Politik & Wirtschaft

TOP 20: Die Attraktivität der Freiwilligendienste muss wieder in den Vordergrund gestellt werden

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Landtagspräsidentin, liebe Kollegen und Kolleginnen,

Freiwilligendienste ermöglichen jungen Menschen einen Einblick in unterschiedliche
Berufsbereiche. Sie zeigen den Berufsalltag auf, sensibilisieren für Bereiche des
gesellschaftlichen Lebens und fördern den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.
Es gibt eine große Vielfalt an Diensten: Das Freiwillige Soziale Jahr kann in Sport,
Kultur, Schule, KiTa oder allgemein geleistet werden. Aber auch ein Auslandsjahr ist
möglich. Daneben gibt es das Freiwillige Ökologische Jahr und vor allem den
Bundesfreiwilligendienst mit all seinen Facetten. Die Dauer variiert zwischen
mindestens 6 Monaten und maximal 24 Monaten.Meist entscheiden sich Schulabgänger für ein Jahr im Freiwilligendienst. Sie nutzen
die Zeit zur Berufsorientierung und entscheiden sich danach für eine Ausbildung oder
ein Studium. Seit Corona ist die Nachfrage an Freiwilligendiensten für unsere
Gesellschaft stark gesunken. Seit 2022 ging die Nachfrage in der Bundesrepublik um
circa ein Drittel zurück. 2023/2024 waren es knapp 90.000 junge Menschen in
Deutschland, die sich für einen Dienst gemeldet haben. Circa 50.000 für ein FSJ,
knapp 36.000 für den BFD und nur circa 3.000 für ein FÖJ.

Die Ursachen für diesen Rückgang der Bewerbungen sind sicher vielfältig. Die Plätze
für den Bundesfreiwilligendienst sind nicht gleichmäßig über das Land verteilt. Hier
finden Jugendliche meist nicht vor Ort den gewünschten Platz. Zusätzlich sollte das
zu zahlende Taschengeld regelmäßig unter Berücksichtigung der Inflation angepasst
werden.

Die Attraktivität der Freiwilligendienste muss wieder in den Vordergrund gestellt
werden. Gesellschaftliches Engagement sollte wertgeschätzt werden. Oftmals ist
dieses freiwillige Jahr auch der Einstieg in ehrenamtliches Engagement.
Die Attraktivität wird nicht durch einen Rechtsanspruch gesteigert. Im Gegenteil, dies
führt nur dazu, dass der Staat für jeden jungen Menschen einen Platz vorhalten muss,der aber nicht belegt werden wird. Zumindest nicht, solange wir es nicht gemeinsam
schaffen, in der Gesellschaft für einen allgemeinen Freiwilligendienst für alle jungen
Menschen zu werben. Dieses gesellschaftliche Jahr könnte in Kitas,
Pflegeeinrichtungen, Kultur-, Sport- und Umweltprojekten aber auch als Wehrdienst
geleistet werden. Es zeigt eine breite Palette an beruflichen Möglichkeiten auf, stärkt
die jungen Menschen in ihrer persönlichen Weiterentwicklung und fördert die
Übernahme von Verantwortung für unsere Gesellschaft.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, was wäre das für ein gesellschaftlicher Mehrwert!
Und das in schwierigen Zeiten, in denen der Zusammenhalt wichtiger ist denn je. Ich
kann hier für meine Fraktion sagen, dass wir die Arbeit von Freiwilligendienstleistern
in all ihrer Vielfältigkeit für unsere Gesellschaft sehr wertschätzen. Mehr noch, wir
möchten, dass das Interesse der jungen Menschen für ein Freiwilliges Jahr wieder
wächst. Wir möchten, dass sich Jugendliche ganz selbstverständlich für ein Jahr in
unsere Gesellschaft einbringen. Sei es im sozialen, kulturellen oder ökologischen
Bereich, oder auch bei der Bundeswehr. Für uns gehört der Wehrdienst ebenso dazu.
Es kann ein großer Mehrwert für alle sein: Das Interesse an unterschiedlichen
Berufen kann neu belebt werden und somit zur Ausbildung der Fachkräfte von
morgen führen. Und die jungen Menschen nutzen die Zeit zur Orientierung und
Festigung des eigenen Berufsweges. Quasi eine Win-Win-Situation.

Lassen Sie uns gemeinsam das vielfältige Angebot eines Freiwilligendienstes wieder
mehr in die Mitte unserer Gesellschaft tragen und für mehr Freiwilligendienstleistende
werben.
Vielen Ihre Aufmerksamkeit.