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Breites Bündnis aus der Region Lübeck übergibt Regio-S-Bahn-Appelle an das Land Schleswig-Holstein

Foto: HL · Region fordert mit Nachdruck verbindliche Weichenstellungen für leistungsfähige Zukunftsachsen.

Ein breites Bündnis aus Kommunen, Wirtschaft, Tourismus, Fahrgastverbänden und weiteren regionalen Akteuren hat heute im HANSA-PARK zwei gemeinsame Appelle zur Umsetzung der Regio-S-Bahn Lübeck an Staatssekretärin Susanne Henckel aus dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus (MWVATT) des Landes Schleswig-Holstein übergeben.

Die Botschaft der Region ist klar: Das Projekt Regio-S-Bahn Lübeck muss jetzt Fahrt aufnehmen und ins Rollen kommen. Die Regio-S-Bahn muss als zentrales Zukunftsprojekt innerhalb des neuen Landenahverkehrsplans (LNVP) 2027 – 2032 priorisiert werden. Die Appelle umfassen die Achsen Lübeck – Malente – Lütjenburg / Kiel sowie Lübeck – Neustadt i. H. (Bäderbahn) und werden gemeinsam von Kommunen, Unternehmen, Tourismusorganisationen und Verbänden getragen. „Heute wird ganz klar sichtbar: Die Regio-S-Bahn ist kein Einzelinteresse einer Kommune, sondern ein gemeinsames Zukunftsprojekt für die gesamte Region, die einen relevanten Teil der Landesbevölkerung von Schleswig-Holstein vertritt. Die Regio-S-Bahn ist mehr als die Elektrifizierung der Bäderbahn, sie ist ein Mobilitätskonzept der Zukunft für die ganze Region“, betont Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau.

Große Einigkeit und wichtiges Signal über Gemeinde- und Parteigrenzen hinweg

Die Unterstützung für die Appelle reicht weit über einzelne kommunale Grenzen hinaus. „Was wir bei den beiden Appellen erleben, ist eine außergewöhnlich breite Einigkeit in der Region: gemeindeübergreifend und parteiübergreifend“, sagt Sven Radestock, Bürgermeister der Kreisstadt Eutin. „Bürgermeisterinnen und Bürgermeister unterschiedlichster politischer Couleur aus der Mitte der Gesellschaft stehen hier gemeinsam für ein Ziel: die priorisierte Umsetzung der Regio-S-Bahn im dargelegten Konzept für unsere Bürgerinnen und Bürger, unsere Wirtschaft und unseren Tourismus“, unterstreicht Bettina Schäfer, Bürgermeisterin der Gemeinde Scharbeutz.

Wirtschaft und Tourismus setzen auf bessere Erreichbarkeit

Auch aus Sicht der Wirtschaft ist eine leistungsfähige Bahnanbindung ein entscheidender Standortfaktor. „Für den Einzelhandel und die Innenstadtentwicklung ist Erreichbarkeit ein absoluter Schlüsselfaktor“, betont Olivia Kempke, Geschäftsführerin des Lübeck Managements. „Eine gute ÖPNV-Anbindung entscheidet mit darüber, ob Menschen ihre Ziele in der Stadt einfach erreichen, ob zum Einkaufen, Arbeiten oder für Freizeitaktivitäten. Hierfür ist die Regio-S-Bahn Lübeck von herausragender Wichtigkeit.“

Die Bedeutung für den Tourismus und für die Arbeitsmarktregion unterstreicht auch der Übergabeort HANSA-PARK: Eine bessere Schienenanbindung ist ein wichtiger Baustein sowohl für eine nachhaltige touristische wie regionalwirtschaftliche Entwicklung der Lübecker Bucht. Der HANSA-PARK gehört zu den Erstunterzeichnern des Appells und steht exemplarisch dafür, wie wichtig eine leistungsfähige Schienenanbindung für die lokale Wirtschaft und den Tourismus in der Region ist. „Eine verbesserte Schienenanbindung ist ein ganz wesentlicher Bestandteil für die Gäste- und Mitarbeiterzufriedenheit. Zum HANSA-PARK Team gehören während einer Saison bis zu 850 Mitarbeiter. Außerdem reist ein stetig wachsender Anteil an Besuchern gerne „auf der Schiene“ an. Beide Zielgruppen schätzen erhöhten Komfort sowie Nachhaltigkeit gleichermaßen. All dies vereint das Projekt. Es wird daher sicher nicht nur aufrichtig begrüßt, sondern auch sehr gut angenommen werden“, bekräftigt die Pressestelle des HANSA-PARKs.

„Für den Tourismus ist neben der Erreichbarkeit aus den Quellgebieten, die Mobilität vor Ort wichtig und das am besten, ohne den eigenen PKW zu nutzen. Wir können Verkehre signifikant reduzieren, wenn die Orte mit Hilfe der Regio-S-Bahn entlang der Küste, aber auch mit dem Binnenland, sprich der Hosteinischen Schweiz, besser vernetzt sind“, unterstreicht Katja Lauritzen, Geschäftsführerin vom Ostsee-Holstein-Tourismus.

Konkrete Forderungen: dichter Takt, moderne Infrastruktur, verlässliche Perspektive

Die Appelle enthalten konkrete Forderungen für die Infrastruktur und den Betrieb, unter anderem zusätzliche Kapazitäten, neue Stationen, einen dichteren Takt und im Falle der Bäderbahn auch einer Linienführung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV), die die größten Fahrgastpotentiale erschließt. „Wir brauchen ein Angebot, das die tatsächlichen Verkehrsströme der Region abbildet“, betont Sven Partheil-Böhnke, Bürgermeister der Gemeinde Timmendorfer Strand mit Nachdruck. „Die Menschen, die hier leben und arbeiten, brauchen eine zuverlässige Anbindung, genauso wie unsere Gäste. Die Bäderbahn ist eine zentrale Lebensader der Lübecker Bucht. Sie muss erhalten und als Teil einer leistungsfähigen Regio-S-Bahn mit ganzjährigem und ganztägigem Halbstundentakt und Durchbindung von und nach Hamburg weiterentwickelt werden.“ Dass das Land Schleswig-Holstein sich nun jüngst für den Erhalt der Bäderbahn ausgesprochen hat, wird in der Region außerordentlich positiv aufgenommen.

Dieser Erhalt muss die notwendige Weiterentwicklung der Infrastruktur einschließlich einer Elektrifizierungsperspektive, neue nachfragestarke Haltepunkte (beispielsweise am HANSA-PARK) sowie einen gemeinsamen Bahnhof für die Neubaustrecke und die Bäderbahn in Haffkrug umfassen. Die Bestandstrasse der Bäderbahn soll dabei weichenfrei an den neuen Bahnhof herangeführt werden, um einerseits unnötige und nicht erklärbare Parallelstrukturen vor Ort zu vermeiden und andererseits eine klare Trennung der Verkehrsströme sicherzustellen. „Wir befinden uns jetzt in der entscheidenden Phase, in der die richtigen Weichen noch gestellt werden können und dringend gestellt werden müssen! Sonst fährt Nordeuropas größte Baustelle mit Volldampf gegen die Wand“, betont Bettina Schäfer, Bürgermeisterin der Gemeinde Scharbeutz. „Wir haben nur noch jetzt die große Chance, unserer Region für Jahrzehnte zukunftsfähig aufzustellen.“

Auch die Achse Lübeck – Eutin – Malente – Lütjenburg / Kiel muss konsequent weiterentwickelt werden. „Die Holsteinische Schweiz braucht starke Verbindungen nach Lübeck und Kiel“, sagt Heiko Godow, Bürgermeister der Gemeinde Malente. „Dazu gehören ein dichterer Takt, der Erhalt umsteigefreier Verbindungen an die Fernbahnhöfe Büchen und Lüneburg sowie die Reaktivierung der Strecke nach Malente Nord und Lütjenburg als wichtigen Baustein für die regionale Entwicklung.“ Außerdem sollten auch die Direktverbindungen von und nach Kiel für die Stationen Pönitz und Pansdorf unbedingt erhalten bleiben. „Die Abbindung dieser Stationen von Kiel wird die Region nicht akzeptieren“, unterstreicht Bettina Schäfer, Bürgermeisterin der Gemeinde Scharbeutz.

Sven Ratjens, Geschäftsführer des Eisenbahninfrastrukturunternehmen HLB GmbH betont mit Blick auf die von der Region geforderte Reaktivierung der Strecke Malente – Lütjenburg zudem: „Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Anbindung einer Stadt wie Lütjenburg und einer bedeutenden Tourismusregion wie der Hohwachter Bucht bislang nicht Teil des Landeskonzeptes ist und nicht schon längst eingehend geprüft wurde.“

Infrastrukturfragen müssen jetzt vorausschauend gelöst werden

Die Beteiligten legen Gewicht darauf, dass die Regio-S-Bahn nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern in die langfristige Entwicklung des Schienennetzes und des Schienenknotens Lübeck eingebettet werden muss: „Mit der neuen Fehmarnbeltquerung wird künftig sowohl ein Korridor für den europäischen Schienengüter- als auch Schienenfernverkehr durch den Knoten Lübeck führen. Spätestens seit das von der Hansestadt Lübeck beauftragte Gutachten bestätigt hat, dass die bestehenden Kapazitäten zwischen Lübeck und Bad Schwartau für diese zusätzlichen Verkehre nicht ausreichen, ist erkennbar, dass dort unabhängig von der Regio-S-Bahn zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen erforderlich werden. Die Frage der Regio-S-Bahn ist dabei nur ein Teilaspekt, denn der wesentliche zusätzliche Kapazitätsbedarf entsteht durch die neuen Verkehre der Fehmarnbeltquerung“, so Joanna Hagen, Bausenatorin der Hansestadt Lübeck.

„Eine Darstellung, wonach die vorhandenen Schienenkapazitäten ausreichen würden, entspricht aus unserer Sicht nicht dem aktuellen fachlichen Erkenntnisstand. Einem Jahrhundertprojekt wie der Fehmarnbeltquerung muss ein leistungsfähiger Knoten Lübeck zur Seite gestellt werden. Ein drittes und viertes Gleis im Nordzulauf des Lübecker Hauptbahnhofs sowie eine bessere Entflechtung der Strecken ist daher kein Zusatzprojekt für die Regio-S-Bahn, sondern bereits eine notwendige Voraussetzung, um die wachsenden Verkehre des Gesamtsystems leistungsfähig abzuwickeln“, so Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau. Vor diesem Hintergrund besteht aus Sicht der Region die Notwendigkeit, dass das Land Schleswig-Holstein, auch im Sinne der eigenen Landesziele, noch deutlich offensiver und fordernder gegenüber dem Bund und der DB InfraGO agiert.

„Mit den Regio-S-Bahn-Konzepten kann ein verlässlicher und bedarfsgerechter Zugang zum SPNV in der Region nachhaltig sichergestellt werden. Für deren Umsetzung sind unbedingt schon mit der Planung der FBQ Voraussetzungen zu schaffen. Insbesondere ist die alte Bäderbahn zwischen dem Haltepunkt Ratekau und Haffkrug bedarfsgerecht an die FBQ-Schienenstrecke anzubinden“, ergänzt Thomas Keller, Bürgermeister der Gemeinde Ratekau und Sprecher des FBQ-Projektbeirats.

Auch Stefan Barkleit, Vorsitzender des PRO BAHN-Landesverbandes Schleswig-Holstein/Hamburg betont: „Der Bund, das Land Schleswig-Holstein und die NAH.SH sind gefordert, endlich die Planung für den Ausbau des Knoten Lübeck zu starten, so dass bis zur Fertigstellung und Inbetriebnahme der Aus- und Neubaustrecke Lübeck – Puttgarden so viel Schieneninfrastruktur wie möglich fertiggestellt und in Betrieb genommen werden kann.“

Region erwartet klares Signal des Landes

Mit der Übergabe an das Land Schleswig-Holstein verbindet das Bündnis die Erwartung, dass die Regio-S-Bahn Lübeck nun auch verbindlich und mit Nachdruck weiterentwickelt wird. „Die Region hat mit der Definition gemeinsamer Ziele, der Konkretisierung von Vorschlägen und mit dem breiten Schulterschluss geliefert“, fasst Ostholsteins stellvertretender Landrat Karsten Alwast zusammen. „Jetzt braucht es den nächsten Schritt: eine klare Priorisierung und viel stärkere Unterstützung durch das Land Schleswig-Holstein. Die Region ist bereit. Jetzt ist die Zeit, die Weichen zu stellen!“

Hintergrund:

Die Regio-S-Bahn soll eine attraktive Alternative zum Auto schaffen sowie die Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen, Bildungseinrichtungen, Versorgungsangeboten und touristischen Zielen verbessern. Dazu sollen Schienenverbindungen in der Region dichter getaktet werden und zusätzliche Stationen entstehen, um diese als Rückgrat einer nachhaltigen Mobilität weiterzuentwickeln.

Die beiden Appelle umfassen die Achsen Lübeck – Malente – Lütjenburg / Kiel sowie Lübeck – Neustadt i. H.

Die zentralen Forderungen der Region sind:

Sicherung einer leistungsfähigen Schienenverbindung Lübeck – Neustadt i. H. entlang der Lübecker Bucht:

Erhalt des nachfragestärksten Laufwegs für den Schienenpersonennahverkehr über Timmendorfer Strand und Scharbeutz mit einem ganztägigen und ganzjährigen 30-Minuten-Takt und Durchbindung von/nach Hamburg Hbf. Dazu gehören die notwendige Weiterentwicklung der Infrastruktur einschließlich einer Elektrifizierungsperspektive, neue nachfragestarke Haltepunkte (beispielsweise am HANSA-PARK) sowie ein gemeinsamer Bahnhof Haffkrug an der Neubaustrecke und der Bäderbahn. Die Bestandstrasse der Bäderbahn soll dabei weichenfrei an den neuen Bahnhof Haffkrug herangeführt werden, um einerseits unnötige Parallelstrukturen zu vermeiden und andererseits eine klare Trennung der Verkehrsströme sicherzustellen. Zudem wird ein aufwärtskompatibler Bahnhof Ratekau gefordert, der im Sinne einer verbesserten Redundanz und Robustheit ein drittes Bahnsteiggleis erhält.

Stärkung der Achse Lübeck – Eutin – Malente – Lütjenburg / Kiel:

Erhalt der umsteigefreien Regionalexpress-Verbindung Kiel – Lübeck – Lüneburg zur Sicherung der Direktanbindung der Holsteinischen Schweiz an die Fernbahnhöfe Büchen und Lüneburg. Gleichzeitig soll der RE-Verkehr zwischen Kiel und Lübeck auf einen 30-Minuten-Takt verdichtet und eine Regio-S-Bahn-Verbindung Lübeck – Malente im 30-Minuten-Takt inklusive Reaktivierung der Strecke nach Lütjenburg umgesetzt werden. Dabei sollen auch die Direktverbindungen von und nach Kiel für die Stationen Pönitz und Pansdorf erhalten bleiben.

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