Lübeck Lupe

Björn Engholm im Gespräch

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Der ehemalige Bundesvorsitzende der SPD, Bundesminister, Kanzlerkandidat und Schleswig-Holsteinische Ministerpräsident gab jetzt ein aktuelles Interview. Das Gespräch mit Björn Engholm führte der Präsident des Lions-Clubs Lübeck, Dr. Christoph Gaudecki.

1993 ist der SPD-Politiker von seinen Ämtern zurückgetreten. Doch Björn Engholm hat die Hände nicht in den Schoß gelegt. Sein Arbeitstag beträgt noch immer mehr als 12 Stunden…Der ehemalige Ministerpräsident engagiert sich in Sachen Kunst und Kultur. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Bundesverfassungsgerichts organisierte er eine Ausstellung für dessen damalige Präsidentin, Jutta Limbach. Zahlreiche Ehrenämter nimmt Björn Engholm zudem wahr, unter anderem für die Lübecker Universität, die Musikhochschule, die Possehlstiftung und die Kunstausstellungen in St. Petri. Kunst bedeutet für ihn Augenschmaus und Anmutung. Kunst ist Ausdruck von Kreativität, die auf den Betrachter überspringt. Seit 40 Jahren sammelt Björn Engholm Kunstgegenstände. „Kunst, die man privat besitzt, verkauft man nicht“, so der ehemalige Bundesvorsitzende der SPD.

Björn Engholm definiert Kultur als einen weiten Begriff: „Hierzu gehört alles, das die Sinne beeinflusst. Sinnlichkeit ist der Zugang zur Welt“.

Zwar hat sich Björn Engholm aus der aktiven Politik zurückgezogen. Der zweifache Vater und Großvater eines Enkels macht sich jedoch Gedanken und Sorgen um die nächste und übernächste Generation: “ Es wird immer schwieriger für die jungen Menschen, eine Arbeit zu finden. Zudem ist es wichtig, rechtzeitig Vorsorge für das Alter zu treffen“. Optimistisch zeigt sich der ehemalige Ministerpräsident im Hinblick auf die Stabilität des äußeren Friedens in Deutschland und Europa. Björn Engholm weist jedoch darauf hin, dass das Miteinander der Weltreligionen künftig eine sehr große Rolle spielen wird.

Auf die Frage, welchen Beruf er im Falle einer Wiedergeburt ergreifen möchte, antwortet Björn Engholm spontan:“ Ich würde sehr gern Pianist werden“. Hierzu sei angemerkt, dass der ehemalige Bundesvorsitzende der SPD nach eigenem Bekunden kein Klavier spielen kann.

Auf die Person Willy Brandt angesprochen erinnert sich Engholm an die erste persönliche Begegnung in einem Wahlkampf 1961. Willy Brandt war seinerzeit Regierender Bürgermeister in Berlin. „Seine stille Heimat war stets Lübeck“ merkt Björn Engholm an. „Willy Brandt besaß die Fähigkeit, über den Tellerrand hinauszuschauen“. Ähnliche visionäre Fähigkeiten besaß laut Björn Engholm auch der erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer. Nach dem Tod von Willy Brandt gab Björn Engholm 1992 die Schrift „Abschied – Dank an Willy Brandt“ heraus.

Auf die Frage nach dem Glück stellt sich der SPD-Politiker einen Spätherbsttag im Rheingau mit Blick auf ein Weingut vor.

Das höchste Gut ist für Björn Engholm jedoch die Gesundheit. Ebenso wichtig sind für den ehemaligen Kanzlerkandidaten der SPD seine Freunde, die er seit Jahren außerhalb der Politik gefunden hat.