WWF übergibt Naturschutzflächen kostenlos an die Hansestadt Lübeck
Foto: Frank Hecker · Gemeinsames Engagement für Kraniche, Moore und artenreiche Wiesen seit über 50 Jahren.
Der WWF und der Bereich Stadtwald der Hansestadt Lübeck blicken auf eine jahrzehntelange Partnerschaft für den Naturschutz zurück. Jetzt setzen beide ein weiteres Zeichen: Der WWF übergibt seine Eigentumsflächen im Lauenburgischen kostenlos an den Lübecker Stadtwald. Damit soll die langfristige Sicherung der bereits erreichten ökologischen Erfolge erleichtert und neuen Projekten der Weg bereitet werden.
Landwirtschaftliche Flächen werden heute vielerorts zunehmend intensiv genutzt. Die moderne Kulturlandschaft im ländlichen Raum unterliegt wirtschaftlichen Zwängen und bietet vielen Tier- und Pflanzenarten längst keinen Lebensraum mehr. Umso wertvoller sind Projekte, die inmitten dieser zunehmend monotonen Landschaft Rückzugsräume für seltene Arten schaffen – wie das gemeinsame Engagement von WWF und Hansestadt Lübeck.
Ein Rückzugsort am Ritzerauer Mühlenbach
Rund 25 Kilometer südlich von Lübeck, nahe Ritzerau, verläuft der Ritzerauer Mühlenbach unmittelbar am Ritzerauer Forst entlang. Statt intensiv genutzter Landwirtschaft grenzt hier ein rund 23 Hektar großer Puffer aus naturnahen Wiesenstrukturen an. Auf den Flächen gedeihen seltene Pflanzenarten wie Kuckucks-Lichtnelke, Kohldistel und Mädesüß – Arten, die in der intensiv bewirtschafteten und oft entwässerten Kulturlandschaft kaum noch Platz finden.
Über 40 Jahre gemeinsamer Naturschutz
Der überwiegende Teil dieser Flächen gehört seit über 50 Jahren der Hansestadt Lübeck und wird vom Bereich Stadtwald verwaltet. Neben dem Wald, der nach dem Konzept der naturnahen Waldwirtschaft bewirtschaftet wird, setzt sich der Stadtwald seit Jahrzehnten auch auf den Grünlandflächen für eine schonende Nutzung ein, um ökologische Vielfalt und Stabilität zu stärken. Damit steht der Stadtwald nicht allein: Vor über 40 Jahren begann die Zusammenarbeit des WWF mit dem Lübecker Stadtwald.
Mit Spendenmitteln kaufte der WWF gezielt Flächen für die Renaturierung von Feuchtgebieten im Lauenburgischen und im Verbund mit Eigentumsflächen der Hansestadt. Kraniche benötigen zur sicheren Bodenbrut nasse Moore und Sümpfe – doch die waren zu jener Zeit fast überall in Schleswig-Holstein entwässert, auch in den Wäldern. „Als der WWF vor rund 50 Jahren gemeinsam mit der Staatlichen Vogelwarte das Kranichschutzprojekt in Schleswig-Holstein entwickelte, gab es 1971 nur sieben Paare im gesamten Land: Die Kraniche standen kurz vor dem Aussterben“, erinnert sich Thomas Neumann vom WWF.
Die Lübecker Forsten initiierten daraufhin umfangreiche Feuchtgebietsrenaturierungen, um die Wasserversorgung der Wälder zu sichern und den Kranichen neuen Lebensraum zu geben. „Heute brüten allein im Gebiet der Försterei Behlendorf wieder über 20 Kranichpaare,“ so der zuständige Stadtförster Eckard Kropla.
Der Kranich ist längst zu einem Symbol für Moor- und Klimaschutz geworden. WWF und der städtische Stadtwald setzen sich hier seit Langem für dieselben Ziele ein und bewirtschaften die Flächen im Dienst der Artenvielfalt.
Bewirtschaftung im Dienst der Artenvielfalt
Ein ökologisch wirtschaftender Landwirt aus der Region pflegt die Flächen seit Jahren mit viel Fingerspitzengefühl: Er produziert Heu oder beweidet die Wiesen, um sie offen zu halten und einer Verbuschung vorzubeugen. Entscheidend ist dabei die richtige Abstimmung der Nutzungszeiträume: Seltene Pflanzen sollen aussamen und sich vermehren können, Tiere und Vögel brauchen Zeit und geschützte Rückzugsorte. Im Mittelpunkt der Bewirtschaftung steht daher nicht die Futterproduktion, sondern der ökologische Wert der Flächen.
Viele dieser Flächen eignen sich schon aufgrund ihrer geografischen Lage, der geologischen Gegebenheiten und der Bodenfeuchte nicht für eine intensive landwirtschaftliche Nutzung. Statt – wie über Jahrhunderte üblich – in Entwässerung und Urbarmachung zu investieren, werden sie heute als ökologischer Schatz betrachtet und extensiv weiterbewirtschaftet.
Neues Projekt: Weitere Renaturierung des Mühlenbachs
Die ökologische Aufwertung der Flächen soll weitergehen: Statt den Ritzerauer Mühlenbach zu entwässern, soll er auf einem Teilstück in naher Zukunft weiter renaturiert werden. Gezielt eingebrachte natürliche Hindernisse sollen die Fließgeschwindigkeit verringern und dem Bach erlauben, sich auf natürliche Weise zu verschwenken. Ziel ist eine möglichst eigenständige Entwicklung des Gewässers mit minimalem menschlichem Eingriff.
Totholz bleibt gezielt im Bachlauf liegen, damit sich die Sohle anhebt und angrenzende Wiesen- und Waldflächen bei starkem Niederschlag zeitweise vernässen. Diese temporären Flutungen schaffen wertvolle Biotope für Tier- und Pflanzenarten, die durch jahrhundertelange Entwässerung und Begradigung von Gewässern vielerorts vom Aussterben bedroht sind.
Eine Hand für die Zukunft der Flächen
Für derartige Projekte ist es von Vorteil, wenn alle Flächen in einer Hand liegen und ein fachkundiger, tatkräftiger Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung steht. Der WWF übergibt daher nun seine Eigentumsflächen kostenlos an den Lübecker Stadtwald, um künftige Projekte zu erleichtern und das bereits Erreichte langfristig zu sichern.
Die Hansestadt Lübeck bedankt sich beim WWF für die langjährige Unterstützung und sehr gute Zusammenarbeit, hier in einer gemeinsamen Anstrengung ein Zeichen für den Naturschutz gesetzt zu haben.
