Tier, Natur & Umwelt

Weihnachtswald bei Klempau wird neuer Wohlfühlwald für Fledermäuse und Vögel – und auch das Klima profitiert

Diese etwa 40 Jahre alten Fichten sollten es eigentlich eines Tages als Weihnachtsbäume in die Wohnzimmer Schleswig-Holsteins schaffen und zu einem gelungengen Fest und funkelnden Kinderaugen beitragen. Doch schon vor etwa 30 Jahren wurde die Kultur nahe der Gemeinde Klempau zwischen Lübeck im Norden und Ratzeburg im Süden im Kreis Herzogtum-Lauenburg nicht weiter genutzt. Die Fichten wuchsen unaufhaltsam. Noch dazu sind sie weder ökologisch wertvoll, noch langfristig stabil und führen außerdem zu einer Übersäuerung des Bodens. Deshalb müssen sie jetzt für viele kleine Eichen weichen. Die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein – eine 100 prozentige Tochter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein – verwandelt den Weihnachtswald dort jetzt in einen naturnahen Laubmischwald und damit in ein Zuhause für zahlreiche Tiere und Pflanzen.

Die Natur profitiert von gewaltig wirkenden Maßnahmen   

Bagger mit Knickschere und Knickholzhacker rücken ab morgen auf der etwa 6000 Quadratmeter großen Fläche an und fällen die gigantischen Bäume, die dort dicht an dicht stehen. „Eichen sind lichtliebende, heimische Bäume. Sie brauchen Platz – genauer gesagt viel Licht und Luft zum Wachsen. Was hier jetzt anfänglich so brachial aussieht, ist eine wichtige Naturschutzmaßnahme, die den Wald klimastabil macht, weil die Eichen nicht so sturmanfällig sind und viel tiefer wurzeln als die Fichten und deshalb auch besser mit extremen Trockenperioden zurecht kommen. Außerdem bietet ein Eichenwald wenn er groß ist vielen Fledermaus-Arten, seltenen Schmetterlingen und Waldvögeln ein Zuhause“, erklärt Maßnahmen-Managerin Ann-Kathrin Brandt von der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein.

2400 junge Bäume bilden lichten Laubwald

Die gewaltigen Maschinen mit Greifarm und Sägen werden für drei Tage im Gebiet unterwegs sein. Sobald alle Fichten gefällt sind, werden rund 2000 kleine Eichen – Stiel-Eichen und Trauben-Eichen dort gepflanzt. Auch ein paar Hainbuchen und Ebereschen kommen dazu. Außerdem wird der neue, klimastabile, Wohlfühl-Wald mit schleswig-holsteinischen Wurzeln umringt von heimischen Sträuchern und Büschen – beispielsweise Holunder, Schneeball und Eberesche. Diese bilden ein gutes Versteck für die Haselmaus und auch ein vielfältiges Nahrungsangebot für viele Vögel.

Nördlich des Wohlfühlwaldes – nur getrennt durch den Bachlauf der Mühlenbek lässt Brandt dann noch einen ehemals intensiv genutzten Maisacker in einen weiteren Eichenwald verwandeln.

Fledermäuse wohnen zur Zwischenmiete in Fledermauskästen

„So eine lichte Laubwald-Entwicklung ist eine Generations-Aufgabe, sie entsteht nicht über Nacht, aber was hier jetzt wächst ist ein Zukunfts-Zuhause für Waldfledermäuse wie beispielsweise Abendsegler, Klein-Abendsegler, Rauhaut-Fledermäuse, das Braune Langohr, die Wasser – und Fransenfledermaus und auch für Waldvögel wie den Trauerschnäpper, den Mittelspecht und den Buntspecht“, erklärt Brandt. Die Eichen müssen allerdings erst noch zu ihrer stattlichen Größe heranwachsen. Um die Zeit zu überbrücken bis in ihnen Höhlen entstehen, werden an schon vorhandenen großen Bäumen Fledermauskästen angebracht.  Im vergangenen Jahr haben erfahrene Baumpfleger*innen bereits Höhlen und Spalten in die etwa 80 jährigen Bäume – Eichen und Buchen ganz in der Nähe – gesägt.

Foto: Stiftung Naturschutz ·