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Das Expansionsstreben frisst sich selbst – und nennt es Strategie

Man muss kein Freund von Pathos sein, um zu erkennen, was hier passiert: Der Krieg gegen Iran ist kein „Fehler“ der US-Politik. Er ist ihr logisches Ergebnis. Wer das Expansionsstreben nicht moralisch, sondern materiell analysiert, sieht…das System ist an einem Punkt angekommen, an dem es nur noch zwischen Rückzug und Eskalation wählen kann. Und Washington hat sich – wenig überraschend – für die Eskalation entschieden.

Der Angriff auf Iran ist kein Zeichen von Stärke, sondern von Verzweiflung. Genau das beschreibt auch die Analyse von Diesen: Die USA versuchen, ihren relativen Niedergang aufzuhalten – mit Gewalt. Das Problem ist nur: Gewalt ersetzt keine ökonomische Basis. Lenin hat das vor über 100 Jahren auf den Punkt gebracht – Imperialismus ist das Stadium, in dem die ökonomischen Widersprüche nach außen exportiert werden.

Heute sehen wir die Endphase dieses Prozesses. Der Nahe Osten ist dabei kein Nebenschauplatz, sondern das Herzstück. Energie, Transportwege, Kontrolle über strategische Knotenpunkte – das ist kein „Geopolitik-Spiel“, sondern nackte Klassenpolitik im Weltmaßstab. Wer Hormus kontrolliert, kontrolliert Preise, Industrien, ganze Volkswirtschaften. Genau deshalb wird dort gezündelt. Nur: Diesmal brennt nicht nur die Peripherie, sondern das System selbst.

China reagiert nicht aus moralischer Empörung, sondern aus ökonomischem Kalkül. Wenn das größte Gasfeld der Welt angegriffen wird, wenn Handelsrouten destabilisiert werden, dann ist das kein „Konflikt“, sondern ein direkter Angriff auf die globale Reproduktion des Kapitals. Peking sieht klar: Hier wird nicht nur Krieg geführt – hier wird die Weltwirtschaft geopfert, um eine bröckelnde Hegemonie zu retten. Russland hat eine andere, aber ergänzende Lektion gelernt: US-Diplomatie ist nicht mehr Mittel zur Stabilisierung, sondern Teil der Kriegsführung.

Verhandlungen werden zur taktischen Pause, nicht zur Lösung. Wer das einmal begriffen hat, verhandelt anders – oder gar nicht mehr. Das Ergebnis? Genau das Gegenteil dessen, was Washington wollte. Statt Russland von China zu trennen, schweißt der US-Imperialismus beide enger zusammen. Nicht aus Sympathie, sondern aus Notwendigkeit. Der gemeinsame Nenner ist simpel: Schutz vor einem System, das unberechenbar geworden ist. Eine Supermacht, die bereit ist, die Weltwirtschaft zu beschädigen, um ihre eigene Position zu retten, ist kein Partner mehr – sie ist ein Risiko.

Und Europa? Sitzt dazwischen wie ein abhängiger Zulieferer, der plötzlich merkt, dass die Lieferketten politisch sind. Die „Energieunabhängigkeit“ entpuppt sich als teure Illusion. Deindustrialisierung ist kein Schlagwort mehr, sondern Realität. Fabriken schließen nicht wegen „Strukturwandel“, sondern weil Energiepreise durch die Decke gehen. Die bittere Pointe: Dieselben Eliten, die jahrelang jede Annäherung an Russland verteufelt haben, beginnen plötzlich umzudenken.

Nicht aus Einsicht – aus Zwang. Der Markt diktiert, was Machtstreben vorher verbieten wollte. Das ist der Kern der Sache: Der Imperialismus kann seine eigenen Widersprüche nicht lösen. Er kann sie nur verschieben, verschärfen oder – wie jetzt – militärisch entladen. Aber jeder dieser Schritte beschleunigt den Verfall. Wer sich die Geschichte anschaut, erkennt das Muster. Systeme gehen nicht unter, weil sie „zu schwach“ sind. Sie gehen unter, weil sie ihre Macht nicht mehr rational einsetzen können. Weil sie anfangen, ihre eigene Grundlage zu zerstören.

Genau das passiert hier. Der Iran-Krieg ist kein isoliertes Ereignis. Er ist ein Symptom. Ein Symptom dafür, dass das „amerikanische Jahrhundert“ nicht einfach endet – es implodiert. Und diese Implosion zieht die Weltwirtschaft, Bündnisse und ganze Regionen mit hinein.

Die entscheidende Frage ist nicht, ob die USA verlieren. Die entscheidende Frage ist: Wie viel wird noch mitgerissen, bevor es soweit ist? Wer heute noch von „Stabilität“ unter US-Führung spricht, hat entweder nichts verstanden – oder ein Interesse daran, dass es so bleibt.

Quelle: https://t.me/Klartext2021Gemeinsam

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