Mut, Zuversicht und Tatkraft – Chancen in herausfordernden Zeiten nutzen
Foto: Imre Neufeld · „Die Lage ist besser als die Stimmung.“ Ein Satz, der aktuell selten zu hören ist, aber den Kern des Talks „Mut. Zuversicht. Tatkraft – Chancen gestalten in herausfordernden Zeiten“ treffend beschreibt. Beim gemeinsamen Format „HanseBelt Summer Lunch meets IHK-Fokus Wirtschaft“ am 23. Juli 2026 wurde deutlich: Deutschland verfügt über zahlreiche Stärken und Zukunftspotenziale. Von Spitzenleistungen in der Krebsforschung über den Willen zum Bürokratieabbau bis hin zu einer jungen Generation, die Verantwortung übernehmen möchte: Die Diskussion zeigte viele ermutigende Perspektiven auf.
„Das sind starke Signale für die Zukunft. Wir haben enormes Potenzial. Jetzt gilt es, es gemeinsam zu nutzen“, betonte Moderator Professor Dr. Thomas Straubhaar vor mehr als 180 Gästen aus Wirtschaft und Politik im SlowDown Hotel in Lübeck-Travemünde. Der ehemalige Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts diskutierte gemeinsam mit seinem Co-Moderator Professor Dr. Arno Probst, Partner der Deloitte GmbH und Mitglied der Vollversammlung der IHK zu Lübeck, mit Dr. Sönke Schulz, Staatssekretär im Ministerium für Inneres, Kommunales, Wohnen und Sport des Landes Schleswig-Holstein, Professor Dr. Helge Braun, Präsident der Universität zu Lübeck, Stefanie Hirsch, Vorstandsmitglied der Drägerwerk AG & Co. KGaA, sowie Maru Scheel, Leistungsseglerin der Deutschen Segelnationalmannschaft.
Im Mittelpunkt standen persönliche Entscheidungen, die Mut erforderten, neue Wege eröffneten und die Diskutierenden in ihre heutigen Funktionen führten. Dabei wurde deutlich: Zukunft entsteht dort, wo Menschen Chancen erkennen, Verantwortung übernehmen und Veränderungen aktiv gestalten. Die IHK zu Lübeck und die Unternehmer-Initiative HanseBelt e.V. hatten bereits zum dritten Mal während der Travemünder Woche zu der gemeinsamen Veranstaltung eingeladen. Die große Resonanz unterstrich das Interesse an einem konstruktiven Austausch über Zukunftsperspektiven für Wirtschaft, Gesellschaft und Region.
Helge Braun ist aufgrund einer Reihe mutiger Entscheidungen nach Lübeck gekommen: Zuvor war er Kanzleramtsminister in der Regierung von Angela Merkel. „Nach 20 Jahren Politik wollte ich etwas neues Sinnstiftendes machen. Die Universität zu Lübeck hat eine unglaubliche Entwicklung hingelegt. In den vergangenen zehn Jahren hat sie die Zahl der Studenten um 60 Prozent gesteigert. Finden Sie einmal eine Hochschule mit solchen Wachstumsraten“, sagte er. Die Universität wiederum wäre so mutig gewesen, sich für einen Präsidenten zu entscheiden, der 20 Jahre lang keine Hochschule von innen gesehen hätte. „Es war die richtige Entscheidung, herzukommen, an der Universität geht es für mich um Fortschritt, nicht mehr um die schlechten Nachrichten, die ich im Kanzleramt erfahren habe. Ein Beispiel: Als ich vor 30 Jahren studiert habe, war Krebs eine Geißel. Heute sehen wir so viel Innovation und Hoffnung, ein Teil des Krebses verliert seinen Schrecken. Der Anteil der deutschen Uni-Medizin ist dabei riesig. Da sind wir stark, der medizinische Fortschritt ist derzeit gigantisch.“
Auf die Frage der Moderatoren, ob sich die Forschung durch zügigere Anwendung neuer Medikamente beschleunigen ließe, sagte Staatssekretär Schulz: „Unser Problem ist, dass wir in der Verwaltung alle Risiken ausschließen wollen, daher treffen wir häufig keine Entscheidung.“ Zugleich hinterfragte er, ob „Risiko“ das richtige Wort sei. „Besser wäre Vertrauen. Ohnehin können wir nicht immer die sicherste Entscheidung verfolgen, sondern müssen auch mal mutig vorangehen. Das müssen wir vorleben und Mitarbeitern bei Fehlern den Rücken stärken. Leider haben wir manchmal einen zu juristischen Blick auf alles. Aber Jura und Innovation vertragen sich nicht immer“, ergänzte der studierte Jurist mit einem Lächeln.
Er selbst habe Ende vergangenen Jahres eine mutige Entscheidung getroffen, als er nach knapp zehn Jahren vom Amt des Geschäftsführers des Schleswig-Holsteinischen Landkreistages in das Innenministerium wechselte – knapp anderthalb Jahre vor Ende der Legislaturperiode. „Ich habe zuvor viele Themen gesammelt und wollte nicht immer alles besser wissen, was andere tun sollten, sondern es selbst besser machen. Früher habe ich gesagt, das Innenministerium müsse das Sprachrohr der Kommunen am Kabinettstisch sein. Das ist jetzt meine Aufgabe.“ Zudem habe er das Ziel, mit der Task Force Zivile Verteidigung im Innenministerium die Resilienz des Landes zu verbessern und den Menschen zu zeigen, wie gut Schleswig-Holstein auf unterschiedliche Krisen vorbereitet ist.
Vertrauen ist auch Grundlage der Arbeit von Stefanie Hirsch. Die Unsicherheiten durch Krisen und Kriege hätten Auswirkungen auf die weltweit rund 16.000 Beschäftigten des Konzerns. „Bei der Planung müssen wir die Menschen mitnehmen. Das geht vor allem mit Ehrlichkeit und Vertrauen, dann verstehen unsere Mitarbeiter, was wir wollen und ziehen mit“, sagte sie. Ohnehin böte der Dräger-Slogan „Technik für das Leben“ der Belegschaft große Orientierung. „Wir sorgen dafür, dass Menschen gesund werden und sicher von der Arbeit nach Hause kommen.“
Sie selbst nehme ihre Verantwortung für das Unternehmen und die Menschen sehr ernst. Schon vor Jahren habe sie sich ein Zitat der ehemaligen kanadischen Premierministerin Kim Campbell zu eigen gemacht: „Wenn Du keine schlechten Nachrichten magst, musst Du raus aus der Führung.“ Auch Stefanie Hirsch trifft gern mutige Entscheidungen. Eine der wichtigsten war es, den Studienplatz für Medizin abzulehnen und den damals neuen Studiengang Biotechnologie zu wählen.
Ein abgeschlossenes Hochschulstudium hat auch Maru Scheel. Es ist ihr Plan B, falls sie aus dem Segelsport ausscheiden sollte. Bisher schwimmt sie aber auf einer Erfolgswelle und hat sich gemeinsam mit ihrer Segelpartnerin das Ziel gesetzt, bei den Olympischen Spielen 2028 eine Medaille zu gewinnen. Als Seglerin hat sie gemeinsam mit ihrer Partnerin ein Unternehmen gegründet, um die anfallenden Aufgaben zu erfüllen. Sie hätten als Sportlerinnen schon früh gelernt, sich selbst zu organisieren und selbstständig zu sein. Während dabei planerische Prozesse im Vordergrund stünden, müsste sie im Wettkampf immer spontan entscheiden: „Der grobe Plan vor dem Start geht in der Regel nicht auf. Es fängt damit an, dass wir kurzfristig festlegen müssen, wo wir starten, wenn der Wind sich verändert.“ Bis sie in zwei Jahren auf dem Siegertreppchen steht, wünscht Sie sich Anerkennung für Zuversicht und Tatkraft: „Ich möchte gern mehr Lob erhalten für das bisher Erreichte, nicht immer nur hören, was nicht klappt.“
Ähnlich sieht es Stefanie Hirsch. Sie ist stolz auf mehr als 130 Jahre Unternehmensgeschichte und leiste einen Beitrag für mindestens 130 weitere Jahre. Helge Braun würde trotz aller Wertschätzung der Rechtssicherheit in der Regulatorik als „hohes Gut“ Dinge gern mal neu denken und verändern, „wenn wir in der Überkomplexitätsfalle stecken“. Dem schloss sich Sönke Schulz an. Er würde gern Dokumentationspflichten auf null setzen und fragen, wer welche Pflichten wirklich benötigt.
