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Überlebenskampf im Schatten der Weltöffentlichkeit: Die vergessene Krise im Sudan

Seit April 2023 versinkt der Sudan in einem verheerenden Machtkampf zwischen der regulären Armee und den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF). Was als gescheiterte Integration von Truppenteilen begann, hat sich zur derzeit größten humanitären Katastrophe weltweit ausgeweitet. Rund 13,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht, während strukturelle Armut und die Folgen des Klimawandels die Not massiv verschärfen. Inmitten der Kämpfe, die das Land faktisch in einen von der Armee kontrollierten Norden und Osten sowie einen von der RSF dominierten Westen und Süden gespalten haben, bleibt der Zugang für internationale Helfer aufgrund bürokratischer Hürden und extremer Unsicherheit prekär.

„Das Land ist weitgehend abgeschottet“, konstatiert Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. Angesichts dieser Blockaden setzt die Organisation auf einen „lokal geführten Ansatz“: die sogenannten Emergency Response Rooms. Dieses Netzwerk aus rund 700 Initiativen organisiert in Eigenregie Suppenküchen, Kliniken und psychosoziale Hilfe direkt in den Nachbarschaften.

Durch dieses System der „gegenseitigen Hilfe“ (Mutual Aid) fließen Gelder direkt an lokale Freiwillige, was eine Effizienz von bis zu 95 Prozent ermöglicht. Dennoch droht dieses Engagement an schwindenden Mitteln zu scheitern: Während der Bedarf wächst, haben institutionelle Geber wie die USA und Deutschland ihre Budgets massiv gekürzt. Keßler warnt eindringlich vor einer „vergessenen Katastrophe“, während regionale Akteure wie Ägypten, die Emirate und Äthiopien den Konflikt durch eigene Machtinteressen weiter befeuern.

Conny&Kurt
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