Familie Nazeri zurück in Schleswig-Holstein
Nach 6 Monaten Wohnungslosigkeit und sozialer Notlage in Griechenland kehrt Familie Nazeri endlich nach Halstenbek zurück. Der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein begrüßt die gelungene Rückholung.
Am 22.07.2026 konnte die alleinerziehende Mutter mit ihren vier Kindern, aus Athen zurück nach Schleswig-Holstein fliegen. Dort wurden sie von Freunden und Unterstützern in Empfang genommen. Diese Woche sollen sie nach Halstenbek zurückkommen und wieder ganz in der Nähe ihres alten Zuhauses wohnen. Für die Familie bedeutet das nach monatelangem Kampf endlich anzukommen und wieder in Sicherheit leben zu können.
Was war geschehen?
Nachdem sie bereits 7 Jahre in Halstenbek gewohnt hatte, hatte die Familie einen abgelehnten Asylbescheid vom BAMF erhalten und dagegen Klage erhoben. Das entsprechende Gerichtsverfahren war noch anhängig, doch die Zuwanderungsbehörde wartete die Entscheidung nicht ab und setzte die Abschiebung nach Griechenland auf eigenes Risiko bereits vor Beendigung des Verfahrens durch. Ende Januar wurde die fünf Halstenbeker nach Griechenland abgeschoben.[1]
Wenige Tage nach der Abschiebung wurde der Fall am Verwaltungsgericht Schleswig behandelt und die Abschiebeandrohung der Familie entkräftet. Damit erwies sich die durchgeführte Abschiebung der Familie nach Griechenland nachträglich als rechtswidrig und eine erneute Prüfung des Falls wurde angeordnet.
Das war angesichts der Zustände in Griechenland zu erwarten! Denn die Bedingungen für Schutzsuchende sind dort seit Jahren dramatisch – der Zugang zu medizinischer Versorgung, Sozialleistungen und dem regulären Arbeitsmarkt ist nicht oder ungenügend gegeben und es besteht weder Unterbringung noch Schutz vor Verelendung. [2]
Glücklicherweise erhielt die Familie vor Ort Hilfe durch Refugee Support Aegan, sowie finanzielle Unterstützung von Ehrenamtlichen und Freund*innen aus Halstenbek. Trotzdem erhielt sie während der 6 Monate in Griechenland weder Papiere, noch Zugang zu Gesundheits- oder Sozialleistungen, keine Unterkunft und keinen Zugang zum Bildungssystem.
Dass es die gerichtliche Entscheidung benötigte und die Familie sechs Monate in Griechenland ausharren musste, zeugt von der auf Abschottung und Abschiebung fokussierten Migrationspolitik der Bundesregierung.
„Dass die Familie nun zurück ist zeigt jedoch: Der Rechtsstaat in Deutschland funktioniert. Jedoch war die vereinte Kraft der verschiedenen Unterstützer*innen nötig, um die Familie zurückzuholen. Das ist ein riesiger Erfolg für die Familie und ihre Zukunft aber auch für den täglichen Kampf für die Rechte von Geflüchteten und ihren Schutz vor Willkür und Marginalisierung“, erklärt Leonie Melk,Geschäftsführerin des Flüchtlingsrats Schleswig-Holstein.
Die vier Kinder und ihre Mutter sind nun sehr erleichtert wieder in Schleswig-Holstein zu sein und nach den Ferien wieder in Halstenbek zur Schule gehen zu können. Doch auch hier läuft noch nicht alles rund. Obwohl ihre Ankunft absehbar war, konnte bisher keine langfristige Wohnung für die Familie gefunden werden. Die Unterstützenden hoffen, dass die Familie bald endgültig Sicherheit, Ruhe und ein neues Zuhause findet.
Trotz der gelungenen Rückkehr, äußert sich Leonie Melk vom Flüchtlingsrat nachdenklich: „Wenn Unterstützer alles geben, um gegen Ungerechtigkeiten und rechtswidriges Handeln vorzugehen und wie in diesem Fall rückgängig zu machen, ist das großartig! Doch was ist mit den Familien, Einzelpersonen und Paaren, die weniger gut eingebunden sind? Die keine Hilfe haben beim Ankommen, die nicht mit Anwälten aus Deutschland im Kontakt sind?“
Der Fall beweist:Das überkomplexe System, sprachliche Barrieren und die Schwierigkeiten Menschen nach der Abschiebung zu erreichen, erleichtern Willkür und Behördenhandeln im Graubereich des Rechts, zulasten der Betroffenen. Die Rechtsberatung des Flüchtlingsrats unterstützt Schutzsuchende beim Kampf um ihre Rechte[3].
Um Familie Nazeri beim Ankommen, dem anstehenden Schulbeginn und dem Einrichten einer neuen Wohnung zu unterstützen, sammelt die Unterstützer*innengruppe in Halstenbek weiterhin Spenden[4].
Fälle wie der von Familie Nazeri zeigen: Es lohnt sich zu kämpfen, Ungerechtigkeiten anzuprangern und faire Behandlung und verantwortungsvolles Handeln einzufordern!
