Politik & Wirtschaft

Schleswig-Holstein rückt näher an den Äquator heran – Neue amtliche Koordinaten

Schleswig-Holstein wandert nach Süden und kommt dem Äquator etwa zwei Kilometer näher, – allerdings nur auf dem Papier. Grund dafür ist nicht die Klimaerwärmung oder gar eine tektonische Verschiebung, Ursache ist allein die Änderung des amtlichen Koordinatensystems.

Mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten führen die Vermessungsverwaltungen der Länder ein deutschland- und europaweit einheitliches Koordinatensystem für die Flurkarten des Liegenschaftskatasters und die topographischen Karten der Landesvermessung ein.

Die bislang in Schleswig-Holstein übliche Gauß-Krüger-Abbildung der gekrümmten Erdoberfläche in die ebenen Karten wird abgelöst durch eine (universale, transversale) Mercatorprojektion (UTM), die sich auf das Europäische terrestrische Referenzsystem 1989 (ETRS89) stützt.

Der Hochwert der neuen UTM-Koordinaten bezieht sich wie bisher auf den Äquator. Durch die geänderte mathematische Umrechnung wird er jedoch kleiner. Dadurch verringert sich koordinatenmäßig der Abstand Schleswig-Holsteins zum Äquator. In der Realität ändert sich dabei nichts. Entfernungen und Reisezeiten bleiben ebenso erhalten wie das Wetter.

Der Vorteil der Umstellung liegt darin, dass im neuen UTM-Koordinatensystem künftig auch die Grenzen der Bundesländer und der europäischen Staaten nahtlos zusammenpassen. Außerdem beziehen sich die zur Vermessung genutzten Satelliten, dazu zählt künftig auch das europäische Galileo-System, auf ETRS89, so dass die von den amtlichen Vermessungsstellen herausgegebenen Koordinaten ohne weitere Umrechnung bei der Satellitenvermessung und der Navigation genutzt werden können.

Die Umstellung fällt in Schleswig-Holstein zeitlich zusammen mit einer Umstellung der digitalen Flurkarten und des Buchnachweises der früheren Katasterämter auf ein neues System. Flurkarten und Bücher werden im bundesweit einheitlichen Amtlichen Liegenschaftskataster-Informationssystem (ALKIS) zusammengefasst.

Die landesweite Umstellung nach ALKIS beginnt Anfang April 2011 im ehemaligen Katasteramt Lübeck (jetzt Abteilung 4 des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation Schleswig-Holstein) und wird im Juli dieses Jahres in Ostholstein abgeschlossen. Bürgerinnen und Bürger, Notarinnen und Notare und alle anderen Nutzer können auch in der Umstellungsphase Unterlagen des Liegenschaftskatasters für ihre Bauanträge oder für den Kauf oder Verkauf von Grundstücken erhalten.