Karl Hofers Gemälde „Paar am Fenster“ wieder in Lübeck
(TBF) Rückkehr nach fast 90 Jahren: Lübecker Museum erwirbt Meisterwerk von Karl Hofer. Das Lübecker Museum Behnhaus Drägerhaus verzeichnet einen historisch bedeutenden Zuwachs für seine Sammlung der Moderne. Wie das Museum mitteilt, konnte das Gemälde „Paar am Fenster“ des Malers Karl Hofer aus dem Jahr 1925 erfolgreich zurückerworben werden. Das Werk wird am heutigen Donnerstag, 24. September, feierlich der Öffentlichkeit präsentiert und nimmt fortan seinen historischen Platz im Ecksalon der Beletage ein.
Der Ankauf wurde durch den Zusammenschluss zahlreicher Unterstützer ermöglicht. Neben der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Kulturstiftung der Länder beteiligten sich die Friedrich Bluhme und Else Jebsen-Stiftung, der Verein der Freunde der Museen für Kunst und Kulturgeschichte, Ellen Ehrich sowie der Lions Club Lübeck-Hanse e. V. an der Finanzierung.
Zeitdiagnose am Vorabend der Diktatur
Karl Hofer schuf das Gemälde im Jahr 1925, einer Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs, aber auch der wachsenden politischen Bedrohung in der Weimarer Republik. Das Werk zeigt ein eng beieinanderstehendes Paar vor einer maroden Putzfassade. Es symbolisiert den menschlichen Zusammenhalt in prekären Verhältnissen, während der suchende Blick aus dem Fenster als Ausdruck einer ungewissen Zukunft gedeutet werden kann. Direkt nach seiner Fertigstellung erlangte das Bild hohe internationale Aufmerksamkeit und wurde bis 1928 auf zahlreichen namhaften Ausstellungen in Berlin und Zürich präsentiert.
Das Gemälde besitzt eine direkte Verbindung zur Lübecker Museumsgeschichte. Der damalige Museumsdirektor Carl Georg Heise erwarb es 1927 direkt vom Künstler für das Behnhaus. Zehn Jahre später, im Jahr 1937, beschlagnahmten die Nationalsozialisten das Werk im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ zusammen mit rund 200 weiteren Arbeiten aus dem Museum.
Nachdem es sich seit 1940 in Privatbesitz befunden hatte, gelang der Hansestadt Lübeck im November 2025 bei einer Auktion des Berliner Kanzlei- und Auktionshauses Grisebach der Rückkauf. Die Ernst von Siemens Kunststiftung übernahm dabei die notwendige Vorfinanzierung.
Rekonstruktion der historischen Salons
In der Sammlungspräsentation des nach einer umfassenden Sanierung im November 2025 wiedereröffneten Museums nimmt das Bild eine Schlüsselrolle ein. Eine historische Fotografie der Kunstfotografin Hildegard Heise aus dem Jahr 1927 belegt die ursprüngliche Platzierung des Werkes im Behnhaus.
Gemeinsam mit einer ebenfalls auf dem Foto dokumentierten Büste von Thomas Mann, die 1919 von Hans Schwegerle geschaffen wurde, kehrt das Gemälde nun exakt an seinen originalen Ausstellungsort von 1927 zurück. Damit dient das Ensemble auch als authentisches Dokument der eigenen Institutionengeschichte.
Stimmen zur Bedeutung des Rückerwerbs
Museumsdirektor Dr. Alexander Bastek betont den hohen ideellen Wert des Rückkaufs, der ein zentrales Werk der deutschen Moderne an seinen Ursprungsort zurückbringe. Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung, verweist auf die Herausforderungen und das Glück bei der Auktion, während Dr. Christine Regus von der Kulturstiftung der Länder die Rückkehr als wichtigen Beitrag zum Ausgleich der durch das NS-Regime verursachten Museumsverluste würdigt.
Um das Kunstwerk über die Museumsbesucher hinaus zugänglich zu machen, wird das „Paar am Fenster“ künftig zusammen mit weiteren Sammlungshighlights dauerhaft im hauseigenen digitalen eGuide online zur Verfügung gestellt.
Weitere Informationen unter https://museum-behnhaus-draegerhaus.de
Bildnachweis dafür lautet wie folgt:
(c) LÜBECKER MUSEEN, Museum Behnhaus Drägerhaus – Karl Hofer: Paar am Fenster, 1925

