Naturschutz-Erfolg im Feuchtgebiet: Küstenvogel „Stelzenläufer“ erobert das Binnenland
Fotos: N.Maack · Viele kennen diese auffälligen Vögel von der Nordseeküste: Die Stelzenläufer mit den langen roten Beinen, die mit ihren dünnen Schnäbeln im Schlamm nach Wasserinsekten, Krebstieren und kleinen Fischen stochern. Jetzt wurde im Stiftungsland Sirksfelde zwischen Ratzeburg und Trittau zum ersten Mal eine erfolgreiche Brut eines Stelzenläufer-Paares im Binnenland beobachtet: Drei flügge Junge suchen mit ihren Eltern auf den Schlammbänken nach Nahrung. Was für ein Erfolg für die Naturschützer, die das Feuchtgebiet renaturiert und wiederbelebt haben!
Im Jahr 2016 demontierte die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein ein Schöpfwerk, das bis dahin das ehemalige Feuchtgebiet entwässerte. Seit das Wasser wieder seine natürliche Schwankung haben darf, entsteht hier alljährlich im Frühjahr ein Flachsee, der im Sommer teilweise austrocknet. Perfekte Bedingungen für zahlreiche Vogelarten, unter anderem den Stelzenläufer.

Von Südeuropa an die Wattenmeerküste und jetzt auch im Kreis Herzogtum Lauenburg
Stelzenläufer sind in Südeuropa auf dem Vormarsch, haben sich inzwischen auch weit nach Norden ausgebreitet und brüten nun alljährlich in Schleswig-Holstein. Vor allem an der Wattenmeerküste hat sich die Art etabliert, ein Hotspot ist der Beltringharder Koog im Kreis Nordfriesland. Hier gibt es weitläufige Flachwasserzonen, die optimal sind für die Nahrungssuche der Watvögel.
Der Bruterfolg im Stiftungsland Sirksfelde zeigt, dass auch wiedervernässte Feuchtgebiete im Binnenland ein Lebensraum für Arten sein können, die auf feuchte Böden angewiesen sind. Neben den Stelzenläufern haben auch die majestätischen Kraniche von der Vernässung durch die Stiftung Naturschutz in Sirksfelde profitiert. In diesem Jahr haben die Ornitholog*innen dort ein Brutpaar mit zwei flüggen Jungkranichen beobachtet. Außerem brüten dort einige Paare des gefährdeten Kiebitz sowie Knäk- und Schnatterenten erfolgreich.

Bernd Struwe-Juhl, als Flächenmanager bei der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein für das Gebiet Sirksfelde zuständig: „Von unseren Vernässungsprojekten profitieren viele Pflanzen und Tiere, deren Lebensräume durch die Entwässerung ehemaliger Feuchtgebiete wie Moore und Flachwasserzonen immer kleiner wurden. Jetzt wird unsere Naturschutz-Arbeit in diesem Jahr mit einer erfolgreichen Stelzenläufer-Brut mitten in Schleswig-Holstein belohnt. Das gibt vielen Vernässungsprojekten im Land eine neue ornithologische Perspektive.“
