Von Investitionen bis Personal: Zukunft im Tourismus trotz knapper Ressourcen
Norddeutsche Tourismuskonferenz in Neumünster.
Investitionen ermöglichen trotz knapper Haushaltsmittel und innovative Ansätze zur Fachkräftesicherung: Diese zentralen Themen diskutierten 130 Branchenvertreter am 28. Februar 2025 auf der Norddeutschen Tourismuskonferenz in Neumünster. Sie formulierten ihre akuten Bedarfe gegenüber der Politik und stellten neue Herangehensweisen vor.
„Der Tourismus ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor in den norddeutschen Ländern – er schafft Arbeitsplätze, stärkt die Regionen und macht unsere Küsten, Städte und Landschaften lebendig. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Tourismuswirtschaft langfristig zu sichern, braucht es Anstrengungen aller Akteure. Ohne neue Konzepte, vor allem in der Fachkräftesicherung, droht der Branche Stillstand. Von Seiten der Politik braucht es mehr Vertrauen gegenüber der Unternehmerschaft sowie einen konsequenten Bürokratieabbau. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer empfinden die zunehmenden Detailregelungen und kleinteiligen Pflichten als vollkommen unverhältnismäßig. Beispielhaft kann die Fachkräfteeinwanderung angeführt werden. Die Branche benötigt qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland, doch die Verfahren sind zu komplex und langwierig. Die Vereinfachung und Beschleunigung dieser muss eine klare Priorität der nächsten Bundesregierung sein, um den Tourismus wettbewerbsfähig aufzustellen“, erklärt Björn Ipsen, Hauptgeschäftsführer der IHK Schleswig-Holstein.
Sicherung von Investitionen und Budgets: Die Diskussion zu Tourismusinvestitionen wurde von Julia Carstens, Staatssekretärin im schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministerium, mit einem Impulsvortrag eingeleitet. Die grundsätzliche Forderung der Panel-Teilnehmer lautete anschließend: Trotz finanzieller Engpässe benötigt der Tourismus als wichtiger Wirtschafts- und Standortfaktor eine transparente Förderkulisse, die adressatengerecht, unbürokratisch und bedarfsorientiert eingesetzt werden kann, um sich international wettbewerbsfähig aufzustellen. Einigkeit bestand hinsichtlich der engen Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und privaten Investoren, um neue Projekte zu fördern und notwendige Ressourcen zu sichern.
Fachkräftesicherung: Der akute Mangel an bezahlbarem Wohnraum für Arbeitskräfte stellt eines der größten strukturellen Probleme dar. In beliebten Tourismusregionen, vor allem auf den Inseln, sind bezahlbare Wohnungen kaum verfügbar. Inflation und steigende Baukosten haben das Problem weiter verschärft. Trotz einzelner Förderprogramme, wie bspw. in Mecklenburg-Vorpommern, fehlt es an flächendeckenden, wirksamen Maßnahmen. Lösungsansätze könnten sein, entsprechende Förderprogramme auszuweiten: Bund und Länder sollten gezielt Programme zur Schaffung von Mitarbeiterwohnungen in Tourismusregionen stärken und die Integration notwendiger Flächen in Bauplanungen obligatorisch mitdenken. Zudem muss das Bewusstsein für die betriebliche Dimension gestärkt werden und Initiativen von Unternehmen durch steuerliche Anreize und erleichterte Genehmigungsverfahren unterstützt werden. Es braucht ein koordiniertes Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Kommunen, um wirksam Abhilfe zu schaffen.
Die Panel-Teilnehmer betonten zudem die Bedeutung flexibler Arbeitszeitmodelle und verbesserter Arbeitsbedingungen. Eine wichtige Maßnahme ist die Erleichterung der Einstellung internationaler Fachkräfte aus dem außereuropäischen Ausland. Es wurden gute Beispiele präsentiert, wie die Integration im Betrieb gelingen kann, die oftmals aber an bürokratischen Hürden scheitern.
„Der Tourismus braucht als Querschnittsbranche endlich eine starke Stimme auf Bundesebene. Die Position eines nationalen Koordinators, der nur für den Tourismus zuständig ist und auf Augenhöhe mit anderen Entscheidungsträgern im Tourismus steht, sollte geschaffen werden. Die identifizierten Herausforderungen müssen zielstrebig angegangen, der Austausch gefördert und Netzwerke gestärkt werden“, fordert Alexander Anders, Geschäftsführer der IHK Nord, abschließend.
Weitere Ansätze für eine Stärkung des Tourismus im Norden stehen hier online: www.ihk-nord.de/btw2025
Informationen zur Konferenz stehen online unter: https://info.ihk-nord.de/norddeutschetourismuskonferenz2025