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Bäume per App erfassen und schützen

  • Smartphone-App des BUND regt zum Kartieren und Pflegen von Stadtbäumen an
  • Citizen-Science-Projekt „Mein Baum“ erfordert kein Vorwissen und kann kommunale Baumkataster ergänzen
  • Bäume sind Lebensräume und Klimaschützer
  • BUND fordert Baumschutzsatzungen in allen Kommunen

Kiel. Bäume sind für unsere Lebensqualität unverzichtbar: Sie kühlen unsere Umgebung, filtern Schadstoffe und bieten Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Gleichzeitig sind sie durch Klimawandel, Trockenheit und Krankheiten zunehmend gefährdet. Doch wie steht es um die Bäume in Städten und Gemeinden? Das will der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) direkt von Menschen vor Ort wissen. Er stellt ab sofort die vom BUND Naturschutz in Bayern entwickelte App „Mein Baum“ bereit. Sie ist als Citizen-Science-Projekt konzipiert. Bürger*innen in Schleswig-Holstein können damit Bäume in Städten und Dörfern erfassen und Beobachtungen über Art, Größe und Zustand eingeben. Ziel ist es, Datenlücken zu schließen, Bäume gezielt zu schützen und eine verlässliche Grundlage für eine klimaangepasste Stadtentwicklung zu schaffen.

„Um Stadtbäume besser schützen zu können, brauchen wir verlässliche Daten. Hier zählen wir auf die Unterstützung der Bürger*innen“, sagt Marina Quoirin-Nebel vom Vorstand des BUND Schleswig-Holstein. „Bäume sind ein Stück Heimat und prägen das Ortsbild. Ich lade alle Menschen ein, mit oder ohne diese App die Bäume in ihrer Umgebung zu entdecken. Noch immer gibt es viele Kommunen ohne Baumschutzsatzung. Das ist vor allem für alte Bäume verheerend, ohne Baumschutz sind sie jeder Säge wehrlos ausgeliefert.“

Über die kostenlose App „Mein Baum“ sowie die zugehörige Web-App ( https://www.bund.net/mitmachen/mein-baum-app/) können Nutzer*innen einzelne Bäume oder ganze Alleen kartieren und Angaben zu Baumart, Zustand und Umfeld machen. Der Standort wird automatisch per GPS oder händisch per Mausklick erfasst. Alle Meldungen erscheinen auf einer interaktiven Karte. So wird sichtbar, wo bereits Bäume dokumentiert wurden oder wo neue „Wunschbäume“ entstehen könnten. Bestehende Einträge lassen sich jederzeit aktualisieren. Dadurch können Veränderungen über das Jahr hinweg nachvollzogen und Entwicklungen langfristig beobachtet werden.

Marina Quoirin-Nebel: „Viele Städte verfügen zwar über Baumkataster, doch diese sind oft lückenhaft, besonders bei aktuellen Veränderungen. Private Bäume werden in der Regel gar nicht erst in den Katastern erfasst. Das Projekt Mein Baum ergänzt diese Daten sinnvoll. Bürger*innen erfassen Informationen, die bislang fehlen und schaffen damit eine wertvolle Grundlage für zukünftige Pflanz- und Schutzkonzepte.“ Perspektivisch ist auch ein Datenaustausch mit Kommunen vorgesehen.

Das Projekt verbindet Forschung, Bürgerbeteiligung und praktische Anwendung. „Auch Schulklassen, Initiativen und Gruppen sind ausdrücklich eingeladen, sich zu beteiligen“, betont Marina Quoirin-Nebel. Wir müssen endlich begreifen, dass Bäume Leben bedeuten. Dass sie denselben Stellenwert verdienen wie Häuser oder Straßen. Und dass Laub kein Dreck ist, sondern wertvoller Humus.“

Die Einträge in die App werden sorgfältig dokumentiert und geprüft. Freiwillige Moderator*innen unterstützen zusätzlich bei fachlichen und technischen Fragen und tragen zur Qualität der Daten bei. Gemeinsam entwickeln der BUND und der BUND Naturschutz in Bayern sowie wissenschaftliche Partner wie die Technische Universität München und die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf das Projekt weiter. Es wurde vom BUND Naturschutz im vergangenen Jahr gestartet. Damit ist es nun möglich, deutschlandweit die Datengrundlage für Forschung und Naturschutz zu verbessern und gleichzeitig möglichst viele Menschen für den Schutz von Stadtbäumen zu begeistern. Erste Analysen folgen Ende 2026.

Weitere Informationen:

https://www.bund.net/mitmachen/mein-baum-app/

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