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Jeder fünfte Deutsche hat keine koordinierende Arztpraxis

Bilder: Gemini KI generiert_(c) TBF ·

Forsa-Umfrage zum Welttag der Patientensicherheit im Auftrag der KKH

Hannover, 16. September 2026 – Wer wegen einer Erkrankung von mehreren Ärztinnen und Ärzten behandelt wird, braucht vor allem eines: eine gute Abstimmung. Doch genau daran scheint es, bei vielen Patientinnen und Patienten zu fehlen. Eine aktuelle Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse zum Welttag der Patientensicherheit am 17. September zeigt: Bei 20 Prozent der 18- bis 70-jährigen Befragten gibt es keine Ärztin oder keinen Arzt, die oder der die gesamte Krankengeschichte kennt und die Behandlung durch verschiedene Ärzte koordiniert.
„Damit fehlt einem Fünftel der Befragten eine zentrale Anlaufstelle, die den Überblick über ihre gesundheitliche Versorgung behält“, sagt Vijitha Sanjivkumar aus dem Kompetenzteam Medizin und Expertin für Patientensicherheit bei der KKH.

Das will die schwarz-rote Koalition mit der Einführung eines verbindlichen Primärversorgungssystems ändern. Patientinnen und Patienten sollen sich laut den aktuellen Plänen künftig in der Regel zunächst an eine Hausarztpraxis wenden. Dort soll der individuelle Behandlungsbedarf eingeschätzt und bei Bedarf die weitere Versorgung koordiniert werden – etwa durch eine gezielte Überweisung an eine Facharztpraxis mit einem Termin innerhalb eines festgelegten Zeitraums. Vorgesehen ist zudem eine einheitliche, onlinegestützte Ersteinschätzung von Beschwerden, die bereits vor dem Praxisbesuch Orientierung über den richtigen Versorgungsweg geben soll. Das neue System soll voraussichtlich 2028 greifen.

Jeder dritte Befragte erhielt widersprüchliche Empfehlungen

Wie wichtig eine koordinierte Versorgung ist, zeigen auch die Erfahrungen derjenigen, die wegen ihrer Beschwerden in mehreren Arztpraxen waren. 61 Prozent der Befragten gaben an, in den vergangenen drei Jahren gesundheitliche Beschwerden gehabt zu haben, wegen derer sie bei mehr als einem Arzt oder Ärztin in Behandlung waren – beispielsweise zunächst in der Hausarztpraxis und anschließend in einer Facharztpraxis. 43 Prozent dieser Patientinnen und Patienten mit mehrfachen Arztbesuchen mussten ihre Krankengeschichte oder Medikation mehrfach erklären. Jeder Dritte erhielt sogar widersprüchliche Empfehlungen.

30 Prozent der Patienten, die in den letzten drei Jahren wegen einer Beschwerde bei mehreren Ärzten in Behandlung waren, hatten den Eindruck, dass die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt über die bisherige Behandlung nicht ausreichend informiert war. Bei jedem Vierten lagen beim Termin nicht alle bisherigen Befunde oder Arztbriefe vor. Auch bei den weiteren Behandlungsschritten gab es Unsicherheiten: 21 Prozent hatten mindestens einmal den Eindruck, dass unklar war, wer den nächsten Behandlungsschritt übernehmen sollte. Bei 16 Prozent kam es zu mindestens einer unnötigen Doppeluntersuchung. Bei knapp einem Drittel (30 Prozent) der Befragten mit Behandlung durch mehrere Ärzte trat keines dieser Probleme auf.

„Patientensicherheit darf nicht nur davon abhängen, wie gut einzelne Patientinnen und Patienten selbst ihre Behandlung organisieren können. Wir brauchen Strukturen, die dabei unterstützen, Orientierung und Koordination in der Versorgung zu verankern. Ein modernes Primärversorgungssystem kann hierfür einen wichtigen Rahmen schaffen“, so Vijitha Sanjivkumar.

KKH fordert: Primärversorgungssystem jetzt gesetzlich auf den Weg bringen

Vor diesem Hintergrund fordert die KKH die Bundesregierung auf, die geplante Neuordnung der Primärversorgung schnellstmöglich gesetzlich auf den Weg zu bringen. „Ein gut ausgestaltetes Primärversorgungssystem sollte Patientinnen und Patienten vor allem dabei unterstützen, schnell und unkompliziert die für sie passende medizinische Versorgung zu finden. Dazu braucht es aus Sicht der KKH eine verlässliche und einheitliche Ersteinschätzung, die Orientierung gibt und den Weg zur richtigen Anlaufstelle erleichtert. Digitale Lösungen wie eine elektronische Überweisung und eine gemeinsame GKV-Terminplattform können zusätzlich dafür sorgen, dass Patientinnen und Patienten nach der Ersteinschätzung möglichst direkt und zeitnah einen passenden Termin erhalten“, erklärt Stephanie Engelmann, Vorstandsmitglied bei der KKH. Auch die Kompetenzen weiterer Gesundheitsfachberufe sollten stärker genutzt werden. Physician Assistants und nichtärztliche Praxisassistentinnen und -assistenten (NäPa) können Ärztinnen und Ärzte bei geeigneten Aufgaben unterstützen und damit Freiräume für die medizinische Versorgung schaffen.

Krankenkassen können chronisch Erkrankte individuell begleiten

Gerade Menschen mit chronischen Erkrankungen sind häufig auf mehrere Ärztinnen und Ärzte sowie unterschiedliche Gesundheitsangebote angewiesen. Der Welttag der Patientensicherheit am 17. September steht deshalb in diesem Jahr unter dem Motto „Sichere Versorgung chronisch erkrankter Menschen – für ein gutes Leben!“. Der seit 2019 jährlich stattfindende Welttag ist einer der globalen Gesundheitstage der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und wird vom Aktionsbündnis Patientensicherheit ausgerichtet.

Neben einer strukturell besseren Koordination kommt auch der individuellen Begleitung von Patientinnen und Patienten eine wichtige Rolle zu. „Krankenkassen können dabei unterstützen, Versicherte durch die verschiedenen Bereiche des Gesundheitssystems zu lotsen. Denn bei ihnen laufen die Versorgungs- und Abrechnungsdaten der Versicherten zusammen. Dadurch verfügen sie über eine gute Grundlage, um passende Versorgungsangebote zu identifizieren und Versicherte bedarfsgerecht anzusprechen“, sagt Stephanie Engelmann. Das könne insbesondere chronisch Erkrankten helfen, ihre Behandlung besser zu verstehen, gesundheitliche Entscheidungen informierter zu treffen und sich sicherer im Versorgungssystem zu bewegen.

Die KKH informiert daher ihre Versicherten freiwillig regelmäßig über individuell geeignete Versorgungsleistungen sowie über ausgewählte Gesundheitsrisiken. Dazu gehören aktuelle Informationen, die auf den individuellen Bedarf zugeschnitten sind, bedarfsgerechte Angebote wie Präventionskurse sowie passende Services. „Eine sichere Versorgung braucht beides: gute Strukturen im Gesundheitssystem und eine individuelle Begleitung der Menschen. Gerade chronisch Erkrankte profitieren davon, wenn Informationen, Behandlung und passende Unterstützungsangebote besser zusammengeführt werden“, erklärt die KKH-Vorständin.

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