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Alle Menschen einbeziehen und jede Gabe fruchtbar machen

Foto: Netzwerk Kirche inklusiv
Foto: Netzwerk Kirche inklusiv

Alle Menschen einbeziehen und jede Gabe fruchtbar machen – Der Gebärdenchor „Hands and Soul“ (Hamburg) und das „SommerCafé“ der Kirchengemeinde Lichtenhagen-Dorf (Mecklenburg-Vorpommern) teilen sich den ersten Platz des Inklusionspreises der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche). Anlässlich des 11. Treffens des „Netzwerks Kirche inklusiv“ in Güstrow wurden die Preise am 11. November in der Pfarrkirche der Barlachstadt verliehen. Der dritte Platz ging an das Kinder- und Jugendbüro des Kirchenkreises Nordfriesland (Schleswig-Holstein).

„Es kann nicht einfach um die Integration von Minderheiten in die Lebenswelt der Mehrheit gehen. Nein, es geht um die Einbeziehung aller! Um das Fruchtbarmachen jeder Gabe!“ So hat es Bischof Dr. v. Maltzahn in seiner vorbereiteten Predigt formuliert, die der Theologe krankheitsbedingt heute nicht selbst halten konnte. Der Predigttext wurde von Diakon Jörg Stoffregen verlesen. Weiter heißt es in dem Text des Schweriner Bischofs: „Gott braucht alle Arten von Menschen. So verschieden sie auch sind: Frauen, Männer, Intersexuelle; Menschen unterschiedlicher Begabung; Menschen unterschiedlicher Handicaps…Gott braucht sie alle.“ Denn in all ihrer Verschiedenheit ergänzten sie sich und könnten sich gegenseitig bereichern.

„Der Hamburger Gebärdenchor und das SommerCafé überzeugten die Jury gleichermaßen“, so Diakon Jörg Stoffregen, der das Netzwerk Kirche inklusiv leitet. „Daher entschied man sich, den ersten Preis zu teilen und auf den zweiten Preis zu verzichten. Die Preisträger erhalten so jeweils 3000 Euro.“

Zwei erste und ein dritter Preis verliehen. Der Gebärdenchor besteht schon seit den 1970er-Jahren. Seit 2014 werden ganz im Sinn der Inklusion auch hörende Sängerinnen und Sänger aufgenommen. Mit Birgit Fritzsch und Bettina Schmolla hat der Chor heute eine gehörlose und eine hörende Chorleiteiterin (www.hands-and-soul.de)

Das SommerCafé in Lichtenhagen-Dorf bei Rostock versteht den Begriff Inklusion in einem weiten Sinn: Im Pfarrgarten entstand 2014 als Bereicherung eines aktiven Gemeindelebens ein Treffpunkt, der seither ohne konfessionellen Zwang für jeden zugänglich ist – für Jung und Alt, für Menschen mit oder ohne Behinderung und mit und ohne Migrationshintergrund. (www.kirche-mv.de/Lichtenhagen-Dorf.lichtenhagen-dorf.html)

Der dritte Preis in Höhe von 1500 Euro ging an das Kinder- und Jugendbüro des Kreises Nordfriesland, für das Inklusionsprojekt „Ich bin anders – Gott sei Dank“.

Mit dem 2015 neu ins Leben gerufenen Inklusionspreis, der alle zwei Jahre verliehen wird, möchte das ‚Netzwerk Kirche inklusiv’ der Nordkirche das Engagement für eine inklusive Kirche würdigen. Mitglieder der Jury waren: Dr. Esther Bollag (Zentrum für Disability Studies an der Evangelischen Hochschule), Pastorin Ursula Kranefuss (Referentin im Institut für Engagement-Förderung im Kirchenkreis Hamburg Ost) und Pastorin Kirsten Rasmussen (Inklusionsbeauftragte im Kirchenkreis Ostholstein).

Nach 2015 wurde der mit insgesamt 7500 Euro dotierte Preis zum zweiten Mal vom „Netzwerk Kirche inklusiv“ vergeben. Bewerben konnten sich alle Kirchengemeinden, Kirchenkreise und kirchlich-diakonischen Einrichtungen auf dem Gebiet der Nordkirche, die sich um die Entwicklung von inklusiver Praxis bemühen.

Das ‚Netzwerk Kirche inklusiv’ wurde im Jahr 2012 gegründet, um bestehende Einzelinitiativen in Kirche und Diakonie zu bündeln. Inzwischen gehören ihm rund 150 Einzelpersonen und Einrichtungen der Nordkirche an.