KulturVeranstaltungen

JazzBaltica 2026 – das Festivalprogramm

»JazzBaltica ist ein Ort, an dem Menschen aus der ganzen Welt zusammenkommen und der Dialog zwischen Kulturen zu Musik wird.« Nils Landgren, künstlerischer Leiter von JazzBaltica

Vom 25. bis 28. Juni 2026 wird Timmendorfer Strand erneut zu einer pulsierenden Bühne des zeitgenössischen Jazz. Rund um den Strandpark öffnet das Festival mit 36 Konzerten Türen zu neuen Klangwelten.

JazzBaltica präsentiert aktuelle Stimmen und frische Jazzimpulse. So sind erstmals auf der MainStage der schwedische Perkussionist Emil Brandqvist, der amerikanische Sänger Michael Mayo, der als Solist an der Seite der Norrbotten Big Band zu hören sein wird, der amerikanische Fusion-Keyboarder Bobby Sparks II und seine Band sowie der finnische Jazzgitarrist Kalle Kalima und der südafrikanische Pianist Nduduzo Makhathini bei JazzBaltica zu erleben.

Ein besonderer Akzent liegt in diesem Jahr auf der Vibrafon-Szene. Christopher Dell, Radek Szarek, Hauke Renken und Arthur Clees bringen aufregende Programme auf die Bühne und lassen die faszinierende Raffinesse dieses Instruments in seinen schwebenden Klangfarben, rhythmischen Sounds und harmonischen Grooves aufleuchten.

Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit vertrauten Weggefährten des Festivals: Omar Sosa, Joo Kraus und Diego Piñera, David Helbock, China Moses, Clara Haberkamp, die NDR Bigband und viele andere kehren zurück an den Timmendorfer Strand und knüpfen an musikalische Geschichten an, die hier ihre künstlerische Heimat gefunden haben.
Ein besonderer Höhepunkt ist auch in diesem Jahr wieder das Familienkonzert: »Unfug mit Michel aus Lönneberga« verbindet das JazzBaltica Ensemble mit der Erzählkunst des großartigen Schauspielers Gustav Peter Wöhler und lädt ältere wie jüngere Zuhörerinnen und Zuhörer zu einem gemeinsamen Erlebnis ein.

JazzBaltica on Tour

Auch in diesem Jahr begibt sich JazzBaltica wieder auf Tour: Auf der Seebühne in Eutin feiert Nils Landgren am 27. August und gemeinsam mit seiner legendären »Funk Unit« eine rauschende Party der »Feel Good Music« anlässlich seines 70. Geburtstags. Die Band versorgt seit über drei Jahrzehnten die Musikszene mit energetischen Grooves, tanzbaren Beats, brillanten Bläsersätzen und Vocals sowie lyrischem Soul. Ihre Konzerte sind elektrisierende Ausnahmezustände, denen man sich nicht entziehen kann.

Das Festivalgelände

Vor der malerischen Kulisse der Ostseeküste entfaltet JazzBaltica seine einzigartige Atmosphäre: Direkt am Strand präsentiert die exklusive Reihe @the beach zu später Stunde besondere musikalische Momente. Nur wenige Schritte weiter wird die Rotunde der Trinkkurhalle zum pulsierenden JazzCafé, während die OpenAir-Bühne an das historische Gebäude angrenzt und regionalen Größen sowie aufstrebenden Talenten eine Plattform bietet. Der Strandpark, gesäumt von alten Bäumen, lädt zum Verweilen ein, während in der stilvollen 73Bar des Maritim Seehotels der JazzClub sein Zuhause hat. Auf der Maritim MainStage schließlich zeigt sich die ganze Vielfalt des Festivals.

Vom WarmUp bis zum avslut

Mit dem traditionellen WarmUp am Donnerstag stimmt JazzBaltica das Publikum auf ein berauschendes Festivalwochenende ein: Um 18 Uhr musiziert Nils Landgren gemeinsam mit der Bigband des Ostsee-Gymnasiums Timmendorfer Strand auf dem Timmendorfer Platz. Am späten Sonntagabend erreicht das Festival mit dem avslut-Konzert seinen glanzvollen Schlusspunkt, wenn Nils Landgren mit seinen musikalischen Freunden Michael Wollny (Piano), Lars Danielsson (Bass) und Wolfgang Haffner (Drums) ein mitreißendes Jazzfeuerwerk zündet. Die vier Jazz-Hochkaräter begeistern durch eine kunstvolle Verzahnung eigener Kompositionen mit überraschenden Neuinterpretationen großer Klassiker – virtuos, leidenschaftlich und von zeitloser Eleganz.

Konzerte auf der Maritim MainStage

Beim Sonderkonzert am Donnerstagabend zelebriert Ivan Lins, die Ikone der Música Popular Brasileira aus Rio de Janeiro, ein einzigartiges JazzBaltica-Konzert. Gemeinsam mit dem renommierten amerikanischen Vokalensemble New York Voices und der berühmten Danish Radio Big Band unter der Leitung des Arrangeurmeisters Ralf Schmid präsentiert er die ganze Kraft seiner Musik: Eine sinnliche Synthese aus Samba, Bossa Nova, brasilianischem Pop und Jazz – klanglich reich, von verführerischer Melancholie durchzogen und von energetischer Lebensfreude getragen. (JB S)

Das Emil Brandqvist Trio eröffnet am Freitag das reguläre Programm auf der MainStage. Es stellt die Hierarchien des klassischen Piano-Trios elegant auf den Kopf. Hier führt nämlich nicht der Pianist, sondern der Schlagzeuger. Brandqvist gibt vom Drumset aus den Takt mit subtiler Autorität vor und setzt Impulse, die neue klangliche Räume erschließen. Was über sieben Alben hinweg zwischen ihm, dem Bassisten Max Thornberg und dem Pianisten Tuomas A. Turunen entstanden ist, gleicht einer musikalischen Telepathie. Ihre Kompositionen oszillieren zwischen melancholischer Poesie und kraftvoller Verdichtung – eine zeitlose Musik, die sich dem flüchtigen Zeitgeist entzieht. (JB 1)

Anschließend feiert ein außergewöhnliches Gesangstalent seine Premiere am Timmendorfer Strand: Michael Mayo, dessen Stimme mit spielerischer Eleganz zwischen Scat, Beatbox und lyrischem Gesang changiert, als wären die Grenzen zwischen diesen Welten nicht existent. Der 33-jährige US-Amerikaner, Schüler von Meistern wie Herbie Hancock und Dianne Reeves, hat eine Klangsprache entwickelt, die sich jeder Kategorisierung entzieht. Bei seinen stimmlichen Kaskaden zwischen Jazz, Pop und Soul wird er von der schwedischen Norrbotten Big Band, einem der innovativsten Ensembles Europas, begleitet. (JB 1)

Der Freitag endet mit dem Auftritt des Keyboarders Bobby Sparks II, der in seiner Musik die Genres mit einer lässigen Selbstverständlichkeit ineinander übergehen lässt, als wäre es der natürlichste Vorgang der Welt. Was er seinem Tasteninstrument entlockt, verweigert sich jeder akustischen Einordnung: Mal hört man ein Saxofon, mal eine E-Gitarre und dann eine Trompete. Tatsächlich aber bedient Sparks ein Clavinet, ein heute nahezu ausgestorbenes Keyboard, mit dem er die kühnsten Tonmodulationen erzeugen kann. Auf seinem aktuellen Album »Paranoia« verbindet der texanische Musiker Einflüsse aus Jazz, HipHop, Funk und Rock zu einem einzigartigen Sound der Gegenwart. (JB 2)

Der Sonnabend beginnt auf der MainStage mit dem Britta Virves Trio. Die estnische
Pianistin und Komponistin, seit langem in Stockholm ansässig, ist ein Nachwuchsstar der
europäischen Jazzszene. Gemeinsam mit Jon Henriksson am Bass und Jonas Bäckman am Schlagzeug erschafft sie eine intime baltisch-skandinavische Klangverschmelzung, in der sich nordische Weite, estnische Innerlichkeit und sinnliche Naturklänge zu einer stillen, atmosphärischen Jazzmeditation vereinen. (JB 3)

KMK – drei Initialbuchstaben, die zunächst andere Assoziationen wecken mögen, doch mit der Kultusministerkonferenz hat dieses in Berlin formierte Trio wahrlich nichts gemein: Der Finne Kalle Kalima an der E-Gitarre, die Bosniakin Mirna Bogdanovic mit ihrer Stimme und der Deutsche Keisuke Matsuno ebenfalls an der E-Gitarre haben sich zu einer Formation zusammengefunden, die das klassische Trio-Format wagemutig unterläuft. Die drei entwickeln als Delay Lake ein filigranes Geflecht aus Klangfäden, in dem sich die Grenzen zwischen Begleitung und Führung, zwischen Harmonie und Dissonanz auflösen – ein Trio, das zeigt, wie zeitgenössischer Jazz klingen kann. (JB 3)

Den Begriff »Supergroup« sollte man sparsam gebrauchen. Doch wenn diese Musiker
aufeinandertreffen, drängt sich der Superlativ auf: Arve Henriksen (Trompete), Trygve Seim (Saxofon), Anders Jormin (Bass) und Markku Ounaskari (Schlagzeug) zählen seit langem zu den bedeutendsten Jazzern unserer Zeit. Alle vier stehen für eine Ästhetik, »bei der es um die Musik und weniger um die Demonstration des Könnens geht«, wie Seim es prägnant formuliert. Mit ihrem Projekt »Arcanum« entfaltet die finnisch-schwedisch-norwegische Formation eine richtungsweisende Tonsprache, in der avantgardistische Experimente nordisch geerdet werden. (JB 4)

Peter Gall gehört zu den profiliertesten deutschen Schlagzeugern, doch er ist auch ein
Komponist und Bandleader, dessen Blick weit über den Trommelrand hinausreicht. Bei
seinem jüngsten Album »Love Avatar« präsentiert er kompakte, atmosphärische
Klangcollagen, die nach Neuem in der Musik suchen. An seiner Seite spielen Wanja Slavin (Saxofon), Carl Morgan (Gitarre), Rainer Böhm (Piano) und Matthias Pichler (Bass) – allesamt Spitzenkräfte des europäischen Jazz. Die perfekt aufeinander eingespielte Formation entfaltet mitreißend ein futuristisches Mosaik aus Jazz, Fusion und hypnotisierenden Grooves. (JB 4)

Alma Naidu gilt als eine große Entdeckung des deutschen Jazzgesangs. Die junge
Münchnerin, die in den vergangenen Jahren zunehmend ins Rampenlicht rückte, beeindruckt nicht nur mit ihrer Stimme, sondern ebenso als versierte Komponistin. Ihre Stücke haben eine genau justierte Dramaturgie, in der weit gespannte Melodiebögen auf präzise akzentuierte Rhythmen treffen. Naidus Songwriting, durchzogen von einem sicheren Gespür für Arrangements, bewegt sich souverän zwischen kraftvoll verdichteter Poesie und seelenvollen Kantilenen. (JB 5)

Es ist eine Jazzfreundschaft von großer Beständigkeit: Den deutschen Trompeter Joo Kraus, den uruguayischen Schlagzeuger Diego Piñera und den kubanischen Pianisten Omar Sosa verbindet seit Jahren eine musikalische Wahlverwandtschaft, die sie in immer neuen Konstellationen erproben. Im Trio »Vibe Factor« bündeln sie ihre Erfahrungen zu einem furios vielschichtigen Klangbild – mal sphärisch und irisierend, mal eruptiv und immer von elektrisierender Spannung getragen. Die drei vielfach ausgezeichneten Musiker verbinden zeitgenössische Beats mit südamerikanischer Polyrhythmik und erschaffen ein lebendiges Zusammenspiel von Tradition und Moderne. (JB 5)

Am Sonntag eröffnet das Familienkonzert die MainStage: Der kleine Michel lebt mit seinen Eltern, seiner Schwester Klein-Ida, der Magd Lina und dem Knecht Alfred auf einem Hof im småländischen Lönneberga. Mit seinen unerschöpflichen Einfällen gerät er von einem Abenteuer ins nächste: Mal lässt er Klein-Ida an der Fahnenstange in den Himmel wachsen, mal bleibt sein Kopf in einer Suppenschüssel gefangen oder er schließt seinen Vater im Toilettenhäuschen ein, stets zur fröhlichen Verblüffung seiner Umgebung. Im Familienkonzert lassen Nils Landgren, Lisa Stick, Izumi Ster, Annette Saxe und Eva Klesse gemeinsam mit dem Schauspieler Gustav Peter Wöhler als Sprecher die heiteren
Geschichten rund um diese unvergessliche Figur Astrid Lindgrens in schillernden Klang- und Erzählwelten neu aufleben. (JB kids)

Am Sonntagmittag folgt das Konzert der NDR Bigband unter der Leitung ihrer Chefdirigentin Nikki Iles. Mit ihrem Programm »The Shadow of a Dream« entfaltet Iles eine musikalische Reflexion über unsere Gegenwart. »Ich habe mich auf Themen der Einheit konzentriert – darauf, wie wichtig es ist, trotz der Herausforderungen, die uns begegnen, Empathie zu bewahren und einen gemeinsamen Boden zu finden. Das gemeinsame Musizieren schenkt mir Hoffnung für unsere gemeinsame Menschlichkeit und erinnert mich daran, dass wir keine Angst vor Träumen haben dürfen«, erklärt sie. Jede Note, jede orchestrale Wendung wirkt hier wie ein kleiner Lichtstrahl, der Brücken schlägt und die Musik als verbindende Kraft feiert. (JB 6)

Der Pianist David Helbock ist ein Aushängeschild des österreichischen Jazz. Mit seiner
Virtuosität und unbändigen Kreativität begeistert er das Publikum aller Kontinente. Für sein aktuelles Vorhaben konnte Helbock die vielseitige Bassistin und Cellistin Julia Hofer aus Wien als Duopartnerin gewinnen. Hofer, bisher vor allem in der Popwelt bekannt, zeigt hier ihr Können in einem ganz neuen Kontext. Ihre gemeinsame Musik lebt von Kontrasten: Groove und Stille, Experiment und Eingängigkeit, Improvisation und Intuition fließen ineinander über und changieren brillant zwischen Jazz, Pop und Klassik. (JB 7)

Der südafrikanische Pianist Nduduzo Makhathini zählt zu den originellsten Stimmen der
zeitgenössischen Jazzszene. In seinem temperamentvollen Spiel vermischen sich Jazz, rituelle afrikanische Musik und Gospel zu einer dynamischen Synthese, die in der Tradition südafrikanischer Legenden wie Bheki Mseleku, Moses Molelekwa und Abdullah Ibrahim steht. In seinem Spiel überträgt Makhathini die Klicklaute der Zulu-Sprache in ein
universelles musikalisches Vokabular und lässt zugleich Impulse der spirituell aufgeladenen Klangwelt John Coltranes und McCoy Tyners einfließen. Das Ergebnis ist eine eindringliche Musik, die von einer spirituellen Aura umhüllt wird. (JB 7)

Zum Abschluss der MainStage-Konzerte treffen Nils Landgren (Posaune/Gesang), Michael Wollny (Piano), Lars Danielsson (Bass/Cello) und Wolfgang Haffner (Schlagzeug) auf den schwedischen Multiinstrumentalisten Magnus Lindgren, die amerikanische Jazzsängerin China Moses und eine Blechbläser-Sektion. Dabei entsteht ein vielschichtiges Klangereignis aus gefühlvollen Eigenkompositionen, fesselnden Instrumentalsoli und vokaler Akrobatik, in dem sich improvisatorische Freiheit und orchestrale Präzision durchdringen – ein Finale voller Kunstfertigkeit und stilistischer Weite. (JB 8)

Konzerte @the beach

Am Freitag um Mitternacht entfaltet sich auf der Bühne direkt am Strand ein unvergleichlicher Klangkosmos aus Stimme, Vibrafon und Percussion. Die österreichische Sängerin Filippa Gojo und der polnische Vibrafonist und Perkussionist Radek Szarek sind nicht nur freundschaftliche, sondern auch musikalische Wesensverwandte, die sich musikalisch blind verstehen. Eigene Stücke, raffiniert verwoben mit ausgewählten Jazz-Standards und experimentierfreudigen Improvisationen, lassen im Konzert eine sehr intime Zwiesprache entstehen.

Das zweite Beach-Konzert in der Nacht zum Sonntag steht ganz im Zeichen einer nuancierten Balance zwischen Jazz, Pop und europäischer Volksmusik. Nils Landgren an Posaune und Gesang, Christopher Dell am Vibrafon und Lars Danielsson am Bass vereinen ihre Stimmen zu einem betörenden Sound, der ein Strom meditativer Poesie und zugleich eine faszinierende Begegnung mit drei der prägendsten Jazzmusikern unserer Zeit ist.

Konzerte im JazzCafé

Im JazzCafé treten Bands in ungewohnten Besetzungen oder mit neuen und hochspannenden Zugängen zum Jazz auf. Einen intimen wie farbenreichen Auftakt der Reihe gestalten am Samstagmittag Clara Lucas und Hauke Renken. Mit ihrem Debütalbum »Green« haben die Kölner Sängerin und der friesische Vibrafonist einen einzigartigen Kosmos erschaffen: Jazz- und Popklassiker begegnen raffinierten Eigenkompositionen. Lucas‘ warme, nuancenreiche Stimme und Renkens formvollendetes Vibrafonspiel umkreisen einander mit spielerischer Freude und sorgen für eine packende Atmosphäre.

Für den schwedischen Pianisten Emil Carlsson Rinstad ist die Musik Bachs »die Bibel aller Musiken«. Ein Bezugspunkt, an dem sich alles misst. Im zweiten JazzCafé-Konzert tritt er gemeinsam mit Magnus Bergström am Kontrabass und Ola Winkler am Schlagzeug in einen lebendigen Dialog mit dem Thomaskantor. Barocke Linien erfahren hier eine behutsame harmonische Brechung, kontrapunktische Gefüge werden gedehnt und in die Improvisation überführt. Aus der Strenge der Form erwächst atmende Freiheit, in der sich Bach und Jazz fantasiereich durchdringen.

Ob Jazz, Klassik oder Pop – Richard Koch hat sich genreübergreifend als Trompeter einen exzellenten Ruf erarbeitet und arbeitete schon mit Künstlern wie Peter Fox, Nils Frahm oder Jimi Tenor zusammen. Mit seinem Quintett »Rays of Light« geht der österreichische Wahlberliner aber ganz eigene Wege und verbindet Jazz mit Balkan-Klängen, Klezmer und mediterraner Folklore. Gemeinsam mit Fabiana Striffler (Violine), Valentin Butt (Akkordeon), Andreas Lang (Kontrabass) und Nora Thiele (Drums) entfaltet er am späten Nachmittag eine beschwingt-elegante Klanglandschaft.

Clara Haberkamp ist eine Ausnahmekünstlerin und ehemalige IB.SH-JazzAward Preiträgerin von 2011: Pianistin, Sängerin und Komponistin in einer Person. Sie schreibt und arrangiert für unterschiedliche Besetzungen – vom Vokalensemble über Pianotrio bis zur Bigband –, und doch kehrt sie immer wieder am liebsten zum Soloklavier zurück. So auch am Samstagabend im JazzCafé: Dort spielt sie ihre eigenen Kompositionen, die unmittelbar berühren und zugleich mit ausgeklügelter Eigenwilligkeit überraschen. Mit filigraner Improvisation und klarer Stimme überbrückt sie dabei virtuos Klassik und Jazz, Notation und Freiheit.

Sie zählen zu den führenden Persönlichkeiten des europäischen Jazz: Der schwedische Drummer Carsten Lindholm, die deutsche Bassistin Eva Kruse und der schweizerische Pianist Stefan Aeby. Auch wenn jeder der drei unterschiedliche Projekte verfolgt und das Publikum mit Aufnahmen und Konzerten vom Solo bis zur Großformation immer wieder aufs Neue beeindruckt, finden sie sich nach wie vor regelmäßig zu gemeinsamen Jazzimprovisationen zusammen. So auch beim ersten Sonntagskonzert des JazzCafé.

Am Nachmittag betritt die Hamburger Posaunistin Lisa Stick, Preisträgerin des IB.SH-JazzAward von 2012, mit ihrem Quartett das JazzCafé. Der luftig-lyrische Sound und die Virtuosität des Ensembles eröffnen neue klangliche Räume jenseits vertrauter Jazzpfade. Zwischen den oft noch getrennten Welten von Komposition und Improvisation schlägt das Quartett einen originellen Weg ein, auf dem sich sein ganz eigener Flow entwickelt – mal pulsierend, mal melodisch, stets beseelt von meisterhafter Musikalität.

Den Abschluss der JazzCafé-Reihe bildet eine Chet-Baker-Story, wie sie so noch nie erzählt wurde. Die Verbindung von Live-Musik und Schauspiel eröffnet unmittelbare und überraschende Einblicke in das bewegte Leben des legendären Jazzmusikers. Klangcollagen und Projektionen tauchen das Geschehen auf der Bühne in ständig wechselnde Stimmungen. Zur hochkarätigen Besetzung zählen unter anderem der Schauspieler Sascha Rotermund, der Trompeter Ingolf Burkhardt (NDR Bigband) und die Sängerin Ella Burkhardt, IB.SH-JazzAward Preiträgerin von 2023, die Bakers Songs in einem neuen Licht erklingen lassen.

Konzerte im JazzClub

In der Nacht zum Freitag öffnet der JazzClub erstmals seine Türen: Mit »Nine Sparks Riots« präsentiert der schwedische Posaunist Kristian Persson ein pulsierendes Universum zwischen Jazz, Funk und Neo-Soul – energiegeladen, farbenreich und von elektrisierender Präsenz.

Beim zweiten JazzClub-Konzert begegnen sich vier gestandene Stimmen der deutschen Jazzszene: Sven Kerschek (Gitarre), Gabriel Coburger (Saxofon), Lisa Wulff (Bass), IB.SH-JazzAward Preisträgerin von 2016, und Valentin Renner (Schlagzeug). Mit eigenem Tonfall und improvisatorischer Neugier verbinden sie ihre Instrumente zu einer experimentierfreudigen Symbiose.

Konzerte auf der OpenAir-Bühne

Die Super RabatzKi Marching Band eröffnet am Freitag die OpenAir-Fläche und fährt mit ihrem wuchtigen Sound wie ein Stromschlag in den Körper. Treffpunkt ist um 14.30 Uhr vor der Seebrücke, dann geht es gemeinsam mit dem Publikum über das Gelände rund um den Strandpark. Rhythmus wird hier nicht nur gehört, sondern physisch gespürt. Er treibt an, überwältigt und geht unmittelbar unter die Haut. Mit Trommeln, Saxofonen, Trompete und Bass verdichtet sich die Mini-Marchingband zu einem gewaltigen Klangkörper von explosiver Präsenz. Wo immer die Band auftritt, entsteht eine unwiderstehliche Energie, die die Füße unweigerlich in Bewegung setzt.

Er ist ein großer Name der zeitgenössischen Gitarrenkunst in Deutschland: Arne Lübbert. Bei ihm formen sich Jazz und Blues, südamerikanische Farbigkeit und straighter Swing zu einer Musik, die atmet, pulsiert und keiner Schublade entspricht. Gemeinsam mit Lars Hansen am Bass und Anne Diedrichsen am Schlagzeug betritt er am Freitagabend die OpenAir-Bühne. Mit einem sicheren Gespür für das »spielerische Dazwischen« bewegt sich das Trio »Lübberty« in einem flirrenden Raum von Motiv und Improvisation, von Struktur und Freiheit, in dem die Musik nicht festgeschrieben ist, sondern im Augenblick entsteht.

Stimme und Vibrafon – ein Dialog, auf das Wesentliche reduziert. Schwerelos schwebt die warme Intonation der ukrainischen Sängerin Kateryna Kravchenko über den sanften Vibrafon-Klangflächen, die der Luxemburger Arthur Clees mit großer Brillanz formt. Das Duo sprengt gängige Konventionen und lässt Jazz, Klassik, Volkslied und elektroakustische Nuancen ineinanderfließen.

Es gehört zu den traditionsreichsten Talentschmieden des Landes: Das LandesJugendJazzOrchester Schleswig-Holstein ist seit Jahrzehnten die erste Adresse für die besten jungen Jazzmusikerinnen und -musiker zwischen Nord- und Ostsee. Unter der Leitung des Lübecker Trompeters und Bigbandleaders Michel Schroeder erzeugen die jungen Orchestermitglieder einen Klang, bei dem weit gespannte Melodiebögen auf eruptive Bläsersätze treffen und experimentelle Grooves den traditionellen Swing vorantreiben – ein Sound, der Virtuosität mit jugendlicher Spielfreude verbindet.

Das andere Spitzenensemble des norddeutschen Jazznachwuchses kommt aus Hamburg. Das Landesjugendjazzorchester Hamburg zählt seit Jahren zu den wichtigsten Auswahlorchestern Deutschlands. Unter der Leitung des Ausnahmedirigenten und Posaunisten Jörn Marcussen-Wulff gestaltet die Bigband einen frischen XXL-Jazz, der in all seinen Schattierungen präzise gesetzt, klanglich differenziert und federnd im Swing die Bigband-Tradition sehr lebendig und zeitgenössisch erscheinen lässt.

Das letzte OpenAir-Konzert am Samstag gehört dem Hamburger Saxofonisten Ben Prechtl und seinem Quartett – einem Ensemble, das den modernen Jazz mit eigener Handschrift weiterdenkt. Der gemeinsame Klang lebt von wacher Improvisation und leidenschaftlicher Interaktion, in der musikalische Gedanken ineinandergreifen, sich spiegeln und weiterentwickeln. Mit seinen langjährigen Weggefährten Jacob Eckert (Piano), Mario Kolbe (Bass) und Johannes Kalt (Drums) kultiviert Prechtl ein Zusammenspiel von souveräner Vertrautheit und neugieriger Entdeckerlust.

Am Sonntag folgen zwei Nordlichter im musikalischen Dialog: Der Saxofonist Stefan Kuchel und der Pianist Jan-Christoph Mohr zählen zu den etablierten Stimmen der Schleswig-Holsteiner Jazzszene. In ihrem gemeinsamen Konzert richten sie den Blick auf deutsche Volks- und Kinderlieder und verwandeln vermeintlich Vertrautes in neue Klangsphären: Lieder wie »Hänsel und Gretel«, »Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann« oder »O du lieber Augustin« werden von ihnen in eigenwilligen, vielschichtigen Arrangements neu gedacht – rhythmisch überraschend, akustisch beeindruckend und verspielt ironisch.

»Four on the Floor« bezeichnet im Jazz jenen treibenden Groove, bei dem die Bassdrum jeden Viertelschlag im 4/4-Takt markiert. Diesen Namen trägt auch ein junges Quartett, das sich zwischen Jazz und Fusion mit bemerkenswerter Energie und stilistischer Offenheit bewegt. Ihr Repertoire spannt den Bogen von Chet Baker über Pat Metheny bis zu Bob Reynolds. Kennengelernt haben sich die Musiker beim SommerJazz Workshop und im LandesJugendJazzOrchester Schleswig-Holstein. Beim Wettbewerb »Jugend jazzt« erspielten sie sich dieses JazzBaltica-Konzert als Auszeichnung und bilden den Abschluss der Konzerte auf der OpenAir-Bühne.

Die Kindermusikwerkstatt findet am Sonntag ab 12 Uhr an der OpenAir-Bühne statt. Kinder ab vier Jahren können hier neue Klanglandschaften entdecken. Mit Neugier und Fantasie wird ausprobiert, gestaunt, gelacht und Musik gemacht.

IB.SH-JazzAward

In diesem Jahr wird der IB.SH-JazzAward zum 19. Mal verliehen. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis würdigt jährlich die Arbeit und das künstlerische Potenzial junger und hoffnungsvoller deutscher Jazzmusikerinnen und -musiker. Besondere Berücksichtigung finden dabei Talente aus Norddeutschland. Im letzten Jahr wurde der Sänger und Bassist Lennart Meyer mit dem Preis ausgezeichnet. Die Entscheidung der Jury wird am 4. Juni 2026 bekannt gegeben. Die offizielle Preisverleihung erfolgt im Rahmen der Eröffnung von JazzBaltica am Freitagabend auf der Maritim MainStage (JB 1).

Danke

JazzBaltica dankt der Hauptsponsorin Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) sowie den Partnern: der Ulbrich-Stiftung, gradwerk, Yamaha und der Weiland Kulturstiftung. Mit der Rose-Stiftung und den Stiftungen der Sparkasse Holstein fördern zwei neue Partner das Festival. Ein besonderer Dank für ihr Engagement gilt dem Land Schleswig-Holstein, der Gemeinde Timmendorfer Strand-Niendorf sowie den 183 Mitgliedern des JazzBaltica Freundeskreises. Festivalhotel ist das Maritim Seehotel Timmendorfer Strand. Die langjährigen Medienpartner NDR Kultur und ZDF stärken die Popularität des Festivals, außerdem führt JazzBaltica die Zusammenarbeit mit Deutschlandfunk weiter.

Tickets für JazzBaltica

Ab sofort sind Karten unter www.jazzbaltica.de und unter der Ticket-Hotline 0431-23 70 70 erhältlich. Die Festivalkarte für das gesamte Wochenende ist bereits ausverkauft. Festivalkarten für 2027 sind ab Mitte November 2026 erhältlich.

Programmheft und Informationen

Stiftung Schleswig-Holstein Musik Festival
Einsiedelstraße 6, 23554 Lübeck
Tel. 0451-389 57-0
www.jazzbaltica.de