Geschichte zum Anfassen: Führungen und Workshops laden zum Entdecken von 800 Jahren Reichsfreiheit ein
Foto: HL · Begleitprogramm „Ziemlich privilegiert!“ bietet spannende Einblicke, persönliche Begegnungen und kreative Mitmachangebote.
Wie fühlt sich eine 800 Jahre alte Urkunde an? Warum ist ein mittelalterlicher Reichsfreiheitsbrief bis heute für Lübeck von Bedeutung? Und wie schrieben Menschen eigentlich Dokumente, lange bevor es Computer, Drucker oder Kugelschreiber gab?
Wer diesen Fragen auf den Grund gehen möchte, ist in der Sonderausstellung „Ziemlich privilegiert! Lübeck und die Reichsfreiheit“ genau richtig. Bis zum 23. August 2026 lädt das Archiv der Hansestadt Lübeck im Burgkloster des Europäischen Hansemuseums nicht nur dazu ein, das wohl bedeutendste Dokument der Lübecker Geschichte im Original zu sehen. Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen und Workshops macht die Geschichte der Reichsfreiheit unmittelbar erlebbar.
Mit den Kurator:innen auf Spurensuche
Was macht eine Stadt eigentlich „ziemlich privilegiert“? Welche Auswirkungen hatte der Reichsfreiheitsbrief von 1226 auf Lübecks Entwicklung? Und warum wirken manche seiner Bestimmungen bis heute nach?
Antworten geben die regelmäßigen Kuratorenführungen durch die Ausstellung. In rund 45 Minuten führen die Experten des Archivs durch die Schau und erzählen die Geschichte hinter der Urkunde, die Lübeck vor 800 Jahren eine außergewöhnliche Stellung im Reich verschaffte.
Dabei geht es nicht nur um historische Fakten. Die Führungen zeigen, wie aus einem Stück Pergament eine Grundlage für Handel, Recht und städtisches Selbstverständnis wurde – und weshalb sich die Folgen dieser Privilegierung noch heute im Stadtbild und in der Geschichte Lübecks entdecken lassen.
Die Führungen finden während der gesamten Ausstellungsdauer regelmäßig statt: sonntags um 14 Uhr und donnerstags um 17 Uhr. Die Teilnahme ist im Eintrittspreis enthalten. Eine Anmeldung ist erforderlich unter www.hansemuseum.eu/tickets
Feder, Tinte und Wachssiegel: Kinder werden zu Urkundenschreiber
Besonders junge Besucher können Geschichte nicht nur hören, sondern selbst gestalten. Beim Workshop „Fälscherwerkstatt“ erkunden Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren zunächst die Ausstellung und erfahren, warum der Reichsfreiheitsbrief auch nach acht Jahrhunderten noch ein „ziemlich großes Ding“ ist.
Danach wird es praktisch: Mit Feder und Tinte verfassen die Teilnehmer ihre eigene Urkunde und versehen sie mit einem Wachssiegel – ganz wie im Mittelalter. Gleichzeitig lernen sie, mit welchen Methoden Dokumente künstlich gealtert werden können und wie Historiker echte von gefälschten Urkunden unterscheiden.
Die kostenlosen Workshops finden am 8. Juli und 11. August jeweils von 10 bis 12 Uhr statt. Die Teilnehmerzahl ist auf zehn Kinder begrenzt, eine Anmeldung ist erforderlich unter www.hansemuseum.eu/tickets
Eine Ausstellung, die Fragen an die Gegenwart stellt
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der Reichsfreiheitsbrief von 1226, mit dem Lübeck zur Reichsstadt wurde. Anhand zahlreicher Objekte aus Vergangenheit und Gegenwart zeigt die Schau, wie diese besondere Privilegierung das Stadtgebiet, das Recht, die Wirtschaft und das Selbstverständnis der Hansestadt geprägt hat.
Gleichzeitig stellt die Ausstellung eine überraschend aktuelle Frage: Was bedeutet es eigentlich, privilegiert zu sein? Historische Beispiele treffen dabei auf heutige Perspektiven und regen dazu an, über Rechte, Chancen und gesellschaftliche Unterschiede nachzudenken
