OpenDoors: Entführt und von China nach Nordkorea verschleppt
Jang ist ein ethnischer Koreaner chinesischer Staatsbürgerschaft aus Changbai, einer Stadt auf der chinesischen Seite der Grenze zu Nordkorea. Vor seiner Verhaftung war er dafür bekannt, Nordkoreanern, die auf der Suche nach Nahrung, Medikamenten und vorübergehender Unterkunft nach China geflohen waren, humanitäre Hilfe zu leisten. Wandte sich jemand mehrfach an ihn, gab er neben praktischer Hilfe auch seinen christlichen Glauben weiter.
Im November 2014 erhielt Jang Anrufe von Nordkoreanern, die um Hilfe baten. Er ging daraufhin zum Grenzfluss, kehrte jedoch nicht zurück. Mutmaßlich wurde er an diesem Abend aus chinesischem Gebiet entführt und nach Nordkorea gebracht.
Später wurde er wegen „Verleumdung des Staates“ und „versuchter Anstiftung zum Umsturz“ zu 15 Jahren Haft verurteilt – Anschuldigungen, die mit seiner christlichen Arbeit unter nordkoreanischen Besuchern in Verbindung standen. Sein Fall erregte internationale Aufmerksamkeit, insbesondere nach der Ermordung seines Kollegen, Pastor Han Chung-Ryeol*, im Jahr 2016 unter Umständen, die auf die Beteiligung nordkoreanischer Geheimdienstmitarbeiter schließen lassen.
Nordkoreanische Spione auf der Suche nach Helfern
Eine offizielle Begründung für Jangs vorzeitige Freilassung wurde nicht gegeben. Der Zeitpunkt ist jedoch bemerkenswert, da Personen, die aus religiösen Gründen inhaftiert sind – insbesondere Christen mit Verbindungen ins Ausland – selten vorzeitig freigelassen oder in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden. Laut lokalen Quellen erholt sich Jang derzeit bei seiner Familie, ist jedoch geistig und körperlich erschöpft.
Simon Lee*, Koordinator von Open Doors für die Arbeit unter Nordkoreanern, zeigte sich dankbar für Jangs vorzeitige Rückkehr zu seiner Familie. „Nicht jeder überlebt eine Inhaftierung in Nordkorea“, sagte Lee. „Die Umstände sind extrem schwierig, selbst für diejenigen, die einen ausländischen Pass besitzen. Wir müssen dem Herrn dafür danken, dass Jang überlebt hat, und wir müssen beten, dass Gott ihm hilft, sich von seinen traumatischen Erlebnissen zu erholen.“ Jangs Beispiel unterstreiche, dass es äußerst riskant sei, Nordkoreanern zu helfen. „Man kann dabei sein Leben verlieren, insbesondere wenn man seinen [christlichen] Glauben teilt. Nordkorea hat viele Spione nach China entsandt. Ihre Aufgabe ist es, Menschen zu identifizieren, die Überläufern helfen, und diese Netzwerke zu infiltrieren“, erklärte Lee.
Zehntausende Christen aktuell in Haft
Jangs Geschichte ist kein Einzelfall. Neben drei südkoreanischen Gemeindemitarbeitern, die in Grenznähe verhaftet wurden, werden aktuell drei gebürtige Nordkoreaner festgehalten. Sie hatten nach ihrer Flucht die südkoreanische Staatsbürgerschaft angenommen und wurden, ähnlich wie Jang, unbestätigten Informationen zufolge entführt oder zwangsweise zurückgeführt. Alle sechs werden seit Jahren ohne ordentliches Gerichtsverfahren festgehalten.
Open Doors schätzt, dass derzeit zwischen 50.000 und 70.000 nordkoreanische Christen im riesigen System von Arbeitslagern, Haftanstalten und abgeschotteten Dörfern inhaftiert sind.
Die meisten wurden lediglich wegen des Besitzes einer Bibel, wegen heimlicher Gottesdienste oder wegen Kontakten zu Christen außerhalb des Landes verhaftet. Die Bedingungen in diesen Lagern und Gefängnissen werden allgemein als hart und oft tödlich beschrieben, sodass viele Gefangene ihre Haftstrafe wahrscheinlich nicht überleben werden.
Auf dem Weltverfolgungsindex 2026 steht Nordkorea an 1. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.
*Name geändert
Quelle: The Voice of the Martyrs, Open Doors
Bitte beten Sie für die Christen in Nordkorea:
