Wer 217 Millionen Euro für das Theater verplant, riskiert die gesellschaftliche Akzeptanz
Die FDP-Bürgerschaftsfraktion warnt vor einem finanziellen Blindflug bei der Sanierung des Lübecker Theatergebäudes. Während die Finanzierung des Mammutprojekts völlig ungeklärt ist, hat eine breite Bürgerschaftsmehrheit Millionenausgaben für die Vorplanung beschlossen. Die Freien Demokraten fordern stattdessen einen klaren Zwei-Punkte-Plan aus haushaltspolitischer Solidität und umfassender Bürgerbeteiligung.
Nach dem Beschluss der Lübecker Bürgerschaft sollen in den kommenden drei Jahren rund neun Millionen Euro allein für Planungsmittel für die Theatersanierung ausgegeben werden. Getragen wurde die Entscheidung von CDU, SPD, Grünen, Linke/GAL und weiteren Fraktionen. Aus Sicht der FDP greift dieser Schritt zu kurz und verkennt die dramatische Haushaltslage der Hansestadt: Bevor Steuermittel in Millionenhöhe gebunden werden, muss geklärt sein, welcher finanzielle Rahmen für Lübeck überhaupt tragbar ist.
Hierzu erklärt der baupolitische Sprecher der FDP-Bürgerschaftsfraktion Dan Teschner:
„Jetzt schon Millionen in Planungen zu versenken, obwohl die Gesamtfinanzierung noch völlig in den Sternen steht, ist haushaltspolitisch schlicht nicht seriös. Die Bürgerschaftsmehrheit verwechselt hier wieder einmal Wollen mit Können.
Wir Freie Demokraten stehen klar zum Erhalt und zu einer substanziellen Sanierung unseres Theaters. Doch bei geschätzten Gesamtkosten von rund 217 Millionen Euro reden wir über das finanziell bedeutendste Kultur- und Bauprojekt der kommenden Jahrzehnte. Ein Vorhaben dieser Größenordnung darf nicht ohne solide Absicherung und nicht am Bürger vorbei vorangetrieben werden. Wer blind drauflos plant, schafft ein unkalkulierbares Risiko für die Steuerzahler und gefährdet am Ende das Projekt selbst.
Wir fordern deshalb einen verbindlichen Zwei-Punkte-Plan:
- Umfassende Bürgerbeteiligung und Dialog: Nach Abschluss der Vorplanung im Jahr 2029 müssen die Lübeckerinnen und Lübecker über zeitgemäße Formate – von Bürgerforen bis hin zu digitalen Plattformen – transparent eingebunden werden. Zu diesem Zeitpunkt liegen erstmals verlässliche bauliche Szenarien und belastbare Zahlen auf dem Tisch. Die Menschen in Lübeck müssen mitgestalten können, insbesondere bei zentralen Fragen zur künftigen Nutzung und Barrierefreiheit. Auch ein verbindlicher Bürgerentscheid darf an diesem Punkt kein Tabu sein.
- Ehrlicher Kassensturz und klare Grenzen: Kultur ist das Fundament unserer Stadt, aber auch Kulturpolitik darf die Augen nicht vor den wirtschaftlichen Realitäten verschließen. Lübeck kann sich keine Luftschlösser leisten. Es braucht vor jedem Baubeschluss verbindliche Finanzierungszusagen und ein striktes Kostendach. Die Erfahrungen mit dem Umweltbildungszentrum sind eindeutig: Je größer die Träume, desto geringer die Chance auf eine Umsetzung.“
Der kulturpolitische Sprecher der FDP-Bürgerschaftsfraktion, Ulf Hansen, ergänzt:
„Ein Theater ist weit mehr als nur ein historisches Gebäude. Es ist Identifikationsort, sozialer Treffpunkt und das kulturelle Herzstück Lübecks. Gerade deshalb braucht ein 217-Millionen-Euro-Projekt nicht nur hehre Visionen, sondern maximale Transparenz, klare Grenzen und vor allem die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger, die diese Lasten am Ende tragen müssen. Wenn wir die Stadtgesellschaft hier nicht von Anfang an mitnehmen und mitentscheiden lassen, droht ein tiefer Riss, den sich Lübeck nicht leisten kann.“
