientiert oder stärker von den tatsächlichen Witterungs- und Bodenverhältnissen abhängt. Grünland und Ackerbau: Zwischen Frost, Schnee und Vegetationsruhe Der relativ zeitig im Dezember einsetzende und im Vergleich zu den Vorjahren recht langanhaltende Winter hat für eine durchgehende Vegetationsruhe gesorgt. Im Unterschied zu den zunehmend milden Wintern fand kein nennenswertes Wachstum oder eine Weiterentwicklung der landwirtschaftlichen Winterkulturen – Winterraps, Wintergerste, Winterroggen, Wintertriticale sowie Grünland und Ackergras – statt. Aufgrund der langen Schneebedeckung war zunächst nicht eindeutig absehbar, wie die Bestände aus dem Winter kommen. Regional und auf Teilflächen kann der Winter Spuren hinterlassen haben, insbesondere dort, wo Kuppen freigeweht waren oder keine schützende Schneedecke lag. Von einer flächigen Auswinterung ganzer Schläge ist derzeit jedoch nicht auszugehen. Die überwiegend vorhandene Schneedecke wirkte während der Frostphasen – auch in Verbindung mit kaltem Ostwind – isolierend.
Vereinzelt sind bei Wintergerste, teilweise auch bei Winterraps, abgefrorene Blattspitzen beziehungsweise Blätter zu beobachten, die nach aktuellem Stand jedoch keine größere Bedeutung haben.
Auch Staunässe durch Regen und Tauwasser hat auf vielen Flächen Spuren hinterlassen. In den meisten Fällen ist jedoch davon auszugehen, dass die Bestände mit steigenden Temperaturen und abtrocknenden Böden wieder durchgrünen. Ein Vorteil der zurückliegenden Winterwitterung zeigt sich bei Winterzwischenfrüchten, die aus Gewässer- und Erosionsschutzgründen angebaut werden: Diese sind sicher abgefroren und erleichtern damit die Bestellung der Flächen mit Sommerungen. Wird beispielsweise nach einer Zwischenfrucht wie Senf oder Ölrettich im Frühjahr Hafer oder Sommergerste angebaut, kann die Fläche ohne zusätzlichen mechanischen oder chemischen Umbruch bestellt werden. Die abgestorbenen Pflanzenreste verbleiben als schützende Mulchschicht auf dem Boden und tragen weiterhin zum Erosionsschutz bei. Pflanzenbedarfsgerechte Nährstoffversorgung zum Vegetationsstart Getreidebestände mit Aussaatterminen ab Oktober präsentieren sich teils weniger üppig. Entsprechend zählen Düngemaßnahmen zu den ersten Arbeiten auf den Äckern.
Ziel ist es, insbesondere schwächere Bestände und Winterraps in Wachstum und Entwick-lung zu unterstützen. Angestrebt wird eine pflanzenbedarfsgerechte Nährstoffversorgung zum Vegetationsstart – sofern die Düngebedarfsermittlung abgeschlossen ist. Wichtige Nährstoffe wie Stickstoff, Kalium und Schwefel werden über organische und mineralische Düngemittel bereitgestellt. Neben mineralischen Düngern, die präzise und kulturangepasst mit modernen Streuern aus-gebracht werden, beginnt nun auch die Ausbringung von Gülle und Gärresten. Ein früher Einsatz sichert eine hohe Nährstoffeffizienz und ermöglicht eine gute Integration in den Ackerbau. Moderne Technik mit hoher Verteilgenauigkeit und bodennaher, streifenförmiger Ausbringung reduziert dabei Geruchsbildung und Nährstoffverluste. In den kommenden Wochen werden zudem Flächen ohne Winterkultur bearbeitet und ge-düngt, um Sommergetreide und Leguminosen einen guten Start zu ermöglichen. Hafer hat in den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein an Bedeutung gewonnen und lag 2025 bei rund 24.000 Hektar Anbaufläche – damit ist er das flächenstärkste Sommergetreide.
Ebenso werden Ackerbohnen und Sommergerste angebaut. Sommergerste wird häufig als Brau-gerste vermarktet, sofern die erforderlichen Qualitätsparameter erfüllt werden; Wintergerste dient überwiegend als Futtergetreide.
Die Aussaat erfolgt in ein feinkrümelig bearbeitetes und abgesetztes Saatbett. Teilweise kom-men auch Direktsaatverfahren zum Einsatz, die insbesondere im Boden-, Gewässer- und Ero-sionsschutz Vorteile bieten können. In einzelnen Beständen stehen zudem erste Pflanzen-schutzmaßnahmen an, etwa wenn eine Ungras- und Unkrautbekämpfung im Herbst witterungs-bedingt nicht möglich war. Tierhaltung: Lämmerzeit und erste Weidegänge Neben den pflanzenbaulichen Arbeiten spielt auch die Tierhaltung im März eine zentrale Rolle im landwirtschaftlichen Betriebsablauf. Bis die Weidehalter das Milchvieh rauslassen, vergehen noch einige Wochen. Aktuell wäre noch nicht genug Futter auf dem Grünland. Anders bei den Schafen, sie sind genügsamer und schon an den Deichen und auf den Koppeln zu sehen. Hinzukommt, dass sie mit ihren kleine-ren Klauen weniger Schäden auf noch winternassen Böden anrichten. Aktuell haben die Schä-fereibetriebe alle Hände voll zu tun, denn im März und April werden hierzulande die meisten Lämmer geboren. Laut Statistikamt Nord gibt es in Schleswig-Holstein derzeit über 180.000 Schafe in 870 Betrieben. Gartenbau: Saisonstart mit Augenmaß Auch im Gartenbau entscheidet der richtige Zeitpunkt über den erfolgreichen Start in die Saison. Sobald die Böden frostfrei und ausreichend abgetrocknet sind, beginnen die ersten Arbeiten.
Beete werden von Laub und Pflanzenresten befreit. Der Boden wird, sofern dieser nicht gefro-ren oder vernässt ist, gelockert oder umgegraben. Die Einarbeitung von Kompost oder organi-schen Düngern verbessert die Bodenstruktur, aktiviert das Bodenleben und minimiert Nähr-stoffverluste.
Zudem stehen Rückschnittmaßnahmen an Gräsern, Stauden, sommerblühenden Sträuchern und Rosen an. Bei stabilen Temperaturen beginnt die Rasenpflege mit Vertikutieren, Nachsaat kahler Stellen und gegebenenfalls einer maßvollen Startdüngung. Obstbäume werden auf 3 Schädlinge und Pilzkrankheiten kontrolliert; notwendige Schnittmaßnahmen fördern die Baum-gesundheit und die spätere Ertragsbildung.
Fazit: Zwischen Bauernregel und Realität
Der diesjährige Witterungsverlauf zeigt deutlich: „Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt“ ist weniger ein festes Datum als vielmehr eine Beschreibung der Phase, in der zahlreiche Arbeiten gleichzeitig beginnen, sofern es die Bedingungen zulassen.
Nach einem langen Winter entscheiden Bodenzustand, Temperaturentwicklung und Vegetati-onsbeginn über Tempo und Umfang der Maßnahmen. Die Landwirtschaft reagiert flexibel auf die jeweiligen Standortbedingungen. Darin liegt heute die eigentliche Bedeutung der alten Bauernregel.
Foto: Achim Seidel
