Blaulicht

Internationaler „Action Day“ gegen Cybertrading-Betrug: Durchsuchungen und Festnahmen in sechs Ländern

Symbolbild: Gemini KI generiert (c) TBF · Gemeinsame Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Itzehoe und des Landeskriminalamts Schleswig-Holstein.

Im Rahmen eines von der Staatsanwaltschaft Itzehoe geführten Ermittlungsverfahrens haben Justiz- und Polizeibehörden in Israel, Albanien, Kosovo, Zypern, Nordmazedonien und Finnland am Dienstag, 3. November 2026, zahlreiche Maßnahmen gegen Mitglieder einer international agierenden Tätergruppierung vollzogen. Die Maßnahmen wurden von Europol und Eurojust koordiniert.

Insgesamt wurden 17 Objekte durchsucht und mehr als 100 Server sowie weitere Beweismittel und Vermögenswerte gesichert. Darüber hinaus wurden zahlreiche betrügerische Webseiten abgeschaltet. Sieben Personen wurden auf der Grundlage Europäischer Haftbefehle und mit dem Ziel der Auslieferung nach Deutschland vorläufig festgenommen. Der Gruppierung wird vorgeworfen, in den vergangenen Jahren Anleger aus Deutschland und anderen Staaten um hohe Millionenbeträge betrogen zu haben.

In Deutschland werden die Ermittlungen durch die bei der Staatsanwaltschaft Itzehoe angesiedelte Schwerpunktabteilung zur Bekämpfung der Cyberkriminalität sowie der im Landeskriminalamt Schleswig-Holstein eingerichteten landesweiten Ermittlungsgruppe Cybertrading Fraud geführt.

Bei dieser perfiden Betrugsmasche werden die Geschädigten auf der Suche nach Angeboten für lukrative Geldanlagen im Internet auf scheinbar seriöse Online-Trading-Plattformen gelenkt, wo ihnen in kurzer Zeit eine enorme Gewinnspanne durch den Handel mit Kryptowährungen, Devisen oder Aktien versprochen wird. Die Geschädigten werden zunächst zu Überweisungen überschaubarer Geldbeträge veranlasst und es werden ihnen in der Folge hohe Kursgewinne vorgespiegelt. Auf diese Weise „angefüttert“ werden die Geschädigten durch angebliche „Broker“, welche nicht selten auch psychischen Druck ausüben, dazu veranlasst, weitere – auch höhere – Beträge zu überweisen. Das böse Erwachen folgt erst, wenn sich Anleger ihre angeblichen Gewinne auszahlen lassen wollen: Nach einer Zeit der Hinhaltetaktiken tauchen die Täter ab und das Geld ist weg.

Ausgangspunkt des Verfahrens war eine Strafanzeige eines Ehepaars aus dem Kieler Umland, welches seine Ersparnisse auf einer vermeintlichen Trading-Plattform im Internet investiert hatte, seine angeblichen Gewinne aber nicht ausgezahlt bekam. Bereits im September 2022 wurden nach intensiven Ermittlungen der Kieler Kriminalpolizei im Rahmen eines ersten „Action Days“ umfangreiche Beweismittel sichergestellt. Im Mai 2025 wurden sodann erneut mehre Wohn- und Geschäftsräume in Israel, Albanien, Großbritannien und auf Zypern durchsucht und weitere Beweismittel gesichert. Von den seinerzeit ermittelten Verdächtigen wurden mittlerweile drei Personen nach Deutschland ausgeliefert und zu Freiheitsstrafen zwischen drei und fünf Jahren verurteilt.

Im Rahmen der Auswertung der 2025 sichergestellten Beweismittel konnten Hinweise auf ein Unternehmen mit Sitz auf Zypern und in Israel erlangt werden, das nach derzeitigem Ermittlungsstand als sogenannter „crime-as-a-service-provider“ verschiedenen Tätergruppierungen betrügerische Internetseiten und Geldwäschenetzwerke für die Betrugsmasche Cybertrading Fraud zur Verfügung stellt. Es wurden sieben verantwortliche Personen des Unternehmens identifiziert, die im Verdacht stehen an strafrechtlich relevanten Handlungen beteiligt zu sein. Darüber hinaus werden Ermittlungen gegen sechs weitere Personen geführt, die im Verdacht stehen als Kunden des genannten Unternehmens Callcenter in Albanien, Kosovo und Nordmazedonien betrieben zu haben bzw. für diese gearbeitet zu haben.

Die Ermittlungen führt seit dem 1. August 2026 die im Landeskriminalamt Schleswig-Holstein neu eingerichtete und landesweit zuständigen Ermittlungsgruppe Cybertrading Fraud. Die konzertierte Aktion gegen die konspirativ operierende Gruppierung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden in den beteiligten Ländern.

Dazu sagte Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke: „Ich bin unfassbar stolz auf unsere Polizei. Mit dem erfolgreichen länderübergreifenden Action Day haben unsere Ermittlerinnen und Ermittler erneut gezielt und mit voller Konsequenz gegen organisierten Anlagebetrug im Internet durchgegriffen. Diese Täterinnen und Täter gehen mit einer Skrupellosigkeit vor, die nicht akzeptabel ist. Sie täuschen Menschen eine sichere Zukunft vor, missbrauchen ihr Vertrauen und nehmen ihnen ihre Ersparnisse. Umso wichtiger ist unsere Botschaft: Auch das Internet ist kein rechtsfreier Raum und Anonymität ist kein Schutzschild. Wenn Behörden so eng zusammenarbeiten, wie sie es hier getan haben, und über Ländergrenzen hinweg Fachkompetenz, Informationen und Kräfte bündeln, gibt es für diese Kriminellen kein Versteck. Ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Polizei und der Justiz für diesen erfolgreichen Einsatz.“

Die Ermittlungen dauern weiter an. Im Mittelpunkt der Arbeit der Ermittlerinnen und Ermittler stehen nun die Sichtung und Analyse des umfangreichen elektronischen Beweismaterials.

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