Tier, Natur & Umwelt

Robben sind keine Kuscheltiere

Kiel. Ein am Timmendorfer Strand aufgenommenes Video zeigt, wie Badegäste einen jungen Seehund umringen, fotografieren und sogar anfassen. Während sich Kinder dem Tier unmittelbar nähern, greifen die anwesenden Erwachsenen offenbar nicht ein.

Der BUND Landesverband Schleswig-Holstein e.V. kritisiert dieses Verhalten deutlich und erinnert daran, dass Robben keine Kuscheltiere, sondern Wildtiere sind. Robben suchen Strände auf, um sich auszuruhen und neue Kräfte zu sammeln. Werden sie dabei von Menschen umringt, verfolgt oder angefasst, bedeutet dies erheblichen Stress. Im schlimmsten Fall wird ein Tier ins Wasser zurückgedrängt, bevor es sich ausreichend erholen konnte.

Auch für Menschen kann eine solche Annäherung gefährlich werden. Seehunde und Kegelrobben können sich bei Bedrängung mit kräftigen Bissen verteidigen. Beim direkten Kontakt besteht zudem das Risiko einer Übertragung von Krankheitserregern. Besonders Kinder können die Reaktion und Kraft eines Wildtiers kaum einschätzen. „Letztlich beanspruchen wir Menschen den Lebensraum der Robben. Vorfälle wie der in Timmendorfer Strand verdeutlichen, dass es den Wildtieren an ruhigen und artgerechten Alternativen fehlt“, sagt Jesreel Dietrich, Projektleiter des BUND-Projekts „Robbe in Sicht!“.

BUND fordert störungsarme Ruhebereiche

Der Vorfall zeigt aus Sicht des BUND, dass Aufklärung allein nicht ausreicht. An stark besuchten Stränden müssen ruhende Robben kurzfristig durch deutlich sichtbare und ausreichend großräumige Absperrungen geschützt werden. Gleichzeitig braucht es an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste langfristig störungsarme Küstenabschnitte, an denen Seehunde und Kegelrobben ruhen können, ohne regelmäßig von Menschen oder Hunden aufgescheucht zu werden.

Der BUND SH regt deshalb an, gemeinsam mit den zuständigen Naturschutzbehörden, den Seehundjäger* innen, der Wissenschaft, den Kommunen und weiteren Akteur* innen geeignete Bereiche für Robbenruheplätze zu ermitteln. Geprüft werden könnten beispielsweise Küstenabschnitte im Naturschutzgebiet „Markelsdorfer Huk“ im Naturschutzgebiet „Nördliche Seeniederung Fehmarn“, in der Geltinger Birk oder an der Nordspitze des Naturschutzgebietes „Halbinsel Holnis“.

Begegnungen werden Teil des Küstenalltags

Seehunde und Kegelrobben werden inzwischen regelmäßig an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste gemeldet. Mit der regelmäßigen Präsenz der Tiere steigt insbesondere an touristisch stark genutzten Stränden die Wahrscheinlichkeit von Begegnungen. Die Rückkehr der Robben ist eine erfreuliche Entwicklung. Sie stellt Küstenkommunen, Tourismus und Naturschutz jedoch vor die gemeinsame Aufgabe, Menschen auf solche Begegnungen vorzubereiten und den Tieren ausreichend Raum zu geben.

Mit dem Projekt „Robbe in Sicht!“ informiert der BUND Landesverband Schleswig-Holstein e.V. über Seehunde und Kegelrobben an der Ostseeküste, vermittelt die wichtigsten Verhaltensregeln und vernetzt Akteur*innen aus Naturschutz, Forschung, Verwaltung und Tourismus.

Die Robben-App findet man im App-Store oder über die Homepage des Landesamts für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz:

https://www.nationalpark-wattenmeer.de/wissensbeitrag/robbenapp/

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