Politik & Wirtschaft

Papst Benedikt zu Besuch in Deutschland

Fotos: Thomas und Daniela Nyfeler

Für viele Katholiken in Deutschland ist es ein ganz besonderer Höhepunkt – aber auch für die Beziehungen Deutschlands zum Heiligen Stuhl: Papst Benedikt XVI. ist zu seinem ersten offiziellen Besuch in Deutschland eingetroffen. Bis Sonntag hält sich der Papst auf Einladung von Bundespräsident Christian Wulff in seiner Heimat auf. Er wird neben Berlin auch die Bistümer Erfurt und Freiburg besuchen.
Papst Benedikt XVI. kam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einem Gedankenaustausch in der Repräsentanz der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin zusammen. Im Anschluss sagte Merkel, sie habe sich über die gemeinsame Begegnung sehr gefreut.

Über Europa und Finanzmärkte gesprochen

Bundeskanzlerin Merkel und Papst Benedikt,Papstbesuch in DeutschlandFoto: REGIERUNGonline/Bergmann Vergrößerung Bundeskanzlerin Merkel und Papst BenediktGesprächsthemen, so die Bundeskanzlerin, seien auch Europa und die Situation auf den internationalen Finanzmärkten gewesen. Sie habe dabei deutlich gemacht, dass die europäische Einigung für die Deutschen unverzichtbar sei. Sie bedeute Wohlstand, Demokratie und Freiheit. Politik sollte die Kraft haben, für die Menschen zu gestalten und nicht getrieben zu sein, betonte Merkel.

Zuvor war der Papst vom Bundespräsidenten im Park von Schloss Bellevue offiziell in seinem Heimatland begrüßt worden.

„Papstbesuch bereichert uns“

Unmittelbar vor dem Papstbesuch hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt, sie sei überzeugt, dass „uns der Papstbesuch bereichert“. Sie erhoffe sich von der Reise Orientierung „in diesen gewiss nicht leichten Zeiten“. Der Staatsbesuch Benedikts finde in einer Zeit statt, in der die katholische Kirche vor neuen Herausforderungen und Fragen stehe.

Merkel betonte zugleich, Deutschland würde ohne die Kirchen nicht nur spirituell verarmen, sondern wäre auch sozial kälter.

Im April 2005 wurde mit Joseph Kardinal Ratzinger nach fast 500 Jahren wieder ein Deutscher zum Papst gewählt. Seither hat Benedikt XVI. bereits zweimal sein Heimatland besucht, so zum Weltjugendtag 2005 in Köln. Jetzt stattet er Deutschland erstmals einen offiziellen Besuch ab.

Ein dichtes Programm

Nach den Gesprächen mit dem Bundespräsidenten und der Bundeskanzlerin hat Benedikt XVI. als erster Papst im Bundestag eine Rede gehalten. Am Abend feierte er mit über 70.000 Gläubigen im Olympiastadion eine Messe.

Am 23. September wird der Papst im historischen Augustinerkloster in Erfurt ein Gespräch mit der Evangelischen Kirche in Deutschland führen und an einem ökumenischen Wortgottesdienst teilnehmen. Vorgesehen sind ferner Begegnungen mit Vertretern der orthodoxen Kirche, des Islam und des Judentums in Deutschland.

Bei weiteren Terminen im Bistum Erfurt sowie am 24. und 25. September in Freiburg stehen pastorale Elemente im Vordergrund.

Weltweite Verantwortung für Gerechtigkeit und Frieden

Der Papst ist Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und damit geistliches Oberhaupt von etwa 1,1 Milliarden Menschen. Die weltweite Verankerung der katholischen Kirche hat Bundeskanzlerin Merkel vor dem Besuch besonders hervorgehoben. Damit trage die katholische Kirche auch Verantwortung für Gerechtigkeit und Frieden auf der Welt, äußerte sie in ihrem aktuellen Videopodcast.

Bewahrung des Friedens, Schutz der Menschenrechte und Überwindung von Hunger und Not in der Welt sind wichtigste Ziele der Außenpolitik des Vatikanstaats. Der Heilige Stuhl unterhält diplomatische Beziehungen mit 178 Staaten und ist Mitglied in zahlreichen internationalen Organisationen, darunter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), der Organisation für das Verbot von Nuklearwaffen-Versuchen (CTBTO) und der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW). In den Vereinten Nationen und mehreren ihrer Unterorganisationen (z.B. der UNESCO) hat der Heilige Stuhl einen Beobachter-Status.