Mehr Rückenwind für neurodivergente Kinder
Zum heutigen Fachgespräch Neurodivergenz im Bildungsausschuss sagt der bildungspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Malte Krüger:
„Neurodivergente Kinder und Jugendliche brauchen Verständnis, passende Unterstützung und einen Schulalltag, der ihre Bedürfnisse berücksichtigt. Nach der Anhörung im Bildungsausschuss ist das sehr deutlich geworden. Es ist gut, dass wir uns als Bildungsausschuss mit diesem Thema beschäftigen. Schulen müssen stärker darauf vorbereitet werden, mit Autismus, ADHS, oder zum Beispiel Dyskalkulie umzugehen. Dafür braucht es mehr Wissen und vor allem mehr Handlungswissen in der Lehramtsausbildung sowie in der Fortbildung von Lehrkräften. Diese Forderungen müssen in der Reform zur verbesserten Verzahnung der verschiedenen Phasen der Lehramtsausbildung berücksichtigt werden.
Neurodivergenz ist kein Defizit, sondern Teil der menschlichen Vielfalt. Dennoch werden die Belastungen und Stressreaktionen betroffener Schüler*innen häufig missverstanden oder bagatellisiert. Rückzugsmöglichkeiten, ein konsequenter Umgang mit Mobbing und ein sensibler Blick auf Schulabsentismus sind deshalb zentrale Bausteine einer inklusiven Schule. Die derzeitige Anwendung der Schulabsentismus-Richtlinie werden wir Grüne uns kritisch anschauen. Insbesondere darf bei neurodivergenten Kindern nicht vorschnell der Eindruck einer Kindeswohlgefährdung entstehen. Stattdessen braucht es passgenaue Unterstützung und ein besseres Verständnis für die besonderen Herausforderungen dieser Schüler*innen.
Gleichzeitig fehlen bislang belastbare Daten darüber, wie viele Kinder und Jugendliche betroffen sind und welche Unterstützungsbedarfe tatsächlich bestehen. Für eine bedarfsgerechte Ressourcenplanung und künftige Haushaltsanmeldungen müssen Zahlen und Erkenntnisse systematisch erhoben werden.“
Der gesundheitspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Jasper Balke, sagt:
„Neurodiversität ist gesellschaftliche Realität, die aber zu oft noch nicht anerkannt wird. Rund jeder fünfte Mensch weicht hinsichtlich der neurologischen Funktionsweise von dem ab, was gesellschaftlich als typisch und damit als mehrheitlich gilt. Es ist deshalb längst überfällig und wichtig, dass wir unseren Alltag, unser Umfeld und auch unser Schulsystem auf diese Vielfalt einstellen.
Gerade die oftmals langen Wartezeiten auf Diagnosen bei Autismus, ADHS oder Legasthenie oder Dyskalkulie müssen durch eine Stärkung der psychotherapeutischen Versorgung deutlich reduziert werden, denn viel zu oft wird notwendige Unterstützung so verzögert. Kinder und Jugendliche müssen bereits während laufender Diagnostik Zugang zu bedarfsgerechten Hilfen erhalten, um gesundheitliche Belastungen und psychischen Leidensdruck zu vermeiden.
Heute erhalten noch zu viele Menschen erst im höheren Alter eine entsprechende Diagnose, sodass ihnen eine rechtzeitige und fachliche Unterstützung verwehrt bleibt. Öffentliche Fachgespräche wie das heutige im Bildungsausschuss sowie eine stärkere Aufklärungsarbeit und Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung tragen deshalb richtigerweise zur Entstigmatisierung bei. Dies ist im Bereich Neurodiversität besonders wichtig.”

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