VNW-Direktor Andreas Breitner: Die Energiewende braucht mehr Pragmatismus
Mehrere Verbände aus dem Norden haben einen energiepolitischen Appell an die Bundesregierung und den Bundestag gerichtet und dabei einen Ausbau der Erzeugung erneuerbarer elektrischer und thermischer Energie gefordert.
Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):
„Uns eint die Forderung nach bezahlbarem Strom und bezahlbarer Heizenergie. Die Energiewende muss stets die Kosten im Blick haben. Soziale Vermieter erleben inzwischen in einigen Fällen, dass die sogenannte zweite Miete höher ist als die Nettokaltmiete.
Es mag sein, dass Wind und Sonne ‚keine Rechnung schicken‘. Aber Sonnenkollektoren, Windräder, Stromleitungen, -netze, Wärmepumpen, neue Fenster, Dämmmaterialien und vor allem der Ausbau der Fernwärme kosten viel Geld. Zuletzt sind diese Kosten erheblich gestiegen. Die Energie- und Wärmewende wird für Deutschland und den Norden teuer und ist nicht durchfinanziert. Es ist entsteht eine hohe Rechnung zu Lasten Dritter: der Mieterinnen und Mieter und Vermieter.
Umfassende politische Vorgaben wiederum zwingen Wohnungsunternehmen zu hohen Investitionen. Soziale Vermieter können diese Investitionen allein durch höhere Mieten refinanzieren. Politisch Verantwortliche machen es sich oft einfach und unterschätzen die Folgen ihrer Entscheidungen.
In Schleswig-Holstein haben Landesregierung und Wohnungswirtschaft einen guten Kompromiss gefunden, der die hohen Belastungen durch das Vorziehen des Ziels der Klimaneutralität um fünf Jahre auf 2040 auf mehr Schultern verteilt. So etwas wünschen wir uns auch in anderen Bundesländern.
Die Reparatur von Klimaschäden ist teurer als vorbeugender Klimaschutz. Aber Klimaschutz darf nicht dazu führen, dass die Menschen am Ende finanziell überfordert werden. Das zahlt auf die Akzeptanz für den Klimaschutz ein und lässt diese schwinden. Deshalb benötigen wir bei der Energiewende vor allem Pragmatismus.
