MIT: Offener Brief an den Bürgermeister

Offener Brief
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Saxe,
wie die Zeit vergeht!
Sie erweckten mit Ihrem Amtsantritt vor ca. vier Jahren zahlreiche Hoffnungen.
Nach Jahren wirtschaftlicher Stagnation gaben Sie sich als Mann aus, der die wirtschaftlichen Probleme anpackt und lösen wird. Mit der Aura des wirtschaftlichen Heilsbringers nahmen Sie diese Erwartungen auf….Sie verkündeten, BMW, das Zentrum der Medizinischen Universität, die Medien Hochschule nach Lübeck zu holen und hier zum Wohle der Wirtschaft zu verankern.
Leider welkten Ihre Worte, bevor Sie auch nur einen Ihrer Pläne umsetzen konnten.
Als Verwaltungschef verwiesen Sie auf die desaströse finanzielle Situation Lübecks. Sie verwalteten eifrig den finanziellen Mangel und rechtfertigten damit die wirtschaftliche Erfolglosigkeit.
In den Medien erweckten Sie allerdings den Eindruck, dass zum Beispiel das Hochschulzentrum, Bautätigkeit und Entwicklung in Travemünde und die Hafenerweiterung das Ergebnis Ihrer Bemühungen waren. Die Umsetzung bzw.
Fertigstellung waren in Ihrer Ägide nur zufällig.
Ich finde es richtig, dass Sie seit langem keine verheißungsvollen wirtschaftlichen Prognosen für Lübeck mehr stellen. Das ist ehrlich.
So ist es konsequent, dass Sie Ihr derzeitiges Erscheinen in der Öffentlichkeit immer weniger mit wirtschaftlichen Ereignissen als mit Ihrer repräsentativen Darstellung in kulturellem und sozialem Umfeld verbinden. Klar, Repräsentation muss sein. Sich aber als Cover Man für Glamour-Events in den Medien reduzieren zu lassen, ist mit der Funktion des Verwaltungschefs der Hansestadt Lübeck nicht vorteilhaft vereinbar. Der Mittelstand erwartet vom Bürgermeister der Hansestadt Lübeck wirtschaftliches Handeln und wirtschaftliche Initiativen.
Bei allem Verständnis für Ihr persönliches Marketing als Vorleser der Buddenbrooks, Gastgeber für die Kabarettveranstaltung Baumann & Clausen, als Veranstalter der Rotsponregatta, als Gast der Justizvollzugsanstalt entsteht der Eindruck, dass Sie wirtschaftliches Engagement schwänzen.
Ihre nachvollziehbare Eitelkeit mag Sie dazu verführen, sich in den Medien permanent abgebildet zu sehen. Wirtschaftliches Handeln und die Vermittlung einer Aufbruchstimmung lassen sich aber nicht durch serielles Posieren ersetzen.
Nutzen Sie doch Ihre verbleibende Amtszeit, der mittelständischen Wirtschaft Tatsachen Ihres wirtschaftlichen Engagements zu vermitteln und nicht bildhafte Darstellungen Ihres zarten Wollens.
Kritisch, aber wohlmeinend,
MIT – Kreisvorsitzender
Joachim Hess
