Medizin & Gesundheit

Eröffnung 68. Sylter Woche

„Ein Irrweg“: Scharfe Kritik am geplanten Gesetz zur Beitragssatzstabilisierung.

Westerland, 19. Mai 2026
Dass die Dichte an Zahnärztinnen und Zahnärzten auf Deutschlands bekanntester Insel in dieser Woche besonders hoch ist, hat einen triftigen Grund: Zum bereits 68. Mal findet derzeit die renommierte Fortbildungstagung „Sylter Woche“ statt, der bundesweit größte Fachkongress der Branche. 681 Zahnärztinnen und Zahnärzte aus ganz Deutschland, aber auch aus Dänemark, Österreich, der Schweiz und sogar aus Schweden, Norwegen und Italien sind angereist, hinzu kommen 119 Zahnmedizinische Fachangestellte. Zudem nutzen 48 Zahnärztinnen und Zahnärzte das Angebot, die Tagung in Westerland online zu verfolgen.

„Perfekte Zahnheilkunde für jedes Lebensalter!“ lautet das diesjährige Leitthema der Fortbildungstagung, die von Tagungsleiter Dr. Andreas Sporbeck und dessen Team versiert vorbereitet wurde und noch bis Freitag andauert. Die neuesten Erkenntnisse vermitteln dabei insgesamt 21 versierte Referentinnen und Referenten in zahlreichen Vorträgen und Seminaren. Zudem zeigen 61 Dentalaussteller im Foyer des Congress Centrum Sylt ihre Innovationen auf.

Für Dr. Michael Brandt, Präsident der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein, war es bei der Tagungseröffnung eine besondere Freude, im Auditorium mehrere Gäste namentlich zu begrüßen. Dazu zählten unter anderen Dr. Ralf Hausweiler (Stellvertretender Präsident der Bundeszahnärztekammer), Dr. Christian Öttl (Bundesvorsitzender des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte), Peter Oleownik (Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein) sowie gleichsam als Gastgeberin die Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt, Tina Haltermann, auf die noch eine besondere Überraschung warten sollte.

Ein zentrales Thema der Ansprachen am Eröffnungstag: Das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, aus dem massive Einsparungen im deutschen Gesundheitswesen zwecks Deckung der Krankenkassenbeiträge resultieren – und das dabei die jährlichen Punktwertsteigerungen für vertragszahnärztliche Leistungen kürzt sowie deutliche Einschnitte bei der kieferorthopädischen Versorgung vorsieht. „Dieses Gesetz hat keinen Vorbildcharakter, der messbare Erfolge mit sich bringen würde. Reformen sind sicherlich notwendig – doch dies ist ein Irrweg, der die flächendeckende Patienten-Versorgung gefährdet“, monierte Dr. Ralf Hausweiler. Mehr noch: „Sozialpolitisch verhängnisvoll“ sei es, dass die Regulierungen gerade im kieferorthopädischen Bereich viele Kinder und Jugendliche beträfen. „Dieses Gesetz ist ein Angriff auf unseren Berufsstand. Wir werden alles daransetzen, die Planungen zu korrigieren“, unterstrich Dr. Ralf Hausweiler.

„Die deutschen Zahnärzte sind Präventions-Weltmeister – und erhalten als Dank nun das Beitragssatzstabilisierungsgesetz“, konstatierte Dr. Christian Öttl kopfschüttelnd und betonte: „Es ist auch bei diesem Punkt wichtig, stets mit einer Stimme zu sprechen.“ Auch Peter Oleownik hegte keine Sympathien für das geplante Gesetz, dass er als „unsäglich“ umschrieb. Allein in Schleswig-Holstein seien 91 kieferorthopädische Praxen betroffen, ebenso zahlreiche weitere Zahnärzte, die gerade in ländlichen Regionen als „Generalisten“ wirken. Mit Blick auf dieses Klientel kritisierte Peter Oleownik nachdrücklich den sogenannten Fachzahnarzt-Vorbehalt im geplanten Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Dieser bedeute: Kieferorthopädische Behandlungen wie etwa Zahnspangen für Kinder dürften nur noch von zertifizierten Fachzahnärzte über die gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden. „Das würde etlichen Praxen die Existenzgrundlage entziehen und die Patienten-Versorgung gefährden“, warnte der Redner.

Kritische Anmerkungen kennzeichneten auch den Eröffnungsvortrag von Dr. Michael Brandt. So stellte der Kammerpräsident unter anderem die Auffassung des schleswig-holsteinischen Landesamtes für Arbeitsschutz, Soziales und Gesundheit in Frage, dass die zahnärztliche Approbation für die Aufbereitung von Medizinprodukten nicht genüge. „Wie kann man uns Zahnärzten die Sachkenntnis absprechen, während wir gleichzeitig die rechtliche und fachliche Aufsicht über unser Personal führen, dem die Sachkenntnis nach Abschluss der Ausbildung zuerkannt wird? Das ist doch ein Schildbürgerstreich! Tatsächlich ist eine zusätzliche externe Zertifizierung oder Fachkundeschulung für den approbierten Praxisinhaber weder gesetzlich gefordert noch inhaltlich begründet. Und in der Ausbildungsverordnung für Zahnmedizinische Fachangestellte ist die Aufbereitung von Medizinprodukten ein Kernbestandteil.“

„Perfekte Zahnheilkunde für jedes Lebensalter ist für uns eine zunehmende Herausforderung“, konstatierte Dr. Michael Brandt mit Blick auf das diesjährige Tagungsmotto. Er nannte evidente Zahlen – etwa die rückläufigen Entwicklungen von Karies bei Kindern, Füllungen und Wurzelbehandlungen bei Erwachsenen oder der Zahnlosigkeit bei Senioren –, „die ein schöner Erfolg sind, aber auch einen hohen Anspruch an die Zukunft stellen.“ Denn angesichts immer älterer Patientinnen und Patienten mit immer mehr eigenen Zähnen können Risiken wie Karies oder Parodontitis wieder ansteigen. „Deshalb ist das Motto der diesjährigen Tagung ein sehr wichtiges“, betonte Dr. Michael Brandt und sprach in diesem Zusammenhang Tagungsleiter Dr. Andreas Sporbeck und dessen Team einen großen Dank aus.

Auch Bürgermeisterin Tina Haltermann dankte – nämlich der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein für die langjährige Treue und das stetige Engagement. Schließlich sammle die Kammer schon seit 2008 mithilfe des jährlich stattfindenden Charity-Golfturniers Spenden zugunsten sozialer Zwecke auf Sylt. Mit der diesjährigen Spende in Höhe von 6.800 Euro hat die Kammer über all die Zeit nun eine Gesamtsumme von über 100.000 Euro zusammengesammelt. Aus diesem Grunde überreichte Dr. Michael Brandt nun Tina Haltermann unter großem Applaus einen symbolischen Scheck mit dieser Gesamtsumme. In den bisherigen 18 Jahren des Spendensammelns fand das Spendengeld seine Verwendung zum Beispiel für den Hilfsfond „Familien in Not“ oder auch für Projekte, die allen Sylter Kindern das Schwimmenlernen ermöglichen.

Foto: Marco Knopp

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