Conny&Kurt: Warum wahre Resilienz das Scheitern braucht
In einer Zeit, in der das Schlagwort „Resilienz“ zum universellen Bildungsziel und zur psychologischen Daueraufgabe avanciert, regt sich theologischer Widerstand gegen ein allzu glattes Verständnis von Widerstandsfähigkeit. Der Theologe und Publizist Georg Magirius plädiert im Podcast Conny&Kurt für eine Rückbesinnung auf die spirituellen Wurzeln der menschlichen Kraft, die sich gerade nicht in ständiger Funktionalität, sondern im Mut zur Klage und im Aushalten des Unabänderlichen zeigt.
Magirius äußert eine grundlegende „Skepsis gegenüber dem Wort Resilienz“. Wer heute fordert, bereits Kinder müssten zur Resilienz erzogen werden, verkenne oft die menschliche Realität des Scheiterns. Mit Blick auf die christliche Tradition stellt er die provokante Frage, ob etwa Jesus Christus im modernen Sinne resilient gewesen sei – angesichts eines Weges, der am Kreuz endete.
Wahre Spiritualität zeichne sich dadurch aus, dass sie es erlaube, „auch nicht resilient sein zu müssen, durchgehend, sondern auch scheitern zu können, verzweifelt sein zu dürfen“.
Dabei bewegt sich Magirius im Spannungsfeld zweier Traditionen: dem „Weg zum Seelenfrieden“ einerseits und einer „wilden Tradition der Freiheit und der Klage“ andererseits. Letztere, tief verwurzelt in der Exodus-Erzählung und den Psalmen, betont das Recht des Menschen, sich eben nicht mit dem Leid zu arrangieren.
„Ich darf wütend sein im Gebet“, so Magirius. Gott selbst stelle sich in der Bibel als einer vor, der das Elend und das Schreien seines Volkes gesehen und gehört hat. In der biblischen Figur des Hiob sieht er ein „unglaublich beeindruckendes Zeugnis“, das dem Menschen das Recht zuspricht zu sagen: „Hier stimmt es nicht“.
Diese Form der Klage sei keineswegs destruktiv, sondern besitze eine „therapeutische“ Qualität. Ohne den „Karfreitag“ – das Aushalten von Ohnmacht und Verletzung – bleibe die Suche nach innerem Frieden oberflächlich. Magirius warnt davor, Resilienz als eine Art „Leistungsreligion“ misszuverstehen, in der man sich von den Krisen anderer abschirmt, um selbst unversehrt zu bleiben.
Stattdessen eröffne erst das Eingeständnis der eigenen Schwäche einen Raum, in dem die Seele wirklich still werden kann. Am Ende steht für ihn nicht die perfekte Selbstoptimierung, sondern die „Sehnsucht nach Freude“ und die Freiheit, trotz allem eine Haltung des Friedens einzunehmen.
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