Syrien: Sicherheitskräfte stoppen Selbstmordattentäter
Tausende Christen vor neuen Kämpfen aus Aleppo geflohen
(Open Doors, Kelkheim) – Minuten vor Beginn des neuen Jahres haben Sicherheitskräfte in Aleppo einen Mann aufgehalten, der offenkundig im Begriff stand, ein Selbstmordattentat auf eine Kirche zu verüben. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe des Farhat-Platzes, an dem sich mehrere Kirchen befinden. Bei dem Einsatz kamen der Attentäter und einer der Beamten ums Leben. Zum Zeitpunkt des Vorfalls fand allerdings in keiner der nahe gelegenen Kirchen eine Versammlung statt.
IS plante mutmaßlich Anschläge in mehreren Provinzen
Lokalen Kontaktpersonen von Open Doors zufolge wurde der Selbstmordattentäter von Sicherheitskräften aufgehalten, weil der Mann ihnen verdächtig erschien. In diesem Moment begann er zu schießen und zündete einen Sprengstoffgürtel, wodurch er sich selbst und einen der Soldaten tötete; zwei weitere erlitten Verletzungen.
Rund um Kirchen und andere religiöse Stätten waren bereits erhöhte Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden. Laut dem Innenministerium deuteten Geheimdienstinformationen darauf hin, dass militante Islamisten „Selbstmordattentate und Anschläge auf Neujahrsfeiern in mehreren Provinzen, insbesondere in der Stadt Aleppo, planten. Dabei wollten sie Kirchen und zivile Versammlungsorte ins Visier nehmen“ – so ein Bericht der Nachrichtenagentur AFP. Wie Kontaktpersonen von Open Doors übereinstimmend mit mehreren Agenturen berichteten, gehörte der Angreifer dem Islamischen Staat an.
Mehrere Geistliche aus den Kirchen der Umgebung nahmen an der Beerdigung des Soldaten teil, um ihre Dankbarkeit und ihren Respekt zu erweisen. Sechs Monate zuvor, am 22. Juni, hatte ein Selbstmordattentäter die Saint-Elias-Kirche in Dweila, Damaskus, angegriffen und 22 Christen getötet.
45 christliche Familien und Tausende weitere vor Kämpfen geflohen
Wenige Tage nach dem vereitelten Anschlag sind am Wochenende im Norden Aleppos Kämpfe zwischen den kurdisch geführten SDF-Truppen und der syrischen Armee ausgebrochen. Die syrische Armee beschießt überwiegend von Kurden bewohnte Stadtteile Sheikh Maqsoud und Ashrafieh; tausende Zivilisten versuchen seitdem, aus dem Gebiet zu fliehen. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, mit den Feindseligkeiten begonnen zu haben.
Die betroffenen Stadtteile wurden zwischenzeitlich zur „geschlossenen Militärzone“ erklärt. Seit Mittwoch um 15:00 Uhr gilt dort eine vollständige Ausgangssperre. Etwa 45 christliche Familien haben die beiden kurdischen Stadtteile Ashrafieh und Sheikh Maqsoud in Aleppo verlassen und Zuflucht in Kirchen in sichereren Gegenden der Stadt gefunden. Das Verteidigungsministerium verkündete eine 6-stündige Feuerpause für die umkämpften kurdischen Stadtviertel von drei bis neun Uhr Ortszeit heute (Freitag) Morgen.
Am Donnerstag besuchten lokale Partner von Open Doors die Geflüchteten. Eine dort untergebrachte Frau berichtete einem der Mitarbeiter: „Mein Mann ist noch dort; er hat sich geweigert, zu gehen. Ich hatte Angst um meine Kinder. Letztendlich hatte ich keine andere Wahl, als ihn zurückzulassen und mich auf Gottes Schutz für meine Familie zu verlassen. Deshalb habe ich in der Kirche Zuflucht gesucht.“
Sie schildert die Situation in ihrer Notunterkunft: „Die Familien schlafen auf dem Boden in einem Saal. Die Kinder sitzen in einer Ecke und spielen miteinander, aber ohne ein Lächeln im Gesicht. Die Familien haben die ganze Nacht gebetet und versucht, ruhig zu bleiben.“ In einer anderen Kirche fanden etwa 100 Christen Zuflucht. Sie schlafen im Kirchensaal.
Laut der offiziellen syrischen Nachrichtenagentur SANA sind inzwischen über 140.000 Menschen vor den Kämpfen geflohen.
Auf dem Weltverfolgungsindex 2025 steht Syrien an 18. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.
Quellen: AFP, Open Doors
Bitte beten Sie für die Christen in Syrien:
- Danken Sie Jesus für seine Bewahrung und den erfolgreichen Einsatz der Sicherheitskräfte.
- Beten Sie für die Angehörigen des getöteten Sicherheitsbeamten und für die Verletzten, dass Jesus ihnen als Heiland und Tröster begegnet.
- Beten Sie um Schutz für die Christen in allen Teilen Syriens, besonders aber für diejenigen, die in Aleppo und Umgebung leben.
- Beten Sie um ein Ende der Kämpfe zwischen der syrischen Armee und den kurdischen Streitkräften.
- Beten Sie für alle Geflüchteten um Trost, gute Versorgung und die baldige Rückkehr in geordnete Verhältnisse.
Am 14. Januar veröffentlicht Open Doors den Weltverfolgungsindex 2026. Die neue Rangliste, ausführliche Länderprofile, Videoclips und weiteres Material finden Sie ab diesem Zeitpunkt unter www.opendoors.de/wvi
Über Open Doors:
Open Doors ist als überkonfessionelles christliches Hilfswerk seit 1955 in mittlerweile mehr als 70 Ländern im Einsatz für verfolgte Christen. Jährlich veröffentlicht Open Doors den Weltverfolgungsindex, eine Rangliste von 50 Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Derzeit sind weltweit mehr als 380 Millionen Christen wegen ihres Glaubens intensiver Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. Projekte von Open Doors umfassen Hilfe zur Selbsthilfe, Ausbildung von christlichen Leitern, Engagement für Gefangene, Nothilfe und Trauma-Arbeit, die Bereitstellung von Bibeln und christlicher Literatur sowie die Unterstützung von Familien ermordeter Christen. Mit einer breiten Öffentlichkeitsarbeit informiert das Werk in Publikationen und mit Vorträgen über Christenverfolgung und ruft zu Gebet und Hilfe für verfolgte Christen auf. Die Arbeit von Open Doors Deutschland e.V. wird durch Spenden finanziert. Das Werk trägt das Spendenprüfzertifikat der Deutschen Evangelischen Allianz.
