Paula Modersohn-Becker und das Lübecker Museum Behnhaus Drägerhaus
Am 8. Februar 2026 hätte eine der bedeutendsten frühen Vertreterinnen der Moderne ihren 150. Geburtstag gefeiert: Paula Modersohn-Becker. Zum Jubiläumsjahr gibt es bundesweit ein vielfältiges Programm, so zum Beispiel die Ausstellung „Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch. Die großen Fragen des Lebens“, die vom 8. Februar bis 31. Mai 2026 im Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) zu sehen sein wird. Das Museum Behnhaus Drägerhaus hat dem Albertinum dafür sein Gemälde „Stehender und kniender Mädchenakt vor Mohnblumen II“ aus dem Jahr 1906 ausgeliehen, das nun auch als Cover des Ausstellungskatalogs dient.
„Wir freuen uns sehr, dass wir das Lübecker Gemälde für die Ausstellung gewinnen konnten“, so der Kurator der Ausstellung im Albertinum der SKD, Andreas Dehmer. „Es ist eine hinreißende Darstellung inniger Zwiesprache und des stillen Lebens.“
Das 150. Jubiläum von Paula Modersohn-Becker veranlasst auch das Museum Behnhaus Drägerhaus dazu, sein Verhältnis zu der Künstlerin zu beleuchten. Im Besitz des Lübecker Museums befinden sich zwei Werke, die Grafik „Die Gänsemagd“ von 1900 sowie „Stehender und kniender Mädchenakt vor Mohnblumen II“, eines der Hauptwerke von Paula Modersohn-Becker.

Das Gemälde hat eine bemerkenswerte Sammlungs- und Museumsgeschichte. Der Lübecker Museumsdirektor Carl Georg Heise (1890-1979) versuchte, es 1931 für das Behnhaus zu erwerben. Er hatte bereits 1921 zwei Selbstbildnisse von Modersohn-Becker angekauft und plante nun, die Lübecker Sammlung um ein Werk der Künstlerin zu erweitern. Doch der Ankauf kam nicht zustande; der Kunstsammler Dr. Kurt Wünsche aus Zwickau kam Heise zuvor und erwarb den „Mädchenakt“ für seine Privatsammlung.
Das war für das Museum Behnhaus Drägerhaus ein Glücksfall: Während die beiden von Heise erworbenen Werke von Modersohn-Becker ab 1937 der nationalsozialistischen Beschlagnahmeaktion zum Opfer fielen und dem Museum verloren gingen, fand „Stehender und kniender Mädchenakt vor Mohnblumen II“ im Jahr 2005 doch noch seinen Weg zurück nach Lübeck und wurde dem Museum Behnhaus Drägerhaus vom Sohn des damaligen Käufers Konrad Wünsche geschenkt.
Eines der beiden 1937 im Museum Behnhaus Drägerhaus beschlagnahmten Werke von Paula Modersohn-Becker, das „Selbstbildnis von halblinks“ aus dem Jahr 1906, wurde im November 2025 in der so genannten „Winterauktion“ im Berliner Auktionshaus Grisebach für 1,27 Millionen Euro (inklusive Aufgeld) als Teil der Sammlung Walter Bauer versteigert und erzielte damit den bisherigen Rekordpreis für ein Gemälde der Künstlerin. Beim Käufer handelt es sich um einen Privatsammler.
Das zweite 1937 in Lübeck beschlagnahmte Bild Modersohn-Beckers, „Selbstporträt als stehender Akt mit Hut“ von 1906, gelangte in eine Privatsammlung und war 2024 wieder öffentlich zu sehen. Im Rahmen der ersten Retrospektive in den USA unter dem Titel „Paula Modersohn-Becker. Ich bin Ich / I Am Me“ war es in der Neuen Galerie New York sowie im Art Institute of Chicago zu sehen.
Hier war auch das Gemälde „Stehender und kniender Mädchenakt vor Mohnblumen II“ aus der Sammlung des Museums Behnhaus Drägerhaus als Leihgabe ausgestellt.
Weitere Informationen unter https://museum-behnhaus-draegerhaus.de
