„Des Nazis neue Kleider“ – Linkspartei lädt zum Vortrag mit anschließender Diskussion

Am kommenden Donnerstag, den 26.10. findet im Büro der Linkspartei Lübeck (Hundestr.16) um 19 Uhr ein Vortrag mit dem Titel „Des Nazis neue Kleider“ mit dem Referenten Reiko Pinkert aus Berlin statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
In der Vorankündigung des Referenten heißt es: „Das Hakenkreuz kennen alle, den Gruß „Heil Hitler“ auch. Doch was macht man, wenn solche Inhalte versteckt werden, wenn aus „Heil Hitler“ die Zahlenkombination 88 wird? Der Sportlehrer freut sich vielleicht, dass seine Schützlinge auch in der Freizeit Basketball-Shirts tragen. Und die Nummer 88 ist sicherlich ein bekannter Profisportler, den er nur nicht kennt. Was für Außenstehende unauffällig wirkt, hat für diejenigen, die sich auskennen, die Jugendlichen, eine enorme Bedeutung.Die mehr als 120 bekannten Zeichen, die verdeckt oder offen eine politische Orientierung nach rechts mitteilen, sind für die meisten Erwachsenen eine Fremdsprache. Sie sind jedoch nicht nur Erkennungsmerkmal für Gleichgesinnte und vermitteln ein Gruppengefühl, sie transportieren auch eine politische Botschaft.
Ähnlich neonazistischer Musik, bei der der Musikstil kein eindeutiges Indiz für die politische Ausrichtung der Band ist, kann ein unscheinbares Symbol eine große Bedeutung für seinen Träger haben. Politische Symbole sind nichts anderes als die komprimierte Darstellung der wesentlichen Grundsätze einer Weltanschauung. Ihre Wiedergabe vermittelt einen bestimmten Inhalt, eine Deutung, oder ist gerade bei jugendlichen Trägern erst einmal „nur“ Ausdruck eines Gefühls. Das Gefühl des „Rechtsseins“ steht im Vordergrund und schließt einen ausformulierten, politischen Inhalt nicht zwingend mit ein. Die politische Botschaft kann sich in der Aufwertung des Eigenen und der Ablehnung alles Fremden erschöpfen. Der Vortrag beleuchtet die Codes und Symbole rechter Jugendlicher und ihren Zusammenhang mit einem Lifestyle, zu dem auch bestimmte Markenkleidung gehört.“
Die Vorsitzende der Lübecker Linkspartei, Asja Huberty, bemerkt dazu: „Angesichts des Einzugs der Nazis ins Schweriner Schloss entbrannte die Debatte um Neonazis, die NPD und die Taktiken -also z.B. Auftreten in der Bevölkerung- neu. Dass sich die Partei offiziell von pöbelnden Neonazis mit Baseballschlägern abgrenzt, zeugt von einer wohlüberlegten Strategie der Rechten. Es kommt ihnen heutzutage nicht mehr nur darauf an, ihren Hass schreiend in die Öffentlichkeit zu tragen; er soll auch fundiert sein.Wir können daher den Nazi von nebenan in einem neuen Kostüm beobachten: In Schale geschmissener Anzug mit Krawatte, oder gar im Punk-Look. Eine gefährliche Entwicklung!“
