Politik & Wirtschaft

GRÜNE: Rathausmarkt muss endlich barrierefrei werden

Foto: Dir Grünen · Der Beschluss der Bürgerschaft steht, 300.000 Euro für den barrierefreien Umbau stehen bereit – doch auf dem Rathausmarkt ist weiterhin kein Baufortschritt erkennbar. Die GRÜNE Fraktion fordert von der Verwaltung Klarheit über den Zeitplan und eine zügige Umsetzung.

Dazu Helmut Müller-Lornsen, Bürgerschaftsmitglied der Lübecker Grünen:

„Der Markt ist das Herz unserer Stadt – und für viele Menschen bis heute ein Hindernisparcours. Wer im Rollstuhl sitzt, mit Rollator oder Gehhilfen unterwegs ist, kommt hier aufgrund des groben und holprigen Kopfsteinpflasters nur schwer voran.

Das Thema barrierefreier Rathausmarkt droht inzwischen aber zur Never-Ending-Story zu werden. Bereits vor rund zehn Jahren habe ich mich – damals noch als Mitglied des Beirats für Menschen mit Behinderungen – für einen barrierefreien Rathausmarkt eingesetzt. Seitdem gab es zahlreiche Initiativen auf politischer Ebene, auch aus anderen Fraktionen. Bereits 2022 hatte beispielsweise die Groko 300.000 Euro für eine barrierefreie Querung des Rathausmarktes in den Haushalt einstellen lassen. Für den Haushalt 2025 haben wir GRÜNE, zusammen mit CDU und FDP, erneut 250.000 Euro dafür bereitstellen lassen. Für 2026 wurden schließlich nochmals 300.000 Euro eingestellt. Ein Beschluss auf dem Papier macht aber keinen einzigen Meter Pflaster barrierefrei.

Die Verwaltung ist zwischenzeitlich zwar aktiv geworden und hat auf einer Probefläche das vorhandene Kopfsteinpflaster abschleifen lassen. Im Januar dieses Jahres wurde uns dazu berichtet, dass ein reines Abschleifen nicht zielführend sei und es stattdessen einer richtigen Wegeführung bedürfe. Ein weiterer Bericht dazu sollte im Frühjahr vorgelegt werden. Seitdem ist jedoch nichts mehr passiert. Im März erfolgte eine weitere Nachfrage unserer Fraktion bei der Verwaltung. Da hieß es, mit dem Umbaumaßnahmen soll noch vor, spätestens aber in den Sommerferien begonnen werden. Passiert ist nach wie vor nichts. Wir wollen wissen: Wann wird endlich gebaut?

Wieder verstreicht ein Sommer, ohne dass der zentrale Platz unserer Altstadt für alle gleichermaßen begeh- und erfahrbar wird. Damit wird eine Gruppe von Menschen faktisch von der gleichberechtigten Nutzung eines der zentralsten Orte Lübecks ausgeschlossen. Auf dem Rathausmarkt finden regelmäßig Kundgebungen statt, zweimal pro Woche ist dort Markt, im Sommer findet das Weinfest statt und im Winter lockt der beliebte Weihnachtsmarkt zahlreiche Menschen an. All das ist für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen teilweise gar nicht oder nur unter erheblichen Schwierigkeiten erfahrbar. Das muss sich dringend ändern.

Mandy Siegenbrink, sozialpolitische Sprecherin der Grünen Fraktion ergänzt:

“Lübeck empfängt jedes Jahr Millionen Tourist*innen. Allein 2024 wurden 13,7 Millionen Tagesreisen nach Lübeck und Travemünde gezählt. Lübecks Tourismus ist stark durch Kultur-, Städte- und Kurzurlaubstourismus geprägt. Gerade ältere Menschen gehören zu den wichtigen Besucher*innengruppen und sind häufiger auf barrierearme Wege angewiesen. Dazu kommen Menschen mit Rollstühlen, Rollatoren oder Gehhilfen, Menschen mit Sehbehinderungen sowie Eltern mit Kinderwagen.

Wenn selbst nur ein kleiner Teil der Millionen Besucher*innen auf barrierearme Wege angewiesen ist, sprechen wir bereits über Hunderttausende Menschen. Ein historischer Rathausmarkt darf deshalb nicht zum Hindernisparcours für Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen werden. Der Rathausmarkt ist ein zentraler Ort unserer Stadt und muss für alle Menschen zugänglich sein – unabhängig davon, ob sie hier wohnen oder Lübeck besuchen.

Dabei zeigen andere Städte längst, dass Denkmalschutz und Barrierefreiheit kein Widerspruch sein müssen. Historische Plätze können ihren Charakter bewahren und gleichzeitig für alle Menschen zugänglich werden. Ein prominentes Beispiel ist Dresden, wo der historische Altmarkt umfassend und barrierefrei neugestaltet wurde. Auch andere Städte haben Lösungen gefunden – etwa durch geglättetes oder gesägtes Natursteinpflaster oder durch klar definierte barrierefreie Wegeführungen.

Die notwendigen Mittel stehen bereit, die Problematik ist seit Jahren bekannt und erste praktische Erfahrungen mit dem vorhandenen Pflaster liegen vor. Jetzt braucht es endlich eine konkrete Planung, einen verlässlichen Zeitplan und die tatsächliche Umsetzung. Es kann nicht sein, dass wir Jahr für Jahr über Barrierefreiheit reden, Haushaltsmittel bereitstellen und Prüfaufträge erteilen – und der zentrale Platz unserer Altstadt bleibt für viele Menschen schwer zugänglich.“

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