Politik & Wirtschaft

Kein Platz für rechte Ideologien im Staatsdienst – Jusos Lübeck stellen sich gegen geplante Professur an der Bundespolizeiakademie

Lübeck, 02.01.2026 – Die Jusos Lübeck protestieren entschieden gegen die
geplante Ernennung von Stephan Maninger zum Professor auf Lebenszeit an der
Hochschule des Bundes – Bundespolizeiakademie Lübeck. Wer fremdenfeindliche
Ideologien vertritt, menschenverachtende Vergleiche äußert und im Umfeld der
extremen Rechten agiert, darf keine angehenden Bundespolizist:innen ausbilden –
und schon gar nicht auf Lebenszeit im Staatsdienst verankert werden.Stephan Maninger ist kein unbeschriebenes Blatt. Er ist in der Vergangenheit
wiederholt durch offen fremdenfeindliche und demokratiefeindliche Aussagen
aufgefallen. Er verglich die „Ehe für alle“ mit der Ehe mit einem Hausschwein – eine
gezielte Entwürdigung queerer Menschen. Das Landgericht Lübeck stellte fest, dass
es zulässig ist, ihn als fremdenfeindlich zu bezeichnen. Darüber hinaus war Maninger
Gründungsmitglied des „Instituts für Staatspolitik“ und leitete das Gründungstreffen
im Jahr 2000. Das Institut gilt als zentrale Denkfabrik der sogenannten Neuen
Rechten und hat sich 2024 nach einer Einstufung durch den Verfassungsschutz
Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem selbst aufgelöst, mutmaßlich um einer
Durchsuchung und einem Verbot zuvorzukommen. Auch frühere öffentliche
Positionierungen Maningers, die dem ethnopluralistischen Weltbild zugeordnet
werden – einer Ideologie, die Menschen strikt nach angeblicher ethnischer
Zugehörigkeit trennt und ein gleichberechtigtes Zusammenleben ablehnt –, sowie
seine namentliche Erwähnung in Unterlagen des NSU-Untersuchungskomplexes
machen deutlich, in welchem politischen Umfeld er verortet wird.

Zusätzlich kritisieren die Jusos Lübeck das Besetzungsverfahren der Professur. Nach
Einschätzung interner Quellen, die den Jusos Lübeck vorliegen, wurde die Professur
Maningers ohne öffentliche Ausschreibung vergeben, was aus ihrer Sicht gegen die
geltenden rechtlichen Vorgaben für Stellenbesetzungen im öffentlichen Dienst
verstößt und erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Verfahrens aufwirft.
Dass ausgerechnet ein solcher Mann Bundespolizei-Anwärter:innen in
sicherheitspolitischen Fragen unterrichtet, ist aus Sicht der Jusos Lübeck ein
Skandal. Hier geht es nicht um Meinungsfreiheit, sondern um Macht, Einfluss und
Prägung. Menschen, die später bewaffnet den staatlichen Gewaltmonopolträger
repräsentieren, dürfen nicht von jemandem ausgebildet werden, der Gruppen von
Menschen abwertet und ausgrenzt.

„Der Staat darf bei der Ausbildung seiner Sicherheitskräfte keinen Millimeter nach
rechts rücken. Wer fremdenfeindliche Positionen vertritt, ist Teil des Problems – und
nicht geeignet, junge Bundespolizist:innen zu prägen“, erklärt Sascha Beeth, Mitglied
der Jusos Lübeck.

Besonders empörend ist der Umgang der zuständigen Behörden mit der Kritik. Zwar
wurde Maninger 2021 nach öffentlichem Druck auf Anweisung des
Bundesinnenministeriums vom Unterricht freigestellt, faktisch jedoch ohne
Konsequenzen. Stattdessen wurde er für drei Jahre in eine angebliche
‚Forschungstätigkeit‘ versetzt – an einer Einrichtung, die keine
Forschungseinrichtung ist. Seit 2025 unterrichtet er wieder. Nun soll er nach Ablauf
seiner Probezeit zum Professor auf Lebenszeit ernannt werden.

Für die Jusos Lübeck ist das ein fatales Signal: Wer lange genug stillhält, wird am
Ende doch belohnt – selbst mit einer lebenslangen Professur im Staatsdienst.
„Eine Professur auf Lebenszeit ist kein Verwaltungsakt, sondern eine politische
Entscheidung. Wer queere Menschen verächtlich macht, Migrant:innen abwertet und
in rechtsextremen Zusammenhängen auftaucht, hat dieses Vertrauen des Staates
verspielt“, sagt Marie-Madeleine Piep, bildungspolitische Sprecherin der Jusos
Lübeck.

Unsere klare Forderung

Die Jusos Lübeck fordern, dass Stephan Maninger nicht zum Professor auf
Lebenszeit ernannt wird. Darüber hinaus verlangen wir eine lückenlose, transparente
Aufarbeitung seiner Tätigkeit, seiner politischen Positionierungen und der
behördlichen Entscheidungen, die ihm trotz all dessen weiterhin Einfluss auf die
Ausbildung von Bundespolizist:innen ermöglichen.

Der Staatsdienst muss demokratisch, sowie menschenrechtsorientiert sein und auf
dem Boden unseres Grundgesetzes stehen. Wer Hass verbreitet oder relativiert, hat
dort keinen Platz – nicht in Lübeck, nicht anderswo.