Krankenhausplan: Versorgung besser steuern, Qualität verlässlich sichern
Zum aktuellen Stand der Krankenhausplanung in Schleswig-Holstein sagt der gesundheitspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Jasper Balke:
Schleswig-Holstein hat eine starke Krankenhauslandschaft mit engagierten Beschäftigten, leistungsfähigen Schwerpunktversorgern und vielen hoch spezialisierten Fachkliniken. Diese Stärke wollen wir erhalten. Aber angesichts des Fachkräftemangels, des medizinischen Fortschritts und veränderter Versorgungsbedarfe müssen wir Krankenhausplanung in ihrer steuernden Funktion ernster nehmen und können nicht einfach jede bestehende Struktur unverändert fortführen.
Krankenhausplanung darf deshalb nicht nur verwalten, was schon da ist. Sie muss Versorgung gestalten – nach Qualität, medizinischem Bedarf und verlässlicher Erreichbarkeit.
Gerade in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein darf Spezialisierung nicht einfach heißen, dass sich die Grund- und Notfallversorgung aus der Fläche zurückzieht. Bei einem Schlaganfall, einem Herzinfarkt oder einem anderen zeitkritischen Notfall muss schnelle Hilfe erreichbar bleiben. Wohnortnahe Grundversorgung auf Kreisebene, spezialisierte Angebote in den Versorgungsregionen und hochkomplexe Medizin auf Planungsebene des ganzen Landes ist deshalb genau der richtige Weg.
Eine besondere Stärke unseres Landes sind die vielen Fachkliniken, manche mit Expertise, die weit über Schleswig-Holstein hinausstrahlt. Sie dürfen in einer Strukturreform nicht untergehen, sondern müssen gezielt gestärkt werden. Das gilt genauso für die Geriatrie: Wir brauchen starke geriatrische Fachkliniken – und zugleich regionale Angebote, die ältere Menschen wohnortnah versorgen. Die Ansätze in Lübeck, Ratzeburg, Bad Oldesloe, Preetz oder Eckernförde zeigen, wie Spezialisierung und regionale Verantwortung zusammengehen können.
Der aktuell laufende Dialogprozess des Landes mit den Kliniken in den sechs Versorgungsregionen ist gerade bei so großen Vorhaben im Gesundheitswesen genau richtig, denn Strukturveränderungen funktionieren nicht gegen die Menschen, die Versorgung jeden Tag organisieren.
Gerade deshalb ist die so widersprüchliche Gesundheitspolitik der Bundesebene in einer solchen Phase der Weichenstellung so schädlich. Wer von Krankenhäusern Wirtschaftlichkeit, Kooperation und Veränderungsbereitschaft verlangt, darf ihre Bemühungen nicht gleichzeitig durch pauschale Kürzungen zunichte machen. Besonders problematisch ist es, verdiente Tarifsteigerungen in der Pflege infrage zu stellen. Pflegefachkräfte und anderes Fachpersonal sind schließlich die entscheidende Voraussetzung dafür, dass Versorgung überhaupt funktioniert.
Ich freue mich auf den weiteren Prozess und danke den Krankenhäusern, ihren Trägern und vor allem den Beschäftigten für ihre Offenheit. Unser Ziel muss eine übersichtlichere, stärker spezialisierte, qualitativ hochwertige und zugleich verlässlich erreichbare Versorgung sein, die nicht an Sektorengrenzen Halt macht, sondern die Gesundheitsversorgung ganzheitlich betrachtet.
