Volle Wirtschaftskraft voraus
Die Konjunkturkrise ist bei den Unternehmen in Schleswig-Holstein kein Thema mehr. Im Gegenteil: Der Konjunkturmotor läuft wieder auf vollen Touren. Gute Zahlen meldet nicht nur der Unternehmensverband Mittelholstein in Rendsburg. Optimistisch sind auch ganz konkret zwei Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, die im Norden neue Produkte entwickeln und in die Zukunft investieren: Planton aus Kiel und HAASE Energietechnik aus Neumünster.Positiver Trend
Die Auftragsbücher gut gefüllt, die Umsätze auf hohem Niveau: Dieses erste positive Stimmungsbild im Wirtschaftsraum Rendsburg im Frühjahr 2011 zeichnete der Vorsitzende des Unternehmensverbands Mittelholstein, Jens van der Walle. Für das ganze Jahr rechnen die Unternehmen mit einer guten, wenn nicht verbesserten Situation, sagte van der Walle, basierend auf einer repräsentativen Blitzumfrage bei 75 Unternehmen. So beurteilten mittlerweile wieder 87 Prozent der befragten Betriebe die wirtschaftliche Situation als deutlich verbessert. Als Gründe nannten sie die erhebliche Belebung des Marktes mit steigenden Auftragszahlen, ein stabiles Preisniveau, wiedergekehrtes Vertrauen in den Markt und eine stärkere Investitionsneigung. 25 Prozent der Befragten wollten bis zur Jahresmitte insgesamt 76 neue Arbeitsplätze schaffen. Man könne daher davon ausgehen, das hohe Vorkrisenniveau wieder zu erreichen, bilanzierte van der Walle.
Wachstum – mit regenerativen Energien
Zuversichtliches Feedback gibt auch die HAASE Energietechnik AG & Co. KG aus Neumünster. Das Unternehmen befasst sich bereits seit 1980 mit regenerativen Energien. Mit Biogastechnik und Deponietechnik hat sich der Mittelständler europaweit auf einem zukunftsträchtigen Sektor etabliert – gerade vor dem Hintergrund des geplanten Atomausstiegs. Im vergangenen Jahr stieg die Unternehmensleistung um 30 Prozent auf 56,3 Millionen Euro. Für 2011 erwartet die Geschäftsleitung ebenfalls ein zweistelliges Wachstum. Das spiegelt sich auch in Investitionen im Personalbereich wieder. 2010 schuf das Unternehmen 35 neue Arbeitsplätze, auch 2011 werden neue Mitarbeiter eingestellt. Und das sind Fachkräfte wie Ingenieure, Anlagentechniker oder Metallbauer. Marketing-Chefin Ursula Packhäuser berichtet, durch die Dienstleistungen und Technologien sei man „gut aufgestellt”. Der Betrieb setze auf bewährte, aber auch innovative Produkte. „Die Biomethaneinspeisung ist ein zukunftsreicher Markt”, sagt sie. So marschiert HAASE Energietechnik unter anderem mit Biogas-Aufbereitungsanlagen voran, die das gewonnene Gas veredeln und in Erdgasqualität in Netze einspeisen, „BiogasVerstärker” getauft. Deutschlandweit gibt es schon mehr 40 davon, drei von ihnen stammen aus Neumünster. Zehn bis 15 Prozent Marktanteil peilt Vorstand Dr. Roland Kahn in diesem stark wachsenden Segment an.
Antibiotisch wirksame Stoffe – Markt mit Potenzial
Auf ganz andere Energieträger hat sich die Firma Planton aus Kiel spezialisiert: Das Biotechnologie-Unternehmen analysiert Lebens- und Futtermittel oder Saatgut und andere Rohstoffe auf gentechnisch veränderte Organismen, Allergene oder Pilze. Im vergangenen Jahr startete die erste klinische Studie mit einem neuen, Erfolg versprechenden Wirkstoffkandidaten. Geschäftsführer Dr. Michael Kleine berichtet, Planton habe die Konjunkturkrise gut überstanden. „Es gab keinen größeren Umsatzeinbruch”, so Kleine. Er gehe von einer zweistelligen Umsatzsteigerung für 2011 aus.
In Bezug auf den neuen Wirkstoff, dessen Produktion bis zur Zulassung etwa einen zweistelligen Millionenbetrag verschlingt, gibt er sich optimistisch: „Es handelt sich um ein antimikrobielles Peptid, also eine antibiotisch wirksame Substanz, die etwa bei Hautinfektionen oder Brandwunden äußerlich aufgetragen werden soll.” Besonders vor dem Hintergrund steigender Multiresistenzen bei Krankheitserregern ein Markt mit Potenzial. Denn es gebe einen Bedarf an neuen, innovativen Stoffen. In etwa drei Jahren rechnet der Planton-Chef mit einer Zulassung.
