Sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch haben im Klinikalltag keinen Platz
Zur heutigen (11.06.2026) Vorstellung einer Befragung von Mitgliedern der Gewerkschaft Marburger Bund zu Erfahrungen mit Machtmissbrauch und sexuellen Übergriffen sagt der gesundheitspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Jasper Balke:
„Sexuelle Übergriffe und missbräuchliche Machtausübung haben keinen Platz in unserer Gesellschaft, genauso wenig auch im Klinikalltag. Die alarmierenden Schilderungen der Medizinstudentinnen auf dem letzten Ärztetag haben zurecht eine breite Debatte ausgelöst, die der Marburger Bund durch ihre heute vorgestellte Mitgliederbefragung aufgegriffen hat. Die Ergebnisse zeichnen ein erschreckendes Bild, das mich auch als Medizinstudent und Mitglied im Marburger Bund sehr betroffen macht. Es ist eindeutig, dass wir im Gesundheitssystem flachere Strukturen brauchen, die den Raum für Machtmissbrauch möglichst klein halten.
Wenn 57 Prozent der bundesweit befragten angestellten Ärzt*innen innerhalb der vergangenen zwölf Monate Erfahrungen mit Machtmissbrauch oder sexuellen Übergriffen gemacht haben, dann darf das nicht einfach nur eine Randnotiz bleiben. Denn auch die Kliniken in Schleswig-Holstein bilden dabei keine Ausnahme. Besonders betroffen sind Nachwuchskräfte und insbesondere junge Ärztinnen, die strukturell häufiger von Abhängigkeitsverhältnissen und Hierarchien betroffen sind.
Wenn mehr als jede*r zehnte Ärzt*in sexuelle Übergriffe erlebt hat, spricht das für eine zutiefst problematische Arbeitskultur im Gesundheitswesen. Geschlechtsbezogene Diskriminierung, sexualisierte Kommentare oder unerwünschte Berührungen müssen geahndet werden und Täter*innen dürfen nicht länger damit durchkommen.
Besonders besorgniserregend ist, dass nur rund ein Fünftel der Betroffenen Vorfälle meldet. Die Angst vor beruflichen Nachteilen, insbesondere in hierarchisch organisierten Klinikstrukturen und während der Weiterbildung, führt häufig dazu, dass Übergriffe und Machtmissbrauch im Verborgenen bleiben. Die Erfahrungen der Betroffenen zeigen, dass Meldungen nicht selten bagatellisiert werden und Konsequenzen für Täter*innen oftmals ausbleiben.
Ich danke dem Marburger Bund für die Arbeit und den Mitgliedern für die wichtige Teilnahme an der Umfrage. Ich erwarte jetzt eine breite, ehrliche und lösungsorientierte Debatte mit allen Beteiligten im Gesundheitswesen, um diese Missstände aufzuarbeiten. Gerade die Studierenden und junge Ärzt*innen in Weiterbildung brauchen eine starke Stimme, denn unser Gesundheitswesen muss ein gewaltfreier, toleranter und inklusiver Raum nicht nur für Patient*innen, sondern unbedingt auch für die Beschäftigten sein.“

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