Hansestadt Lübeck kümmert sich nicht um ihre Denkmale: Obstgut Semiramis wird abgerissen
Das Obstgut Semiramis wird abgerissen. Dabei steht die Hofanlage seit 2022 unter Denkmalschutz. Brisant ist, dass das Obstgut der städtischen Wirtschaftsförderung gehört, einer 100% Tochter der Hansestadt Lübeck. Noch brisanter ist, dass die beabsichtigte Vernichtung des stadteigenen Denkmals geheim gehalten wurde. Am Montag haben die Abrissarbeiten begonnen. Die noch vorhandenen Obstbäume sollen ebenfalls abgeräumt werden.
Detlev Stolzenberg (Die FRAKTION LÜBECK) weist als Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Denkmalpflege der Bürgerschaft immer wieder auf die Informationspflichten der Verwaltung hin: „Wenn geschützte Denkmale vernichtet werden sollen, ist die Bürgerschaft und die Stadtgesellschaft über den drohenden Kulturverlust, natürlich unter Beachtung schutzwürdiger Daten Dritter, zu informieren. Das Denkmalschutzgesetz sieht die Möglichkeit der Übernahme von gefährdeten Denkmalen durch die Gemeinde vor. Deshalb muss die Verwaltungsleitung auch bei laufenden Verwaltungsverfahren ihren Informationspflichten nachkommen, damit die Bürgerschaft ihre Rechte ausüben kann. Jetzt werden beim Obstgut Semiramis Fakten geschaffen. Und das bei einem städtischen Denkmal. Für mich ist das Verwaltungsversagen, weil gesetzliche Anforderungen einfach nicht beachtet werden.“
Bastian Langbehn (Die FRAKTION LÜBECK), sitzt ebenfalls im Ausschuss für Kultur und Denkmalpflege, ergänzt dazu: „Leider ist das nicht das erste Mal, dass die Verwaltung so agiert und Lübeck seiner Denkmäler beraubt. Aus Angst um unser geliebtes Holstentor sollten wir langsam über Konsequenzen nachdenken und mit der Landesregierung Möglichkeiten ausloten!“
Im Denkmalblatt des Objektes wird der Denkmalwert übrigens wie folgt begründet: Die Anfänge des Obstgutes Semiramis reichen bis ins Mittelalter zurück. Die Hofanlage vermittelt einen anschaulichen Eindruck und lasse Rückschlüsse auf Betriebsabläufe und Vorratshaltung zu. Als letztes Obstgut im Lübecker Stadtgebiet hat die Anlage zudem Seltenheitswert. Sie ist als gut überliefertes Dokument der Geschichte und langen Tradition des Obst- und Gartenbaues in Lübeck von Kulturlandschaft prägendem Wert sowie von besonderem geschichtlichem und wissenschaftlichem Wert.
