Politik & Wirtschaft

Bündnis für Fachkräfte Schleswig-Holstein initiiert: Schulterschluss für landesweite Fachkräfteinitiative

KIEL. Die Sicherung des Fachkräftebedarfs ist die zentrale arbeitsmarktpolitische Herausforderung der Zukunft. Hierüber waren sich die Spitzenvertreter der Wirtschafts- und Sozialpartner, der Kammern, der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit sowie die Minister für Arbeit, Wirtschaft, Bildung und Integration einig. Die Akteure waren am 22. Februar auf Einladung des stellvertretenden Ministerpräsidenten und Arbeitsministers Dr. Heiner Garg zum Auftakt einer gemeinsamen landesweiten Fachkräfteinitiative zusammengetroffen.
Demografiebedingt geht das Potenzial an Erwerbspersonen künftig spürbar zurück. In den nächsten zehn Jahren klafft in Schleswig-Holstein eine Lücke von 67.000 Personen, die sich bis 2030 auf rd. 253.000 vergrößern wird. Zugleich verändert sich der Bedarf an Arbeitskräften. Der Anteil an hochqualifizierten Arbeitsplätzen nimmt aufgrund des Strukturwandels zu, während zugleich die Jobs für Geringqualifizierte weniger werden.

Als eine Antwort auf diese Herausforderung haben die Partner der Fachkräfteinitiative sich darauf verständigt, in einem abgestimmten Vorgehen entsprechende Maßnahmen zu entwickeln, zu koordinieren und umzusetzen. Die Spitzenvertreter der beteiligten Organisationen verständigten sich dabei auf folgende Handlungsfelder:

* die Erarbeitung einer regional und branchenspezifische Analyse
* die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen
* die Verbesserung der Beschäftigungssituation Älterer
* die Verbesserung der Arbeitsmarktintegration
* die Optimierung des Übergangs von der Schule in den Beruf
* die Erhöhung des Anteils der Schulabgänger mit Schulabschluss und die Erhöhung des Anteils der Jugendlichen mit abgeschlossener Berufsausbildung
* die Erhöhung des Anteils an Akademikern und Fachkräften in Mangelbereichen
* die Unterstützung des lebenslangen Lernens
* die verstärkte Mobilisierung von Migrantinnen und Migranten sowie gezielte Zuwanderung

Eine Arbeitsgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten Partner wurde damit beauftragt, in den nächsten Monaten Maßnahmen zu identifizieren und umzusetzen. Ziel der Initiative ist auch eine bessere Vernetzung und Koordinierung der bereits laufenden Maßnahmen zur Fachkräftesicherung. Konkrete Ergebnisse der Arbeitsgruppe sollen im Sommer dieses Jahres vorgelegt werden.

Stellvertretender Ministerpräsident und Arbeitsminister Dr. Heiner Garg betonte: „“Der Schulterschluss von Wirtschaft, Gewerkschaft, Arbeitsagentur und Landesregierung zeigt: Gemeinsame Anstrengungen sind notwendig, um den Fachkräftebedarf zu sichern. Dabei geht es nicht nur um Jobs, sondern auch um die Zukunft unseres Wohlstandes. Die Weiterentwicklung von Bildung, Qualifizierung, Familienfreundlichkeit und gezielte Zuwanderung sind die zentralen Ansätze, die wir gemeinsam verfolgen werden, damit Schleswig-Holstein wettbewerbsfähig bleibt““.

Nach den Worten von Wirtschaftsminister Jost de Jager ist die Sicherung des Fachkräftebedarfs auch für die rund 120.000 kleinen und mittelständischen Unternehmen im Land eine der größten Herausforderungen in den nächsten Jahren. „“Es gibt zunehmend mehr Ausbildungsstellen als Schulabgänger, die tatsächlich ausbildungsbereit und ausbildungsfähig sind. Das wird sich in absehbarer Zeit nicht ändern“.“ De Jager erinnerte in diesem Zusammenhang an die jüngste regionalisierte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, wonach der Fachkräftebedarf spätestens ab 2020 zum limitierenden Faktor der Wirtschaft werden könne. „“Wir werden deshalb alles daran setzen, günstige Rahmenbedingungen zu schaffen, um Jugendliche und Betriebe optimal zusammenzubringen““, so de Jager.

Bildungsminister Dr. Ekkehard Klug: „“Die in den vergangenen Jahren gesammelten guten Erfahrungen mit dem Handlungskonzept Schule & Arbeitswelt haben deutlich gemacht, dass es mit einer individuellen Begleitung von benachteiligten Jugendlichen durch Coaches gut gelingt, auch für diese Jugendlichen einen Ausbildungsplatz und somit eine Perspektive zu finden“.“ Klug verwies weiter darauf, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die die Schulen ohne einen Hauptschulabschluss verlassen, seit Jahren stetig sinke.

Gleichstellungs – und Integrationsminister Emil Schmalfuß fügte an: „“Die Erhöhung des Anteils an qualifizierter Ausbildung und Beschäftigung von Migrantinnen und Migranten ist von hoher gesellschaftspolitischer Bedeutung und nicht nur unter den Aspekten „Vermeidung von Sozialleistungen“ oder „Beseitigung eines Fachkräftemangels“ relevant. Die gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsmarkt ist auch ein Indikator für gelungene Integration.““ Verbesserungen der Integration von Migrantinnen und Migranten bei Bildung, Ausbildung und Beruf seien zentrale Themenfelder des Aktionsplans Integration, der unter Federführung seines Ministeriums gerade von der Landesregierung erarbeitet werde, sagte der Minister. „“Für den Arbeitsmarkt deutlich relevanter ist allerdings die mit dem Fachkräftemangel verbundene Chance, endlich mit der Chancengleichheit von Frauen und Männern im Erwerbsleben deutlich voranzukommen. Frauen und Teilzeit, Frauen und Minijobs dürfen keine Synonyme bleiben für die Erwerbstätigkeit von Frauen. Egal, ob mit oder ohne Migrationshintergrund““, so Schmalfuß. „“Gelingt es uns, die hier vorhandenen Potentiale zu nutzen, können (bundesweit gerechnet) mehr als 2 Mio. fehlende Fachkräfte ersetzt und ein ganz wichtiges Karrierehemmnis für Frauen beseitigt werden. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur durch die weitere Verstärkung im Bereich Kinderbetreuung, sondern insbesondere aber auch durch einen Bewusstseinswandel im Bereich der Unternehmen in Richtung attraktive Arbeitsbedingungen wird deshalb zu einer noch zentraleren Themenstellung werden.““

Uli Wachholtz, Präsident UVNord: „“Die demografische Entwicklung erfordert ein abgestimmtes Vorgehen, um den Fachkräftebedarf der Zukunft für die Unternehmen in Schleswig-Holstein zu decken. Ich begrüße daher die Fachkräfteinitiative von Minister Dr. Garg. UVNord wird sich mit innovativen Konzepten an dieser Initiative beteiligen und den Schwerpunkt auf die Deckung des Fachkräftebedarfs für die KMUs im Lande legen.““

Jürgen Goecke, Chef der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, unterstrich: „“Der drohende Fachkräftemangel kann allein durch den Schulterschluss aller Arbeitsmarktpartner in Schleswig-Holstein bekämpft werden. Deshalb begrüßen wir die gemeinsame Fachkräfteinitiative. Betonen möchte ich, dass wir – die Arbeitsagenturen und Jobcenter – bereits jetzt einen nicht unerheblichen Beitrag leisten, den ich an drei Beispielen illustrieren möchte. So qualifizieren wir aktuell in Schleswig-Holstein mehrere Tausend Jugendliche und Arbeitsuchende, um sie fit für den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu machen. Gleichzeitig führen wir landesweite Branchenaktionen durch, veranstalten Bewerbermessen und bieten Info-Tage für Schüler und branchenfremde Arbeitsuchende an. Und nicht zuletzt unterstützen wir mit unseren örtlichen Arbeitgeberservice-Teams Betriebe bei der Suche nach geeignetem Personal: regional, überregional und international.““

DGB Nord-Vorsitzender Uwe Polkaehn: „“Demografie ist keine Bedrohung, sondern eine Herausforderung für Politik und Tarifpartner. Wir sehen keinen generellen Fachkräftemangel. Wir brauchen Transparenz über den realen Fachkräftebedarf. Arbeit ist der wertvollste Rohstoff, den wir hegen und pflegen müssen. Durch gute Arbeitsbedingungen. Und wir brauchen jeden – auch den vermeintlich Schwachen.“

Christoph Andreas Leicht, Präsident der IHK Schleswig-Holstein:
„„Die IHK Schleswig-Holstein bringt sich bereits heute in diesen Prozess mit folgenden Schwerpunkten ein: Fachkräfte entwickeln, Fachkräfte halten und Fachkräfte anwerben. Diese Schwerpunkte sind von den drei IHKs in Schleswig-Holstein mit konkreten Projekten und Aktionen hinterlegt, die von der Schule über die Aus- und Weiterbildung bis zur Hochschule reichen und in speziellen Arbeitsgruppen mit vielen Partnern realisiert werden. Unser Motto ist hierbei, selber anpacken und nicht abwarten, bis andere etwas tun.““

Teilnehmer des Auftaktes zum Bündnis für Fachkräfte:
Stellvertretender Ministerpräsident und Arbeitsminister Dr. Heiner Garg,
Wirtschaftsminister Jost de Jager,
Bildungsminister Dr. Ekkehard Klug,
Integrationsminister Emil Schmalfuß,
Präsidenten des UVNord, Uli Wachholtz,
Vorsitzenden der Geschäftsführung der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Nord, Jürgen Goecke,
Vorsitzenden des Bezirksvorstandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes Bezirkes Nord, Uwe Polkaehn,
Präsident der IHK Schleswig-Holstein, Christoph Andreas Leicht,
Präsidenten der Handwerkskammer Lübeck, Horst Kruse
Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schleswig-Holstein Udo Hansen