Politik & WirtschaftTier, Natur & Umwelt

Minister Rainer spielt Foul: Igel gegen Fußball-WM

  • Tag des Artenschutzes: Auch Igel sind besonders geschützte Art
  • Besonders bei Dämmerung sind Mähroboter tödliche Gefahr für Igel
  • BUND kritisiert politische Machtkämpfe auf Kosten des Tierschutzes
  • BUND SH unterstützt Igelschutz mit Online-Vortrag und Petition

Berlin/ Kiel. Zum Tag des Artenschutzes am heutigen Dienstag weist der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf die besonders schützenswerte Art „Europäischer Braunbrustigel“ hin, wie der Igel wissenschaftlich korrekt heißt: Er steht seit 2020 auf der Vorwarnliste der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands und ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Mähroboter sind insbesondere bei Dämmerung und in den Nachtstunden eine Gefahr für die Tiere, wie Studien belegen. Deshalb möchte das Bundesumweltministerium in der geplanten Novelle des Tierschutzgesetzes, in der es eigentlich um mehr Videoüberwachung auf Schlachthöfen geht, auch ein Nachtfahrverbot für Mähroboter mit verankern. Doch das Bundeslandwirtschaftsministerium unter Alois Rainer (CSU) mauert gegen den Igelschutz.Patrick Müller, BUND-Experte für Agrarpolitik: „Dass Minister Rainer den Igelschutz nicht per Gesetz verbessern möchte, ist nicht hinnehmbar. Niemand muss nachts seinen Mähroboter fahren lassen. Besonders dürftig an Rainers Vorstoß ist: Die Blockade entlarvt sich als politischer Erpressungsversuch. Rainer will den Igelschutz durch eine Blockade der Lärmschutzverordnung aus der Tierschutzgesetz-Novelle raushalten. Es braucht aber beides: mehr Igelschutz per Gesetz und einfachere Regelungen für den Lärmschutz beim Public Viewing bei der kommenden Männerfußball-WM.“

Die vom Umweltministerium geplante Änderung der Lärmschutzverordnung soll Public Viewing bei der Weltmeisterschaft im Sommer ermöglichen. Beschlossen werden muss sie von der Bundesregierung. Doch der Bundeslandwirtschaftsminister verweigert seine Zustimmung. Nicht wegen inhaltlicher Differenzen, sondern aus machtpolitischem Kalkül: Rainer will so das Umweltministerium dazu bewegen, seinen Vorschlag für eine Regelung eines bundesweiten Mähroboter-Nachtfahrverbot im Tierschutzgesetz zurückzuziehen.

„Ein bundesweit einheitliches Verbot für Mähroboter wäre nicht nur eine große Hilfe für Igel, Frösche, Kröten und andere nützliche Tiere in unseren Gärten, sondern auch eine große Hilfe für Länder und Gemeinden, die sich zurzeit alle einzeln mit dieser Tierschutz-Diskussion befassen“, betont Bini Schlamann vom BUND Schleswig-Holstein (BUND SH). Der BUND SH hat gerade zusammen mit dem NABU SH eine Petition an den Landtag Schleswig-Holstein gestartet, die den Aufruf für eine Bundesratsinitiative enthält. Über 1.500 Menschen haben die Petition bereits unterzeichnet. „Schon der Igel, den jedes Kind kennt, musste auf die Vorwarnliste zur Roten Liste aufgenommen werden. Damit ist die Biodiversitätskrise in den Gärten angekommen“, ist Schlamann überzeugt.

„Bei seinen Machtspielchen auf Kosten des Tierschutzes und vieler Fußball-Fans schießt Minister Rainer ein Eigentor“, sagt Patrick Müller. Mähroboter sind eine tödliche Gefahr für Igel, Frösche und andere Lebewesen in unseren Gärten. Diese Gefahr muss unverzüglich gebannt werden. Dafür braucht es ein bundesweit einheitliches Verbot im Tierschutzgesetz statt eines verwirrenden Flickenteppichs aus Allgemeinverfügungen, Verordnungen und städtischen Satzungen.“

Der BUND SH lädt am Mo., 16. März 2026, 18 Uhr zu einem Online-Vortrag über angewandte Igelforschung ein.

Nähere Infos unter presse@bund-sh.de.