Lübeck: Linke & GAL: Wer bei der Jugendarbeit spart, zahlt später doppelt
Die Fraktion Linke und GAL Lübeck zeigt sich alarmiert über die Folgen des Haushaltsbegleitbeschlusses 2026, mit dem dringend benötigte Personalstellen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit faktisch gedeckelt und teilweise verlagert wurden. Nach Auffassung der Fraktion steht diese Entscheidung in deutlichem Widerspruch zur tatsächlichen Bedarfslage in den Stadtteilen – insbesondere in St. Jürgen.
Ein aktuell erschienener Verwaltungsbericht „Über- und Ausblick zur offenen Kinder- und Jugendarbeit in Lübeck“ weist ausdrücklich darauf hin, dass ein Einfrieren oder eine Reduzierung der Mittel für die Offene Kinder- und Jugendarbeit fachliche Mindeststandards gefährdet. Weniger Personal bedeutet geringere Öffnungszeiten, weniger Verlässlichkeit, schwächere Präventionsangebote und letztlich höhere Belastungen in anderen Bereichen der Jugendhilfe.
„Der aktuelle Bericht zeigt sehr klar, dass die Nachfrage nach Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit deutlich steigt. Gleichzeitig werden die notwendigen personellen Ressourcen eingefroren. Das ist fachlich nicht vertretbar und sozialpolitisch kurzsichtig“, erklärt Juleka Schulte-Ostermann, GAL-Bürgerschaftsmitglied und kinder- und jugendpolitische Sprecherin der Fraktion.
Insbesondere seit der Pandemie und monatelanger sozialer Isolation von Kindern und Jugendlichen hat sich die psychosoziale Gesundheit sehr vieler Jugendlicher verschlechtert. Der Bericht nennt dazu ausgeprägte Zukunfts- und Existenzängste, schulischen und gesellschaftlichen Leistungsdruck, familiäre Belastungen, soziale Isolation infolge digitaler Überlastung, steigenden Konsum psychoaktiver Substanzen, Krisen und Unsicherheiten sowie materielle Armut.
Besonders kritisch bewertet die Fraktion die Situation im bevölkerungsreichsten Stadtteil St. Jürgen. Dort ist die einzige Einrichtung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bereits heute räumlich und personell stark überlastet. Steigende Besuchszahlen, davon über die Hälfte Stammgäste, zunehmende Konfliktlagen und Gefährdungsanzeigen des Trägers machen deutlich, dass die bestehenden Strukturen an ihre Grenzen geraten sind. Die ursprünglich geplanten zusätzlichen Stellen für eine neue Einrichtung stehen jedoch infolge des Haushaltsbeschlusses nicht mehr zur Verfügung.
Zugleich verweist die Fraktion auf die sich verschärfenden sozialen Problemlagen, die in den Einrichtungen sichtbar werden: „Im Bericht wird deutlich, dass zunehmend Jugendliche gezielt nach einer warmen Mahlzeit fragen. In einem der reichsten Länder der Welt ist dies ein Armutszeugnis. Gleichzeitig sind viele ukrainische Jugendliche Stammgäste in den Einrichtungen, die unter den Belastungen des andauernden Krieges leiden und einen erhöhten Bedarf an psychosozialer Unterstützung haben.
Gerade in solchen Situationen braucht es stabile, verlässliche und gut ausgestattete Angebote – keine Kürzungen durch die Hintertür“, so Juleka Schulte-Ostermann weiter.
Für die Fraktion Linke & GAL ist deshalb klar: Kinder- und Jugendarbeit ist keine beliebige freiwillige Leistung, sondern Teil der kommunalen Daseinsvorsorge. Sie schafft Teilhabe, stärkt demokratische Kompetenzen, schützt junge Menschen und verhindert soziale Problemlagen, bevor daraus kostenintensive Hilfefälle werden.
Eine Schwächung dieser Strukturen führe langfristig nicht zu Einsparungen, sondern zu höheren Kosten in den Hilfen zur Erziehung sowie zu sozialen Folgeschäden.
Vor diesem Hintergrund fordert die Fraktion eine sofortige Korrektur des Haushaltskurses. Notwendig seien eine bedarfsgerechte Personalausstattung, die Sicherung fachlicher Standards sowie der zügige Ausbau der Infrastruktur – insbesondere in wachsenden Stadtteilen wie St. Jürgen.
„Gerade, in der offenen Kinder- und Jugendarbeit und in der Jugendhilfe muss es zu einer schnellen Umsetzung kommen, da das Zeitfenster für präventive Maßnahmen und akute Hilfeleistungen so begrenzt ist. Wer heute bei der Jugend spart, zahlt morgen doppelt – sozial und finanziell.
Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass die Kinder- und Jugendarbeit die personellen und finanziellen Ressourcen erhält, die sie dringend benötigt“, so Juleka Schulte-Ostermann abschließend.

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