Politik & Wirtschaft

Für 40 Cent mehr stellt keine Gebäudereinigerin in Lübeck für 3 Uhr morgens noch den Wecker

Foto: IG BAU/Tobias Seifert · Sauber machen und dafür sauber bezahlt werden – das wollen die rund 4.130 Beschäftigten, die in Lübeck in der Gebäudereinigung arbeiten. „Doch auf ein ordentliches Lohn-Plus warten Reinigungskräfte bislang vergeblich: Die Arbeitgeber schalten am Tariftisch auf stur“, sagt Ralf Olschewski von der IG BAU Holstein.Die Gebäudereiniger-Gewerkschaft fordert 2 Euro pro Stunde mehr. Dann würde der Stundenlohn für eine Gebäudereinigerin bei 17 Euro liegen. „Doch die Arbeitgeber treten gewaltig auf die ‚Lohn-Bremse‘: Erst ab Mai nächsten Jahres soll es 1,8 Prozent – und damit lediglich 27 Cent pro Stunde – mehr geben. Das ist eine Farce. Denn das reicht nicht einmal, um die Inflation aufzufangen“, so Ralf Olschewski.

„Weigern sich die Unternehmen weiterhin hartnäckig, ein ordentliches Angebot auf den Tisch zu legen, dann werden viele Reinigungskräfte den Stecker vom Staubsauger ziehen: Sie hängen ihren Job an den Nagel und suchen sich etwas anderes“, warnt Ralf Olschewski. Das würde die Betriebe „in erhebliche Schwierigkeiten bringen“. Denn das Personal in der Branche sei knapp. Insgesamt gibt es in Lübeck 96 Gebäudereinigungsunternehmen.

Der Vorsitzende der IG BAU Holstein wird dabei deutlich: „Ab Januar steigt der gesetzliche Mindestlohn auf 14,60 Euro pro Stunde. Eine Gebäudereinigerin verdient aktuell aber nur knapp darüber – nämlich 15 Euro. Warum soll sie für 40 Cent mehr ihren Wecker auf 3 Uhr morgens stellen, in aller Herrgottsfrühe aufstehen und sich dann auch noch krummmachen? Einen Job zum gesetzlichen Mindestlohn findet sie allemal auch woanders“, so Ralf Olschewski. Immerhin sei die Arbeit in der Gebäudereinigung auch noch „körperlich hart: ein Knochenjob“.

Am kommenden Dienstag (Hinweis f.d. Red.: 3. November) gibt es die nächste und entscheidende Verhandlungsrunde zum Gebäudereiniger-Lohn. Dann kommen die IG BAU und der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks zum dritten Mal am Tariftisch zusammen.