Europa bewältigen wir nur ohne Finten und gemeinsam

Die Veranstaltung in Herrnburg zum Thema „Gewerbegebiet in Lüdersdorf“ war ein grausiges Lehrstück dafür, wie Nachbarn nicht mit einander umgehen sollten. Dieser Abend ließ erahnen, warum die zunächst gute Zusammenarbeit nach der Wende 1997/98 eingeschlafen ist. Gemäß damaliger gemeinsamer Planung zur Entwicklung der „Region Lübeck“ sollten selbstverständlich auch auf dem mecklenburgischen Gebiet, entlang der Achse Schwerin – Lübeck, insgesamt etwa 80 ha Gewerbeflächen ausgewiesen werden… Mit 100 ha würde Lüdersdorf allein diesen Rahmen sprengen. Die Lüdersdorfer Vertreter verfolgten an diesem Abend eine Strategie des Fintierens und Verdummens. Wiederholt behaupteten sie, es handle sich doch nur um 10 ha, und der Lübecker Bürgermeister könne keine Texte lesen. Erst als der Kieler Ministeriumsvertreter den entsprechenden Aktentext mit 100 ha verlas, bequemten sich die Herren dazu, die 10 ha als ersten Schritt zu deklarieren. Auch von aktiven Abwerbungen in Lübeck und Schnäppchenangeboten wollte zunächst niemand etwas wissen. Wiederum erst nach schon peinlichem, wiederholten Nachfassen und schriftlichen Belegen gaben die Lüdersdorfer zu, dass irgend welche Werbeagenturen tätig geworden seien. Dabei hofften sie offensichtlich, dass die Lübecker nicht darauf kommen würden, dass hinter Agenturen Auftraggeber stehen. In dieser Atmosphäre wirkten Aufrufe zur besseren Zusammenarbeit wenig überzeugend. Dennoch wird die FDP-Fraktion alles Erdenkliche tun, damit die „Region Lübeck“ im zusammenwachsenden Europa nicht zu spät kommt. Weder das „Europa der Regionen“, noch der boomende Ostseeraum warten nämlich auf klein karierte deutsche Nachzügler, die nicht einmal über Bundesländergrenzen schauen wollen.
