Gegnercheck zum 150. Stadtderby gegen Phönix Lübeck
Am Sonntag, 19. April 2026, steht auf der Lohmühle ein ganz besonderes Spiel an: Der VfB Lübeck empfängt den Stadtrivalen 1. FC Phönix zum 150. Lübecker Stadtderby. Anstoß der Partie im Rahmen des 30. Spieltags der Regionalliga Nord ist um 14:00 Uhr – und die Hansestadt blickt gespannt auf dieses traditionsreiche Duell.
Nicht nur räumlich trennen den VfB und Phönix nur wenige Kilometer, auch ein Blick auf die Tabelle zeigt, beide Teams bewegen sich in unmittelbarer Nähe zueinander und sind sogar Tabellennachbarn. Während sich der VfB Lübeck mit 37 Punkten aus 27 Spielen im gesicherten Mittelfeld auf Rang 9 befindet (44:52 Tore), liegen die Adlerträger nur einen Platz vor den Grün-Weißen auf Platz 8. Der 1. FC Phönix hat nach 28 Partien 41 Punkte auf dem Konto. Mit einem Torverhältnis von 38:34 haben die Kicker von der Travemünder Allee ein leicht positives Torverhältnis von +4.
Die Formkurve in der Liga spricht leicht für die Grün-Weißen, auch wenn zuletzt beim 1:1 gegen Werder Bremen II trotz guter Leistung ein Sieg verpasst wurde. Zuvor gelangen zwei überzeugende Siege in Schöningen (4:0) und gegen Blau-Weiß Lohne (2:0). Phönix hingegen zeigt sich wechselhaft: Aus den letzten 10 Spielen wurden fünf verloren, vier Spiele fanden keinen Sieger und nur eines konnte gewonnen werden. Dieses war ein 2:0-Heimsieg gegen Kickers Emden am vorletzten Spieltag. Im letzten Spiel verloren die Phönixer am Samstag, den 11.04. zu Hause mit 0:2 gegen die Zweitvertretung von Hannover 96. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass es die letzten Niederlagen gegen die Spitzenteams der Liga, Meppen, Drochtersen/Assel und den VfB Oldenburg setzte.
Übungsleiter der Gäste ist der 53-jährige, gebürtige Beniner Dinalo Christiano Adigo, der seit Sommer 2023 Cheftrainer der Adler ist. Als Coach weist er beim 1. FC Phönix in 106 Spielen einen Schnitt von 1,75 Punkten pro Spiel auf. Vor seinem Engagement bei den Adlern war er Übungsleiter beim Rostocker FC, Anker Wismar und FC Schönberg 95. Als Spieler trat er unter anderem für den beninischen Verein Mogas 90 FC und den belgischen KVC Westerlo, die Kickers Offenbach, Lok Stendal, den SSV Reutlingen und den FC Schönberg 95 gegen das runde Leder. Adigo ist mit der A-Trainerlizenz ausgestattet und konnte bereits den Landespokal in Mecklenburg-Vorpommern und in Schleswig-Holstein gewinnen.
Bester Torschütze der Gäste ist Arthur Inaka, der in 25 Spielen bereits zehnmal traf.
Das Hinspiel der laufenden Saison verlief aus Sicht des VfB Lübeck alles andere als erfolgreich: Im 149. Stadtderby musste sich der VfB dem 1. FC Phönix mit 0:2 geschlagen geben. Vor 1.418 Zuschauerinnen und Zuschauern erwischten die „Adler“ den besseren Tag und stellten bereits vor der Pause die Weichen auf Sieg. Benjamin Luis brachte Phönix in der Anfangsphase in Führung, ehe Jannes Vollert kurz vor dem Halbzeitpfiff erhöhte. Der VfB fand über die gesamte Spielzeit hinweg kein Mittel, um die kompakt stehende Defensive des Stadtrivalen entscheidend zu überwinden und musste sich am Ende verdient geschlagen geben.
Über Jahrzehnte hinweg war das Lübecker Stadtderby zwischen dem VfB und Phönix weit mehr als nur ein Fußballspiel: Es war das prägende Duell zweier Welten innerhalb der Stadt. Während Phönix traditionell eher dem bürgerlichen Milieu zugerechnet wurde, stand der VfB mit seinen Wurzeln in St. Lorenz für die Arbeiterschicht. Diese Gegensätze verliehen den Begegnungen seit den späten 1920er-Jahren einen besonderen Reiz, der sich schnell zu einer intensiven Rivalität entwickelte.
Sportlich dominierte zunächst der LBV Phönix die Szene, ehe Anfang der 1930er-Jahre die damalige SV Polizei – der Vorgänger des VfB – zur führenden Kraft aufstieg. Bereits in dieser frühen Phase sorgten spektakuläre Ergebnisse für Aufmerksamkeit, etwa das legendäre 6:1 der Polizei 1928 oder die anschließende 1:13-Revanche von Phönix. Auch in den folgenden Jahren blieb das Kräfteverhältnis wechselhaft, die Rivalität jedoch konstant bestehen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das Derby endgültig zum Zuschauermagneten. In den 1950er- und 1960er-Jahren strömten regelmäßig fünfstellige Zuschauerzahlen auf die Lohmühle oder an die Travemünder Allee. Spiele vor 15.000 oder sogar 20.000 Fans waren keine Seltenheit. In dieser Zeit behauptete meist der VfB die Vormachtstellung, auch wenn Phönix immer wieder Nadelstiche setzen konnte. Legendär bleibt die Saison 1957/58, als beide Teams erstklassig in der höchsten norddeutschen Spielklasse spielten und sich packende Duelle auf Augenhöhe lieferten.
Auch abseits des Platzes war das Derby von großer Bedeutung. In der Stadt wurde tagelang über die Spiele gesprochen, Spielerwechsel waren lange Zeit nahezu undenkbar, und selbst prominente Zuschauer aus Politik und Fußball ließen sich die Duelle nicht entgehen. Trotz aller Härte auf dem Platz blieb der gegenseitige Respekt erhalten – nicht selten klang ein Derby beim gemeinsamen Essen aus.
In den 1970er-Jahren flaute die Rivalität zeitweise ab, auch weil sportliche Entwicklungen auseinanderliefen. Zwar gab es weiterhin emotionale Spiele, doch die ganz großen Kulissen wurden seltener. Ein geplanter Zusammenschluss beider Vereine scheiterte 1973, und spätestens in den 1980er- und 1990er-Jahren verlor das Derby deutlich an Bedeutung, als Phönix sportlich zurückfiel.
Erst in den vergangenen Jahren ist die Rivalität wieder neu entfacht. Seit der Rückkehr von Phönix in höhere Spielklassen kommt es wieder regelmäßig zu Pflichtspielduellen. Auch wenn die ganz großen Zuschauerzahlen vergangener Zeiten bislang ausbleiben, lebt die besondere Atmosphäre des Stadtderbys wieder auf. Mit dem 150. Aufeinandertreffen steht nun ein weiteres Kapitel dieser traditionsreichen Geschichte bevor – und knüpft damit an eine Vergangenheit an, die den Lübecker Fußball über Generationen hinweg geprägt hat.
Wer die gesamte Derbygeschichte noch einmal nachlesen möchte, bekommt hier einen umfangreichen Überblick: VfB gegen Phönix – Eine Zeitreise durch die Derbygeschichte – VfB Lübeck
Fest steht: Die Zuschauer auf der Lohmühle dürfen sich auf ein echtes Fußballfest freuen. Das 150. Lübecker Stadtderby verspricht Emotionen pur – und für beide Teams geht es nicht nur um drei Punkte, sondern auch um die Vorherrschaft in der Hansestadt.









